Kirchheim

Zum Dienst an der Spritze verpflichtet

Notfallplanung Noch sind im Kreis genügend Feuerwehrleute vorhanden, um bei Bränden rechtzeitig eingreifen zu können. Bei Personalmangel könnten Gemeinden die Bürger dazu verdonnern. Von Daniela Haußmann

Wenn's brennt, zählt jede Minute: Foto: Daniela Haußmann

Jede Gemeinde, sei sie auch noch so klein, hat die Pflicht, eine schlagkräftige Feuerwehr zu unterhalten. So will es das Gesetz. Auch wenn einzelne Abteilungen wegen Nachwuchsmangel und Überalterung unterbesetzt sind. Im Landkreis Esslingen sind laut Bernhard Dittrich bislang nur vier Feuerwehrstandorte geschlossen worden: „1997 Hochwang, 2011 Schlattstall, und 2000 wurden in Lichtenwald zwei Standorte zusammengelegt.“ Eine „Pflichtfeuerwehr“ hat sich in den Orten nicht gebildet, weil kurze Anfahrtswege und Überlandhilfe den Schutz der Bevölkerung bis heute garantieren, wie der Vertreter des Landratsamtes Esslingen betont. Dennoch kann dem Kreisbrandmeister zufolge trotz interkommunaler Zusammenarbeit und Doppelmitgliedschaften der Fall eintreten, dass der Gemeinderat Bürger im Alter von 18 bis 50 Jahren zum Dienst bei der Feuerwehr verpflichten muss.

Schließlich können nicht nur infolge des demografischen Wandels Personalengpässe entstehen, sondern auch infolge von Konjunkturrückgängen. Führen die zu Entlassungen, können Feuerwehrleute in der Tagesverfügbarkeit wegfallen, die im Rahmen einer Doppelmitgliedschaft die Wehr am Arbeitsort unterstützt haben. Das Gesetz schreibt zwar vor, dass eine Feuerwehr aus mindestens 20 Mitgliedern bestehen muss. „Zur Tagesverfügbarkeit, die etwa durch Krankenstände, Urlaube, weit entfernte Arbeitsplätze und dergleichen beeinflusst wird, macht der Gesetzgeber allerdings keine Angaben“, sagt Bernhard Dittrich. „Die Kommunen müssen also selbst entscheiden, ob die Einsatzfähigkeit gewährleistet ist und welche Mittel zu ihrer Sicherstellung ausgeschöpft werden.“

Sollte der seltene Fall eintreten, dass der Gemeinderat Bürger auswählt, müssen die erst einmal zum Arzt. Der muss dem Kreisbrandmeister zufolge feststellen, ob die Betroffenen atemschutztauglich sind. „Gibt der Mediziner grünes Licht, beginnt die 70-stündige Grundausbildung, an die sich ein 80-stündiger Vertiefungslehrgang anschließt“, erklärt Markus Taxis. Danach rücken die vom Gemeinderat bestimmten Bürger so lange mit aus, bis sich deren Mitgliederstand erholt hat, wie der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Owen weiß. Genau wie Bernhard Dittrich ist auch er überzeugt, dass man seine Pflicht am besten freiwillig tut. Denn die Pflicht bringt aus seiner Sicht mehr mürrische als leidenschaftliche Brandschützer hervor. Ein Pflichtdienst müsse daher das letzte Mittel sein.

Die Wehr vor Ort ist wichtig

Angesichts der Mitgliederdebatten und der Kosten für Neuanschaffungen, die manche als zu hoch ansehen, werden laut Markus Taxis immer wieder Stimmen laut, die eine zentralisierte Feuerwehr fordern. Die Schließung lokaler Standorte macht für ihn aber keinen Sinn: „Schließlich zählt jede Sekunde, wenn Menschenleben auf dem Spiel stehen. Nichts ersetzt die Ortskenntnis und die Schnelligkeit einer Feuerwehr, deren Mitglieder lokal verwurzelt sind.“ Zudem müssen die Kameraden ab der Alarmierung in zehn Minuten am Ort des Geschehens sein. So verlangen es die Hinweise zur Leistungsfähigkeit. „Die Reichweite und damit die Zahl der Gemeinden, die in zehn Minuten erreicht werden, sind bei einer Zentralisierung also überschaubar“, resümiert Markus Taxis.

Dafür steigen die Kosten, da ein größeres Zuständigkeitsgebiet mehr Einsatzzahlen nach sich zieht. „Im Grunde braucht es dann eine Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften. Dadurch entstehen Personalkosten, an denen sich die Kommunen im Einsatzgebiet beteiligen müssten“, klärt Bernhard Dittrich auf. Kritikern gibt er zu bedenken, dass die hohen Anschaffungskosten für ein Großfahrzeug, bezogen auf eine durchschnittliche Nutzungsdauer von 25 Jahren, jährlich relativ gering ausfallen. Allerdings räumt er ein, dass sich die meisten Feuerwehren stark darauf fokussieren, aus einer schrumpfenden Zahl an Kindern und Jugendlichen Nachwuchs zu generieren. Aus seiner Sicht ist es notwendig, bei Stadtfesten, Blaulichttagen oder Hauptübungen gezielt Erwachsene für eine Mitgliedschaft zu begeistern. Owen ist hier bereits aktiv. Das begrüßt der Kreisbrandmeister, der betont, dass die 44 Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis personell grundsätzlich gut aufgestellt sind. „Trotzdem sollte jede Chance, neue Mitglieder zu gewinnen, genutzt werden“, rät Bernhard Ditt­rich. „Denn wer weiß, was die Zukunft bringt.“

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