Kirchheim

Zu Lande und zu WasserInterview

Wenn ein Windpark entsteht, sind vielfältige Aufgaben zu bewältigen. Iris Häfner sprach mit dem Projektleiter Windenergie.

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Was macht den Reiz Ihrer Arbeit aus?

TOBIAS BORDE: Das ist derzeit der spannendste Job in Deutschland – für mich, kein Zweifel ein echter Traumjob. Dabei zu sein, wie die Energiewende vorankommt und wir die Stromerzeugung immer grüner machen. Es gibt viele Dinge, die zu koordinieren sind. Abwechselnd am Schreibtisch und vor Ort, zum Beispiel die Verhandlungen mit dem Windturbinenhersteller, die Planung der Baustellen, der Kabeltrasse und natürlich die Bauarbeiten selbst, vor allem aber der Projektterminplan mit all den kleinen unvorhergesehenen Dinge. Denn jedes Projekt ist anders: die Anzahl der Turbinen im Windpark, deren Leistung, die Umgebung, der Baugrund, die Zufahrt, die Länge der Kabeltrasse, die Lieferanten. Die tatsächliche Bauzeit ist dann am Ende das kleinste Zeitfenster des ganzen Projektes. In dieser Phase zeigt sich, ob an wirklich alles gedacht wurde und ob die ganzen Gewerke, die wir im Team zusammen geplant und gebaut haben, auch ineinandergegriffen haben. Wenn wir das alles geschafft haben, dann geht der Windpark zum geplanten Zeitpunkt auch in Betrieb.

Was ist das Herzstück eines Windrads und was passiert da?

BORDE: Dies ist ganz klar das Maschinenhaus oben auf dem Turm. An diesem ist der Rotor befestigt. Dessen Drehbewegung, angetrieben durch den Wind, wandelt über einen Generator – wie bei einem „riesigen Fahrraddynamo“ – den Wind in elektrische Energie um. Über dicke Stromkabel im Inneren des Turmes wird die Energie nach unten gebracht und in das Stromnetz eingespeist.

Wie hoch ist Ihr größtes Windrad, deren Rotorblätter und die Leistung?

BORDE: Aktuell sind dies im Betrieb Windräder mit 141 Meter Nabenhöhe – also bis zu der Stelle, an der das Maschinenhaus auf dem Turm befestigt ist und der Rotor dreht – und 117 Meter Rotordurchmesser mit 2,4  MW Leistung. Die Gesamthöhe beträgt bei diesem Windrad 200 Meter. Derzeit haben wir Anlagen im Genehmigungsverfahren mit 164 Meter Nabenhöhe, 131 Meter Rotordurchmesser und 3,3 MW Leistung. Deren Gesamthöhe beträgt rund 230 Meter.

Was war die Herausforderung beziehungsweise das spannendste Erlebnis für Sie beim Bau des Offshore Windparks EnBW Baltic 1?

BORDE: Für alle war das Neuland. Ein süddeutscher Energieversorger baut einen Windpark. Und das auch noch auf dem Meer. Ich war zuständig für die Einhaltung der Genehmigungsauflagen seitens der Umweltbehörden. Klingt erstmal langweilig. Klingt erstmal nur nach Papierkram. Bei genauerem Hinschauen gibt dies aber einen Einblick in das gesamte Projekt, auch vor Ort. Dabei sind Dinge wie Umweltmonitoring, Montageanweisungen, Notfallpläne, Baufeldkennzeichnungen – was auf See mit Bojen realisiert wird –, Kontrollen der Kampfmittelfreiheit, Abfallkonzepte und Gutachten zu Schallminderungsmaßnahmen zu beachten. Auf dem Papier kann man ja viel schreiben, wir müssen es aber auch machen und vor allem auch nachweisen. Also fuhren wir mit der Umweltbehörde vor Ort, um zu zeigen, dass wir alles wie beschrieben gemacht haben. Wir sind dabei übrigens mit dem Gewässerüberwachungs- und Ölfangschiff der Behörde gefahren. Es gab keinerlei Beanstandungen, sondern nur Lob und Bestätigung. Dies war der Lohn für zwei Jahre Arbeit und macht stolz.

Was ärgert sie am meisten bei der Diskussion um die geeigneten Standorte für Windräder?

BORDE: Wie die Umfragen seit Jahren zeigen, finden die Energiewende und der damit verbundene Ausbau der erneuerbaren Energien breiten Zuspruch. Diese macht die Stromerzeugung grüner, aber eben auch dezentraler. Selbstverständlich müssen mögliche Bedenken im Rahmen der Projektentwicklung ernst genommen und Fragen geklärt werden. Meiner Meinung nach ist die Energiewende auch eine Gemeinschaftsaufgabe, zu der jeder etwas beitragen kann und sollte.