Lokale Kultur

Wo bin ich fremd? Integration für Fortgeschrittene . . .

KIRCHHEIM Der mit seiner Familie schon viele Jahre in Deutschland und inzwischen in Kirchheim lebende Journalist und Schriftsteller Hüseyin Sengün hat sich einen Traum erfüllt, den er möglicherweise teuer bezahlen muss, wenn er nicht doch noch einige Sponsoren für seine inzwischen erfolgreich abgeschlossene Filmproduktion an Land ziehen kann. "Wo bin ich fremd?"

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lautet der Titel seines mit großem Engagement angegangenen Projekts zum Thema Integration, das Kameramann Hacy Manay und den Darstellern Sabine Mert, Damin Gömek und Ismail Sahin zwar keine fürstlichen Gagen, an den vielen Drehtagen aber immerhin viel Tee und türkische Spezialitäten einbrachte. Für das Drehbuch des Films zeichnet Hüseyin Sengün gemeinsam mit Sabrina Kara verantwortlich.

Nachdem die sehr erfolgreich am Markt operierende Multikulti-Vorabendserie "Türkisch für Anfänger" 2007 mit dem Grimme-Preis geadelt wurde, hätte Hüseyin Sengün durchaus Ambitionen, gleich seine eigene Staffel zum Thema "Integration für Fortgeschrittene" hinterher zu schicken. Dafür muss sich der nach Probeaufnahmen im Brückenhaus dann doch ausschließlich im Hochhaus in der Aichelbergstraße abgedrehte Pilotfilm aber erst noch bewähren. Ob sich seine drei talentierten Laiendarsteller tatsächlich neben Schule und Beruf dem Stress ausliefern könnten, Sonntag für Sonntag vor der Kamera zu stehen, ist dabei die Frage . . .

Trotz guter Kontakte zu Mitarbeitern von ARD und zwei türkischen Fernsehsendern dürfte es für Hüseyin Sengün sicherlich nicht einfach werden, den Sprung ins Deutsche Abendprogramm zu schaffen. "Tanja" Sabine Mert und "Ali" Ismail Sahin spielen schließlich ein deutsch-türkisches Elternpaar, das schon viele Jahre in Deutschland lebt. Da er sich nie ernsthaft darum bemühte, die Sprache seines neuen Heimatlandes auch ordentlich zu lernen, ist der dominante Herr im Haus dauernd auf die Hilfe der beiden Frauen angewiesen.

Die aufmüpfige Tochter Oya alias Damin Gömek hat längst klar erkannt, dass sie nur dann von Lehrern und Mitschülern, Nachbarn und Freunden akzeptiert wird, wenn sie sich gut mit ihnen allen verständigen kann. Vor allem im Blick auf die spätere Berufswahl hat sie sehr großes Interesse daran, die Sprache möglichst perfekt zu beherrschen und ein entsprechend gutes Schulzeugnis zu bekommen.

Dass ihr Filmvater noch immer wie ein Fremder in seiner neuen Heimat lebt und dauernd auf die Hilfe seiner beiden Dolmetscherinnen angewiesen ist, kann Oya überhaupt nicht verstehen. Während sie sich immer darum bemüht, Deutsch zu sprechen, reden ihre beiden Filmeltern der besseren Verständigung wegen fast nur Türkisch miteinander.

Der jetzt abgedrehte Streifen "Wo bin ich fremd?" mit einer Laufzeit von knapp unter einer halben Stunde müsste daher eigentlich für den deutschsprachigen Raum gleich auch noch übersetzt und für teures Geld mit Untertiteln versehen oder aber gleich synchronisiert werden was natürlich noch teurer wäre.

Für die sprachliche deutsch-türkische Nachbearbeitung hätte Sabine Mert, die schon lange wieder in Kirchheim lebende Darstellerin von Oyas Mutter Tanja, ideale Voraussetzungen. Sie hat schließlich schon mehrere Jahre zunächst in Istanbul, später auch noch einige Zeit in Anatolien in der Nähe von Konya gewohnt. Dabei ist ihr sehr bewusst geworden, wie schwer es trotz aller türkischen Gastfreundschaft sein kann, sich in einer fremden Umgebung zurecht zu finden, wenn man nicht gute Sprachkenntnisse mitbringt oder sie sich nicht wenigstens rasch aneignen kann.

Nach regelmäßigen sonntäglichen Drehterminen, die sich über mehrere Wochen hinzogen, sind alle beteiligten Akteure froh, die sehr zeitintensiven Dreharbeiten für den relativ kurzen Streifen gut über die Runden gebracht zu haben. Sehr viel Engagement und Begeisterung floss in dieses auch vom Integrationsausschuss ideell unterstützte und mit organisierte Filmprojekt über das nicht immer leichte Miteinander von deutschen und türkischen Bürgern ein.

Die erforderliche professionelle technische Nacharbeit im Studio ist inzwischen ebenfalls unter entspechendem Zeitdruck abgeschlossen worden, um den gerade abgedrehten Streifen für einen in der Türkei ausgelobten Wettbewerb einreichen zu können. Das Ergebnis dieses Wettbewerbs wird dann maßgeblich mit darüber entscheiden, ob noch Sponsoren einsteigen und vor allem auch darüber, ob und wo der in Kirchheim gedrehte Film "Wo bin ich fremd?" ein Publikum finden kann. Auf eine mögliche ARD-Vorabendserie "Integration für Fortgeschrittene" wird man also sicher noch etwas warten müssen . . .