Lokale Kultur

Wohltuende musikalische Gespräche

Das Jochen Feucht Trio begeistert die Jazzfans in der Kirchheimer Bastion

Kirchheim. Die adäquate Antwort auf das ständig fortschreitende Lärmende gab das Jochen Feucht Trio in einem wärmenden, feinsinnigen, musikalischen Dialog, den die zahlreich erschienenen Jazz- Enthusiasten am Samstagabend in der Bastion

Brigitte Gerstenberger

mit viel Applaus würdigten. Ein kammermusikalisches Konzert, bei dem die herausragenden Instrumentalisten Jochen Feucht, Sopransaxofon und Bassetthorn, Olaf Polziehn, Piano, und Christian Ramond, Kontrabass, in ungeahnter Weise die fruchtbare Spannung zwischen Arrangement und Improvisation zu Gehör brachte.

Da mischt sich der eigentümliche, etwas spröde Klang des Bassetthorns von Jochen Feucht mit dem tänzelnden, kreativen Drive eines Olaf Polziehn am Piano. Zwei, die sich bestens verstehen und seit vielen Jahren in unterschiedlichen Projekten zusammenarbeiten. Polziehn, seit kurzem Professor für Klavierspiel an der Musikhochschule Graz, teilt mit Feucht seine musikalischen Überzeugungen und so wirkte er unter anderem bei Feuchts CD-Produktionen „Warm Jazz“ 1996 und „Open Time“ 2005 mit. Aus „Open Time“ auch das Stück „NB.“: Frei übersetzt von Jochen Feucht – „die gute Note/Nota bene“– wohlgemerkt, auf der lateinischen Floskel lag ein besonderer Ausdruck. Mit schnörkellosem Spiel und augenzwinkernder Raffinesse trugen die beiden langjährigen Partner ihrem blinden Verstehen Rechnung. Zum aufgeschlossenen Musizieren fügt sich Christian Ramond am Kontrabass genial hinzu. Er, ebenfalls ein langjähriger Weggefährte von Jochen Feucht, ist einer der gefragtesten Bassisten der deutschen Szene.

Die einfühlsamen Töne des virtuos aufspielenden Jochen Feucht gehen tief und geben Wärme, schaffen einfach eine wohlige Atmosphäre, die zum Träumen verführt. Beispielsweise in die unendlichen Weiten des Alls, in Richtung Saturnmond Mimas, benannt nach dem gleichnamigen Giganten aus der griechischen Mythologie. „Mimas/Orange“, eine weitere Komposition aus „Open Time“, ist freilich kein gigantischer Jazzexzess, vielmehr ein bildhaftes Klangerlebnis voller emotionaler Intensität. Dann der Cole Porter Standard „All Of You” und Miles Davis „Narvis“, freudig beklatscht von einem zugewandt lauschendem Publikum. Zwischendurch immer wieder vom Trio eingestreut, Weltmusik vom Feinsten. Und so verwundert es kaum, dass Egberto Gismonti zu den Lieblingskomponisten von Jochen Feucht zählt. Hat dieser doch als Komponist eine Kammermusik geschaffen, in der Klassik und brasilianische Musik in kluger, geistreicher Weise zusammenfließen. Gismonti spielte in den siebziger Jahren zusammen mit dem norwegischen Saxofonisten Jan Garbarek und dem amerikanischen Bassisten Charlie Haden – ihre Musik ist zweifelsohne ein stilistischer Meilenstein in Sachen Weltmusik. Mit Gismontis „Don Quixote“ verneigte sich das Trio vor einem der großen Gitarristen Brasiliens. „Wir wollen das Stück möglichst nicht zerstören“. Mitnichten, auch dieser Titel gelang bravourös.

Ein herrlich unaufgeregter Jazzabend mit überragenden Instrumentalisten. Welcome in Kirchheim, Jochen Feucht und Kollegen.

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