Lokale Kultur

"Zaubersassa" und atemberaubender "Abreimer"

DETTINGEN Nach Hollywood und Las Vegas, Tübingen und Kirchheim hat der "Zaubersassa" und gnadenlose "Abreimer" Helge Thun mit Dettingen endlich den wahren Ort

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WOLF-DIETER TRUPPAT

seiner kabarettistischen Bestimmung gefunden. Zum internationalen Tag des Ehrenamtes in die Schlossberghalle geladen, hatte der Vielbegabte die ehrenvolle Aufgabe, allen ehrenamtlich Tätigen herzlich zu danken und ihnen einen vergnüglich-unterhaltsamen und möglichst auch gleich noch unvergessenen Abend zu schenken.

Wer Helge Thun verpasst hat oder aber gerne wiedersehen möchte und das dürften nicht nur Ina, Eva, Monika, Dietmar und natürlich vor allem auch Claudia sein braucht nicht lange zu warten. Am Samstag, 18. März, kehrt er gemeinsam mit Udo Zepezauer und seinem Programm "Helge und das Udo" zum dankbaren Dettinger Publikum zurück, das ihm schon bei seinem "ehrenamtlichen" Besuch zu Füßen lag und ihn das nächste Mal sicher besonders begeistert beim "Heimspiel" begrüßen wird.

Bevor es wirklich richtig unernst werden durfte, begrüßte Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann zunächst die vielen ehrenamtlich Tätigen, die sich in Gemeinde- und Kirchengremien und in Vereinen, bei wichtigen Einrichtungen oder auch "als Einzelkämpfer" für die Gemeinde und für die Gemeinschaft engagieren und offensichtlich alle gerne seiner Einladung gefolgt waren.

Dass sie nicht nur gut unterhalten, sondern auch großzügig bewirtet werden konnten, war nicht zuletzt dem Sponsoring namhafter Dettinger Unternehmen zu verdanken. Sekt und Selters konnten daher genauso auf dem Programm stehen wie ein großes Büffet und natürlich ein zaubernder Allround-Comedian, der sich mit langweiligen Klassikern wie schwebenden Damen oder gar mit "zersägten Jungsauen" an diesem Abend erst gar nicht abgab. Vielleicht handwerklich nicht unbedingt besser, aber doch "deutlich schöner als David Copperfield", nutzte Helge Thun seine magischen Kräfte vor allem dazu, mit den ihm fast willenlos folgenden Massen in der Schlossberghalle zu spielen und sich bei dieser Gelegenheit ruhig auch gleich ein paar Streicheleinheiten zu gönnen. Wer ihm das neidete, hätte ja nur Zauberer zu werden brauchen . . .

Dass er aber nicht nur ununterbrochen zaubern, sondern mindestens einmal auch singen werde, verriet er gleich zu Beginn der "zeitgleich live im ZDF übertragenen Show". Nachdem er sich genügend Münzen und Scheine hatte zuwerfen lassen, präsentierte Helge Thrun im Bettelkloster erlernte tibetanische Fingermeditationsübungen, mischte mit mitreißenden Kartentricks das Publikum auf , das er in der astrologischen Abteilung seiner Show auch noch höchst behutsam in das Sternenbild der Hämorrhoiden entführte, wo wohl nicht "Henkel trocken" sondern "Hakle feucht" die Welt regiert.

Aus Kiel kommend, wo Schrecklichkeiten wie Labskaus für Labsal sorgen müssen, verneigte sich der spöttische Wahl-Tübinger ehrfurchtsvoll vor der unbestrittenen Qualität der schwäbischen Küche, machte aber auch keinen Hehl daraus, dass Italiener und Franzosen bei der Namensgebung ihrer Speisen den Schwaben doch deutlich überlegen sind. "Ravioli" klingt schließlich wirklich viel besser als "Mauldascha" und auch ein nasal ausgesprochenes "Cordon bleu" oder "Filet Mignon" geht deutlich eleganter über die Lippen als der sich zumindest phonetisch deutlich unter Wert verkaufende "Roschtbroda" oder gar die von der Pasta-Variante "Schupfnudel" sich ableitenden "Buabaschpitzla".

Zum "200. Todestag von Walter Giller" oder war es vielleicht doch eher Friedrich Schiller ? wagte sich der pragmatische "Abreimer" an den kompromisslos auf Komprimierung setzenden Lyrik-Doppelpack zum Thema "Die Taucherglocke". Der in dem immerhin auf nur acht Zeilen reduzierten Gedicht vorkommende und "wie festgemauert in der Erde" steckende Jüngling war zwar weit und gut, doch bei Ebbe statt bei Flut ins Wasser gesprungen.

Begeisternd war auch die unglaubliche Fingerfertigkeit, mit der der kalauernde Comedian im furiosen Finale einen länglichen Luftballon in Sekundenschnelle nicht nur in die unterschiedlichsten Tiere wie beispielsweise Schlange, Aal, Blindschleiche oder Zitteraal verwandeln konnte, sondern sich auch an die deutlich schwierigeren Disziplinen "Platzhirsch", "Knallfrosch" oder auch "Päng-guin" heranwagte.

Immer intensiver näherte sich der eigentlich von Theatersport und der Zauberei kommende Schauspieler und Entertainer seiner neuen Passion, die ihn auch immer wieder mit dem aus Kirchheim stammenden "Blödelbarden" Timo Brunke zusammentreffen lässt: das Verfassen atemberaubender Reime. Einst als günstiges Geburtstagsgeschenk für seine geliebte Frau entdeckt, lässt Helge Thun diese längst zum Laster gewordene Leidenschaft zur Lyrik nicht mehr los. Statt Kaninchen aus dem Zylinder zu zaubern oder allzu lange mit einem Waschbären auf der Bühne herumzualbern, spielte er dann aber doch meist lieber mit einem Publikum, das ihm eigentlich von Beginn an begeistert folgte und fast willenlos alles mitmachte, was der Meister verlangte.

Die zum Finale noch offerierten ambitionierten Zungenbrecher, in denen viel von fiesen Friesen-Fliesen die Rede war, wurden den bekanntermaßen eher etwas lippenlahmen Schwaben dann aber doch schnell zu viel und vor allem auch viel zu schnell. Da er auf Einladung von "kultur ecce" ja ohnehin bald mit seinem Programm "Helge und das Udo" wiederkommt, wurde der ohne "Das Biest" aus Anlass des internationalen Tages des Ehrenamts nach Dettingen gekommene "Schöne" mit viel Applaus verabschiedet.

Schließlich sollte der höchst vergnügliche Abend ja auch noch ausreichend Gelegenheit bieten, nicht nur nebeneinander zu sitzen und sich schnell wegzuducken, wenn der Magier wieder freiwillige Helfer sucht. Im Kreis von Menschen, die sonst ganz selbstverständlich, freiwillig und unaufgeregt Aufgaben für die Gemeinschaft übernehmen, sollten alle Gäste ja auch noch ausreichend miteinander ins Gespräch kommen.