Lokale Kultur

Zeichnung und Projektion

KIRCHHEIM Um 17 Uhr wird am Sonntag, 10. Juni, in der Städtischen Galerie im Erdgeschoss des Kornhauses in Kirchheim eine Ausstellung mit Arbeiten von Eva Borsdorf aus Reutlingen eröffnet. Die Ausstellung, bei der die Schwerpunktthemen Zeichnung und Projektion im Mittelpunkt stehen, ist bis einschließlich Sonntag, 8. Juli, zu sehen. Die Einführung übernimmt Professor Dr. Johannes Meinhardt aus Tübingen.

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In der Werkgruppe der "Licht Schatten Projektionen" zeichnet Eva Borsdorf natürliche Selbstprojektionen auf: die unlesbaren Geflechte von Schatten und Licht, die bei direktem Sonnenlicht durch Zweige fallen. Diese Flecken von Licht und Schatten notiert sie mit Tusche auf Papier und da die Einschreibung durch die Hand Schritt für Schritt erfolgt, treten Verschiebungen und Überlagerungen in der gezeichneten Fläche auf. Diese werden als materielle Prozesse sichtbar, als sichtbare Ergebnisse des Sedimentierens, Trocknens und Überlagerns von Pigmentschichten, die aus der Tusche ausfallen.

In der Werkgruppe der "Fadenzeichnungen" oder "Linien im Raum", die zugleich Projektionen, Reliefs und Zeichnungen sind hängt oder spannt Eva Borsdorf weiße Fäden unterschiedlicher Stärke und unterschiedlicher Spannung mit der Hilfe von Nägeln parallel zur Wand und das deutlich vor der Wand.

Diese materiellen Linien, die Fäden, projizieren, abhängig von den verschiedenen Lichtquellen, mehrere unterschiedliche, fast parallele Schattenverläufe auf die Wand. Auf diese Weise wird in diesen Zeichnungen der materielle Träger der Zeichnung vom visuellen Phänomen "Zeichnung" getrennt: Vor allem in den "Fadenzeichnungen" oder "Linien im Raum" verschränken sich Bild und reale Situation unlösbar und daher auch gleich mehrfach.

Die Linie als Faden im Raum, die Linie als projizierter Schatten auf der Wand, und die Linie als Zeichnung, also als künstlerische Einschreibung der Hand, lassen sich nicht trennen, sondern verschränken sich. Diese unlösbare Verschränkung ist es, die diese Zeichnungen, Projektionen, Reliefs so interessant macht."

Die 1966 in Stuttgart geborene und in Reutlingen lebende Künstlerin Eva Bosdorf studierte 1987 bis 1995 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Im Jahr 1990 absolvierte sie einen Auslandsaufenthalt an der Polytechnic Leeds im Department of Visual Studies. Ein Werkstipendium brachte sie 1993 in das Sommeratelier Shed im Eisenwerk Frauenfeld in der Schweiz.

1999 erhielt Eva Borsdorf den Preis des Künstlerbundes Tübingen. Ihre Ausstellung im Kornhaus ist dienstags von 14 bis 17 Uhr, mittwochs bis freitags von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr und samstags, sonntags und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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