Lokale Kultur

Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem als "Krönungsmesse"

KIRCHHEIM Für die renovierte Kirche Maria Königin war es eine Premiere, für das Schlossgymnasium ein weiterer Meilenstein seiner

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ERNST LEUZE

Schulmusik, für Wolfgang Junker ein Triumph, und für die Zuhörer ein umjubeltes Konzert, schließlich auch ein denkwürdiger Einstieg in die Passionswoche: Die Aufführung des Mozart-Requiems durch den Projektchor des Schlossgymnasiums Kirchheim unter der Leitung von Wolfgang Junker. Sein Name steht für Musizieren auf hohem Niveau, das sich nicht nur in der schulinternen Arbeit manifestiert. Junker versteht es, auch Erwachsene für seine Arbeit zu begeistern. Zu welch überragenden Ergebnissen das führt, war eben beim Mozart-Requiem wieder zu bewundern.

Die Besucher bekamen zu hören und sehen, dass Schule kein abgeschlossenes System sein muss. Für die Verzahnung des Schlossgymnasiums in die Gesellschaft gibt es kaum ein probateres Mittel als den Projektchor. Wenn Schüler, Eltern, Lehrer, Ehemalige und Freunde der Schule ein halbes Jahr lang für ein Konzert zusammen proben und dann zu einer solch stimmigen Leistung gelangen im Konzert, ist ein tiefes Bewusstsein der Zusammengehörigkeit geschaffen. Unbezahlbar!

Wer diesen Chor gehört hat gut besetzt in allen Stimmen (im Tenor sogar hervorragend), präzise artikulierend, genau intonierend, dazu stimmlich homogen, innerhalb der einzelnen Stimmgruppen und auch im Ganzen , kann nur voll Bewunderung sein. Der Dirigent hatte seinen Chor jederzeit "voll im Griff"; Orchester und Solisten führte er gleichermaßen souverän. Das spricht einmal mehr für seine Fähigkeiten aber auch für die Qualität seiner Musiker, die er mit Bedacht ausgewählt hatte: ohne Fehl und Tadel die Streicher mit der Konzertmeisterin Eve-Marie Ulbrich, unübertrefflich die Trompeten, an vielen Stellen sich rund in den Chorklang integrierend die Posaunen, und meist unauffällig, weil sehr zuverlässig, Fagotte und Bassethörner, völlig unüberhörbar aber die Pauke!

Lag das am Raum? Wohl kaum, denn die Solisten schallten aus derselben Ecke, ohne sich vom Gesamtklang abzuspalten. Solosopran und Soloalt Julia Amos und Cornelia Karle, beide kurzfristig eingesprungen, agierten intelligent und engagiert: kernig führend die eine, mit strahlend schlankem Timbre die andere. Die Männersolisten standen dem nicht nach. Im Gegenteil! Alexander Illi sang einen berückend schlanken und biegsamen Tenor, und Christoph Sökler wie es von ihm nicht anders zu erwarten war mit Geist und Glanz in der Stimme. Das Schönste aber, und richtig aufregend war, dass endlich einmal musikalisch im Ensemble gesungen wurde. Weder blökte der Bass, noch schmetterte der Tenor, noch röhrte die Altistin, noch schrillte kokettierend die Sopranistin. Diese jungen Leute deklassierten selbst weltberühmte Sängerkollegen, dass es eine Wonne war. Unvergessen wird das bleiben.

Wesentlichen Anteil an diesem Triumph hat die Gesangspädagogin Gertrud Junker, durch deren Hände alle (bis auf den Tenor) gegangen sind. Und wenn der Chor bis zum Schluss stimmlich fabelhaft durchgehalten hat, ist das auch der Stimmbetreuung Gertrud Junkers mit zu verdanken.

Kein Schatten bei so viel Licht, selbst mit der Lupe gesucht? Na ja, die grafische Gestaltung des Programms war dem musikalischen Niveau nicht adäquat. Und eine Kleinigkeit zu korrigieren gab es im Vorwort. In der Einführung wird von der "mittellosen" Witwe Mozarts gesprochen. Natürlich weiß Wolfgang Junker, dass sie nicht arm war nur geizig, denn er stellt im gleichen Atemzug auch ganz richtig fest, dass die überraschend schnelle Komplettierung des Werkes den finanziellen Interessen Constanzes zu verdanken ist.

Doch nun zu weiteren "Lichtblicken" des Konzerts: "Lux perpetua" erklingt es nachdrücklich zu Beginn des Requiems mit "Lux aeterna" schließt das Stück. Das übliche "Ewige Licht", wie in jedem katholischen Gotteshaus, ist wohl niemand besonders aufgefallen, wohl aber die fast unübertrefflich gute Ausleuchtung des Kirchenraumes (konzipiert übrigens von einem Kirchheimer Ingenieurbüro). Was die Beleuchtung anbetrifft, gibt es wohl kaum ein öffentliches Gebäude in der Region, das Maria Königin in dieser Beziehung auch nur annähernd das Wasser reichen könnte. In festlicher Helle Sänger und Spieler. Die Besucher dagegen in warmes Leuchten gehüllt.

Lag es daran, dass die, vielen so fremd gewordenen, Worte des Requiems doch ihre auratische Wirkung entfalteten? Sensationell wie die moderne Kirchenarchitektur im Zusammenklang mit dem Licht (Fenster und Ausleuchtung) spirituelle Dimensionen aufreißt, die manche altehrwürdigen Gemäuer schmerzlich vermissen lassen. Was dem Raum bei übervoller Besetzung an Nachhall fehlt, wird mehr als wett gemacht durch seine einzigartige Lichtaura.

Für die Kirche war diese Aufführung ein Paukenschlag (die wackere Paukerin wird's mit Schmunzeln vernehmen). Jetzt ist Maria Königin nicht nur ein verehrungswürdiger Ort der Liturgie, sondern auch eine hochfeierliche Konzertkirche ihren Schwestern ringsumher nicht nur ebenbürtig, sondern in vielem sogar überlegen. Gespannt kann man nun auf die neue Orgel warten. Am vorgesehenen Ort müsste sie so kristallklar und durchsichtig klingen, wie es am Samstag bei Soli, Chor und Orchester zu erleben war: Maria "Königin"!