Kirchheim. Dettingen braucht Bauland: „Eine stabile Einwohnerentwicklung ist für uns wichtig“, argumentiert Bürgermeister Rainer Haußmann. Dettingen sei eine „vitale Gemeinde“ in Autobahnnähe mit einer „Top-Infrastruktur“. Einkaufsmöglichkeiten vor Ort sind ebenso gegeben wie Naherholung in schöner Landschaft. Vor diesem Hintergrund ist das Bestreben Dettingens nach weiterem Bauland nachvollziehbar: „Wir legen Wert darauf, die Möglichkeiten auszuschöpfen, die der Regionalplan bietet“, fasst der Bürgermeister zusammen. Konkret geht es ums Baugebiet Guckenrain-Ost, eine 2,3 Hektar große Fläche Richtung Nabern, die Platz für 22 Einfamilienhäuser bieten soll. In Dettingen ist von einer „Abrundung“ die Rede. Früher konnte dort aus abwassertechnischen Gründen nicht gebaut werden.
Jetzt lag das Ansinnen – neben einer ganzen Reihe weiterer Punkte – auf den Tischen der Kirchheimer Gemeinderäte zur Vorberatung der sechsten Änderung des Flächennutzungsplanes. Der Aufstellungsbeschluss fällt in der Sitzung des Gemeinsamen Ausschusses. Die Stadt Kirchheim ist in der Verwaltungsgemeinschaft „erfüllende Gemeinde“. Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker erläuterte im Ratsrund: „Wir müssen die rechtlichen Voraussetzungen prüfen.“ Dazu gehört der Abgleich von Wünschen mit übergeordneten Rechtsansprüchen. Genau hier droht der Konflikt. Laut Regionalplan zählt Dettingen nämlich zu den Gemeinden, die auf „Eigenentwicklung“ beschränkt sind.
Stadtplaner Gernot Pohl stufte das Vorhaben als unspektakulär aus städtebaulicher Hinsicht ein: „Man kann im Guckenrain-Ost ein Wohngebiet ansiedeln.“ Mindestens müsste dem allerdings eine Teilkompensation entgegenstehen, indem Dettingen beispielsweise auf ein 1,4 Hektar großes Wohngebiet „Guckenrain-Süd“ unter der Teck verzichte. „Wir haben in der Vergangenheit immer kompensiert, und zwar flächengleich“, verwies Pohl auf die Gepflogenheiten in der Verwaltungsgemeinschaft.
Die Situation Dettingens haben die Kirchheimer Fachleute nun näher beleuchtet. In vielen Punkten entspricht sie anderen Orten rund um die Teck. So verfüge Dettingen über eine Reihe von Baulücken und leer stehender Häuser. Mehr als die Hälfte der Neubebauung in jüngerer Zeit sei im Anschluss an den bestehenden Siedlungsraum erfolgt, wobei nur wenige Bauanträge tatsächlich von Dettingern stammten. Entscheidende Veränderungen sind in den nächsten Jahren zu erwarten: 27 Hektar Wohngebiet stammen aus den 60er- und 70er-Jahren. Noch wohnen hier Menschen aus der Gründergeneration. Doch der Generationswechsel steht bevor. Das bedeutet viele frei werdende Gebäude. Auf der anderen Seite nimmt laut demografischen Erkenntnissen die Zahl der Menschen um die 40 deutlich ab, die eine Immobilie erwerben. „Steigendes Angebot trifft auf sinkende Nachfrage“, fasste Gernot Pohl zusammen.
„Die Eigenentwicklung wird in Dettingen weit übertroffen“, kommentiert die Oberbürgermeisterin. Sie ist überzeugt von den Zielen des Regionalplanes und warnt davor, den bevorstehenden Bevölkerungsrückgang in ländlichen Gebieten als Folge des demografischen Wandels zu unterschätzen: „Wir müssen die Zukunft gemeinsam gestalten“, erteilt sie kleinzelligem Denken eine Absage und will sich innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft an einen Tisch setzen. Die exakte Prüfung von Baugebietswünschen sei Pflicht, denn das Gremium habe Anspruch auf sauber vorbereitete Vorlagen: „Wir denken hier!“, betont die Stadtchefin.
Der Gemeinsame Ausschuss der Verwaltungsgemeinschaft tagt am Montag, 6. Februar, um 17 Uhr öffentlich im Kirchheimer Rathaus.
