Lokale Wirtschaft

Zwischen Elefantenbeinen grasenGewinner

Thema „Wirtschaftsmotor Mittelstand“ beim fünften Unternehmerforum der KSK Esslingen-Nürtingen

Der eine hat ein Traditionsunternehmen nach der Insolvenz wieder auf die Erfolgsspur gebracht, der andere musste in der Krise von 2009 Umsatzeinbrüche von mehr als 50 Prozent verkraften, und der Dritte sucht nach Wegen, um sich von der Billigkonkurrenz abzuheben. Wie Mittelständler solche Herausforderungen meistern, haben sie beim 5. Unternehmerforum der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen verraten.

Esslingen. Wenn die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen ihre Unternehmenskunden einmal im Jahr ins Schauspielhaus der Württembergischen Landesbühne einlädt, scheut sie keine Kosten und Mühen. Doch so hoch wie in diesem Jahr war die Promi-Dichte noch nie: Ob Angela Merkel oder Winfried Kretschmann, ob Udo Lindenberg oder Herbert Grönemeyer – alle waren sie dabei, vereint in der Person des Stimmenimitators Andreas Müller, der für den unterhaltsamen Teil des Abends zuständig war. Und so erfuhr das Publikum unter anderem, dass Ex-Kanzler Schröder neuerdings Kombilohn bezieht: „Ich bekomm so viel Kohle, dass ich einen Kombi brauche, um sie nach Hause zu bringen.“

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Dieses Problem haben die drei Unternehmer, die anschließend mit ZDF-Moderatorin Dunja Hayali über den „Wirtschaftsmotor Mittelstand“ diskutierten, nicht. Christopher Baur (Sektkellerei Kessler) Klaus Winkler (Maschinenfabrik Heller) und Wolfgang Treiber (Bäckerei Treiber) stehen vor der täglichen Herausforderung, sich mit ihren Unternehmen am Markt zu behaupten – auch und gerade in Krisenzeiten. Die Erfolgsrezepte sind dabei sehr unterschiedlich.

Weniger ist mehr, lautete etwa die Marschroute bei Kessler nach der Insolvenz im Jahr 2004. „Wir hatten damals weit über 20 Produkte, die Marke war verwässert“, erinnert sich Christopher Baur. Unter dem neuen Geschäftsführer konzentrierte sich das traditionsreiche Unternehmen fortan auf fünf Sektsorten, die Vertriebswege wurden vereinfacht und Kessler legte den Fokus wieder stärker auf den regionalen Markt. Die Strategie ist aufgegangen: „Zwischen Elefantenbeinen lässt es sich gut grasen“, sagt Baur mit Blick auf die Großkonzerne, die den Sektmarkt in Deutschland dominieren.

Ganz andere Herausforderungen hatte der Nürtinger Maschinenbauer Heller zu meistern, als 2009 infolge der Konjunkturkrise mehr als die Hälfte des Umsatzes wegbrach. Ganz ohne Personalabbau sei das nicht zu schaffen gewesen, erinnert sich Geschäftsführer Klaus Winkler. Dass das Unternehmen dann aber nicht nur recht schnell, sondern sogar gestärkt aus der Krise kam, führt Winkler auf zwei Ursachen zurück: „Erstens haben wir auch in der Krise konsequent Entwicklungsprogramme für Neuprodukte verfolgt, und zweitens haben wir gezielt versucht, mehr Präsenz in den asiatischen Märkten zu zeigen, um unsere Abhängigkeit vom guten alten Europa zu reduzieren.“

Dem Chef der Großbäckerei Treiber macht nicht die Konjunktur, sondern die Konkurrenz Sorgen. Discounter, SB-Bäckereien und Tankstellen machen den Traditionsbetrieben die Kunden streitig. Treibers Reaktion: „Wir haben uns auf handwerkliche Tugenden zurückbesonnen.“ Eine hohe Sortimentsvielfalt und eine Ladengestaltung mit hohem Wiedererkennungswert sind weitere Bausteine der Unternehmensstrategie.

Die Beispiele zeigen, dass jeder Betrieb seinen eigenen Weg finden muss. Und doch haben sie alle eine Gemeinsamkeit, wie Burkhard Wittmacher, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse, betonte: „Sie reagieren immer wieder flexibel auf veränderte Marktbedingungen.“

Im Rahmen des Unternehmerforums hat die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen wieder die Gewinner ihres regionalen Gründerpreises ausgezeichnet. In diesem Jahr wurden zwei zweite und ein erster Preis vergeben.

Der erste Preis ging an Constanze und Bastian Baumgarte, die ein Jahr in China gelebt haben. Dort hat sie unter anderem die Teekultur fasziniert. Nach ihrer Rückkehr haben die beiden Stuttgarter deshalb den Teezeremonie-Automaten Jadequell entwickelt, mit dem die Kunden das heiße Getränk nach der Tradition chinesischer Teemeister zubereiten können.

Einen zweiten Preis erhielt Susanne Tobien aus Leinfelden-Echter­dingen für ihr Projekt „Aufs Alter freuen“. Sie begleitet Menschen, die im Alter umziehen, und sucht das jeweils passende Wohnmodell.

Ein weiterer zweiter Preis geht an die Firma Cetics healthcare technologies mit Sitz im Esslinger Life Science Center. Dort wurde eine neuartige Analysetechnologie für die medizinische Diagnostik entwickelt. Bereits ein einziger Tropfen Blut genügt, um die wichtigsten Werte zu ermitteln.