Lokale Kultur

Zwischen Klamauk und Kabarett

KIRCHHEIM Dem Publikum im vollbesetzten Gewölbekeller des Kirchheimer club bastion bescheinigte Eisi Gulp einen herausragenden Sinn für Humor, denn das bayrische Multitalent hatte bei seinem Auftritt in Kirchheim den Eindruck, im "Komikerländle" gelandet zu sein.

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USCHI NEROLADAKIS

Spontaneität auf der Bühne und rege Beteiligung von Seiten der Zuschauer kennzeichneten einen unterhaltsamen Abend, der die Lachmuskeln bis aufs Äußerste strapazierte.

Die Aufgab, die Leute lachen zu machen, erfüllte Eisi Gulp voll und ganz. Auf seiner Gratwanderung zwischen schrillem Klamauk und hintersinnigem Kabarett überzeugte er durch sein herausragendes Können als Schauspieler und Pantomime. Als Tänzer jedoch begann Eisi Gulp sein Programm "Wilde Mischung", das eigentlich gar keines war, denn je nach Lust und Laune auch der des Publikums entstand aus Elementen anderer Programme und als Ergebnis jahrelanger Bühnenerfahrung ein ganz spezieller Abend.

So entspann sich mit Hilfe der Zuschauer auf der Galerie herzlichst als "Muppets" begrüßt eine längere Ausführung über die Haarpracht auf Männerköpfen, die sich mit zunehmendem Alter in Nase und Ohren verlagert. Eisi Gulp philosophierte über das Lachen, das im Bauch entsteht und aus dem Gesicht herauskommt und demonstrierte, dass man die Fernbedienung für die "Volksbrunzverdummungsmaschine" auch aus der Hüfte heraus bedienen kann.

Seine schrägen Darstellungen über allerlei Süchte untermauerte Eisi Gulp mit knallharten statistischen Zahlen: jeder vierte Mensch stirbt heutzutage an den Folgen des Nikotins und das Einstiegsalter beim Rauchen liegt gerade mal bei 11,7 Jahren. Bei 15-Jährigen sei eine Zigarette ja noch zu akzeptieren, denn der Disco-Grundschritt mit Glimmstängel zwischen den Lippen sähe nun mal einfach besser aus, aber wenn sich die Vertreter des Bundesdrogenkongresses mit der Kippe im Mund beklagen, dass die Suchtprävention heutzutage immer schwieriger wird, könne einem schon das Lachen im Halse stecken bleiben.

Absurd erschien dem Kabarettisten auch das Schild auf dem Oktoberfest, das jeglichen Drogenkonsum untersagt, während das Bier in Strömen fließt und jährlich Zigtausende an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums sterben. Genial spielte Eisi Gulp dann auch die verschiedenen Säufertypen, und seine Darstellung des Betrunkenen, der vor dem kleinen weißen Porzellan-Altar in die Knie geht und sein Haupt im ovalen Rund versenkt, war eine schauspielerische Meisterleistung, denn da konnte es selbst den Zuschauern schlecht werden.

Ein Diskurs über den christlichen Glauben und den bayrischen "Papa Ratzi", mit dem Eisi Gulp schon seine ganz persönlichen Erfahrungen gemacht hatte, durfte zum Abschluss auch nicht fehlen und der Künstler versprach die Klärung weiterer Fragen und Probleme bei einem baldigen Wiedersehen im club bastion. Allerdings lag ihm eines noch sehr am Herzen. Eisi Gulp absolvierte zwar an diesem Abend seinen ersten Auftritt in Kirchheim, jedoch war dies nicht sein erster Besuch hier.

Als junger Bursche musste er einmal eine Motorrad-Tour wegen eines Schlechtwettereinbruchs in der Teckstadt unterbrechen und als er in strömendem Regen an der Straße stand, wurde er spontan von Kirchheimer Bürgern eingeladen, die ihm am nächsten Tag zur Weiterfahrt sogar eine wetterfeste Motorrad-Kluft ausliehen. Dadurch blieb Kirchheim bei ihm in allerbester Erinnerung.

Eisi Gulp würde sich jedenfalls freuen, diese gastfreundlichen Mitmenschen von damals bei seinem nächsten Auftritt im club bastion als Ehrengäste begrüßen zu können, um sich für ihre damalige Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit ein wenig zu revanchieren.