Lokale Kultur

Zwei Cellisten überzeugten

Katharina Sigel und Johann Christoph Riepe auf Platz zwei und drei in Lübeck

Kirchheim. Aufs Faulenzen mussten zwei Cellisten der Kirchheimer Musikschule in den Pfingstferien verzichten, doch taten sie dies sicher gern aus gutem Grund: hatten sie sich doch bereits im Regionalwettbewerb von „Jugend musiziert“ in Göppingen, bald darauf in Friedrichshafen beim Landesausscheid mit ersten Plätzen behauptet und sich so wie knapp 2 400 andere junge Musiker für den Bundeswettbewerb in Lübeck qualifiziert.

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Die Hansestadt hatte sich entsprechend auf die zu erwartenden Wettbewerbsteilnehmer und Besucherscharen eingerichtet und so wurde in zahlreichen Gebäuden der Altstadt Platz gemacht. Sogar Theater und Musikhochschule pausierten für eine Woche und wichen bereitwillig dem „Jugend musiziert“-Betrieb.

In 17 Instrumental- und Vokalfächern stellten sich die Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet einer der 23 Jurys. Allein es bis hierher geschafft zu haben, ist Beweis beachtlicher musikalischer Leistungen und Auszeichnung zugleich. Auf ein gutes Dutzend Preisträger kann die Musikschule Kirchheim mittlerweile zurückblicken.

Katharina Sigel ist erst 14 Jahre alt und nahm zum ersten Mal an dem Wettbewerb „Jugend musiziert“ teil. Dass sie sich auf Anhieb einen hervorragenden zweiten Preis in der Bundeswertung erspielte, war überwältigend. Immerhin rangen in ihrer Altersgruppe im Fach Violoncello noch 56 weitere Bewerber um gute Platzierungen und die Kirchheimer Cellistin erhielt dennoch mit 22 Punkten die vierthöchste Bewertung.

Die talentierte junge Schülerin des Ludwig-Uhland-Gymnasiums nimmt seit siebeneinhalb Jahren Cello-Unterricht bei Rainer Balbach und ist Mitglied der „Cellophoniker“ – einem Violoncello-Ensemble der Musikschule – sowie des Symphonischen Orchesters. Manchen Musikliebhabern ist Katharina Sigel vielleicht bereits beim Podium aufgefallen, bei dem einmal jährlich in der Stadthalle die Kirchheimer Nachwuchstalente musizieren. Zudem konnte sie die Jury auch beim Kirchheimer Musikpreis 2007 und 2009 mit ihrem einfühlsamen Spiel überzeugen und wurde mit ersten Preisen belohnt. Tief beeindruckt von der Wettbewerbsatmosphäre und den inspirierenden Konzerten kehrte sie aus Lübeck zurück nach Kirchheim.

Ein paar Jahre älter und mit bereits einiger Wettbewerbserfahrung mit „Jugend-musiziert“ ausgestattet durfte auch Johann Christoph Riepe im Lübecker Rathaus mit seinem Cellospiel vor die Jury treten. Sein Programm präsentierte der junge Solist des Symphonischen Orchesters so überzeugend, dass er mit 21 Punkten mit einem dritten Preis ausgezeichnet wurde. Besonders hervorzuheben ist auch, dass Johann beim Regionalwettbewerb in Friedrichshafen noch nachträglich ein Sonderpreis der Sparkassen zuerkannt worden ist, da die vier Juroren am Bodensee seinen Vortrag allesamt mit 25 Punkten bewerteten und damit seiner unglaublichen Intonationsgenauigkeit und technischen Virtuosität Rechnung trugen.

Dass Johann Christoph Riepe auf innigste Weise mit seinem Instrument verbunden ist, hat weit zurück liegende Wurzeln. Bereits zu Kindergartenzeiten wünschte sich der Nachwuchsmusiker zu Weihnachten konsequent ein Cello. Mit einer für dieses zarte Alter außergewöhnlichen Beharrlichkeit trieb er dieses Spiel drei Jahre lang, bis die ebenso musikalischen Eltern schließlich dem damals erst Achtjährigen seinen größten Wunsch erfüllten.

In den nächsten Tagen kann Johann Riepe seinen achtzehnten Geburtstag feiern und nach knapp zehn Jahren Unterricht in der Klasse von Hartmut Premendra Mayer bereits auf die erfolgreiche Teilnahme an Wettbewerben und bejubelte Konzerte mit dem Musikschulorchester, dem Orchester der Volkshochschule sowie der Jungen Waldorf Philharmonie Süddeutschland zurückblicken, wobei er oftmals als Solist agierte.

Wie auch Katharina Siegel erspielte er sich erste Preise beim Kirchheimer Musikpreis und trat beim Podium auf, mal solistisch, mal als Duo mit Vanessa Wünsch oder mit den Cellophonikern, die in Kürze, nämlich am Sonntag, 4. Juli, wieder mit einem Konzert in der Waldorfschule zu hören sein werden, bevor sie einer Einladung zum Kulturaustauschfestival nach Kawaguchi bei Tokio folgen. Kein Wunder, dass es da Überlegungen zu einem Musikstudium gibt.

Dass der junge Mann zudem ein beachtliches Talent für das Tangotanzen an den Tag legt, lässt Johann Riepes zurückhaltende und sympathisch bescheidene Erscheinung nicht unbedingt sofort vermuten. Es muss wohl an der Musik liegen, wenn ihn etwas stark bewegt. sw