

In Europa angekommen, beantragt der Vater für sich und seinen Sohn Asyl. Von der zentralen Annahmestelle in Karlsruhe werden sie nach Plochingen weiterverwiesen. Der Vater findet Arbeit. Doch die Freude darüber währt nicht lange. Vater und Sohn erhalten den Status der Duldung, was kein Aufenthaltstitel ist, sondern lediglich bedeutet, dass beide vorübergehend nicht abgeschoben werden können. Weil der Vater sich nach Meinung der Behörden nicht ausreichend um die Beschaffung eines marokkanischen Passes bemüht, der seine Abschiebung ermöglichen würde, wird ihm die Arbeitserlaubnis entzogen. Als Geduldete haben Vater und Sohn keinen Anspruch auf Sozialhilfe, sondern erhalten die deutlich niedrigeren Leistungen, die Asylbewerbern in Deutschland zustehen.
Andere Menschen geben an diesem Punkt auf. Hamza kämpft weiter. Er strengt sich in der Schule an, beginnt mit Taekwando, wird in seiner Altersklasse baden-württembergischer Meister. Als er in den deutschen Kader aufgenommen werden soll, bringt ihn der fehlende deutsche Pass einmal mehr zu Fall. Er rappelt sich auf, beginnt mit Breakdance, wird besser und besser. Hamza weiß, dass es seine Hobbys sind, die ihm die Kraft geben, seine Situation zu ertragen. „Wenn ich auf der Couch geblieben wäre und Super RTL geschaut hätte, würde es anders mit mir aussehen“, sagt er.
Um die chronische Geldnot ein wenig zu lindern, gibt er an der Raunerschule und der Freihof-Realschule Breakdance-AGs und arbeitet beim Kinderferienprogramm des Brückenhauses als Betreuer. Doch die Geldnot ist nicht sein größtes Problem. Der 18-Jährige, der gerade an der Berufsfachschule für Elektrotechnik der Max-Eyth-Schule die mittlere Reife abgelegt hat, darf wegen des Arbeitsverbots keine Lehre beginnen. Auch aus dieser Not macht Hamza eine Tugend. Ab dem Herbst wird er die Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen besuchen und dort die Fachhochschulreife erwerben. Anschließend würde er gerne studieren. Sofern man ihn lässt.
Nach Marokko zurückzugehen, kann Hamza sich nicht vorstellen. „Ich kann nicht mal die Sprache“, sagt er. Der 18-Jährige fühlt sich wohl in Kirchheim, weil er integriert ist und viele Freunde hat. An Deutschland gefällt ihm, „dass man immer was erreichen kann, auch wenn man aus dem tiefsten Tal kommt.“ Aktuell läuft ein Härtefallverfahren, das klären soll, ob Hamza und sein Vater in Deutschland bleiben dürfen oder nicht. Über den Ausgang mache er sich keine Sorgen, sagt Hamza. So ganz glaubt man es ihm nicht.
