Kreistagsgrüne sehen langfristig Perspektive, Zugverbindung Richtung Weilheim zu reaktivieren
„Wollen Bahn auf die Schiene setzen“

„Endgültig letzter Zug nach Weilheim“, titelte der Teckbote im Frühjahr 1988, als ein Nostalgiezug in der Limburgstadt einlief. Sechs Jahre zuvor hatte die Bahn bereits den ÖPNV auf der Schiene nach Weilheim eingestellt. Nun möchte die Esslinger Kreistagsfraktion der Grünen eine Wiederbelebung der Trasse anschieben.

Weilheim. Andreas Schwarz, Mitglied der Kreistagsgrünen, ist Realist genug, um zu wissen, dass die im Rahmen einer Klausursitzung unter anderem diskutierte Reaktivierung der Bahnlinie von Kirchheim nach Weilheim und darüber hinaus einen langen Atem voraussetzt. „Das ist ein absolutes Langfrist-Thema“, räumt der Kirchheimer Grünenpolitiker ein, der dabei in einem Zehnjahreszeitraum denkt. „Aber wir wollen die Bahn auf die Schiene setzen, sonst kommt sie nie“, so Schwarz.

Erklärtes Ziel der Grünen ist, sowohl den Personen- als auch den Güterverkehr vermehrt auf die Schiene zu verlagern. Druck machen will die Fraktion in der Verkehrspolitik unter anderem auch bei der Frage nach der Verlängerung der S-Bahn von Filderstadt nach Neuhausen. „Als Landtagsabgeordneter möchte ich mich aber auch Themen im Wahlkreis zuwenden“, hebt der Verkehrsexperte Schwarz hervor. Wirtschaftlich attraktiv könnte die Wiederbelebung der Bahnstrecke von Kirchheim in Richtung Weilheim seiner Ansicht nach nur sein, wenn ein 1908(!) bereits geplanter Ringschluss bis Göppingen gelänge, wobei er die Trassenführung von Weilheim nach Boll durchaus als Herausforderung betrachtet. In enger Abstimmung sei er mit seinem Göppinger Kollegen Jörg Fritz, sagt Schwarz. Noch haben die beiden Abgeordneten mit den Bürgermeistern der betroffenen Städte und Kommunen keine Gespräche geführt. Geplant sei jedoch, vor der Sommerpause auf die Rathauschefs zuzugehen, um unter anderem das grundsätzliche Interesse vor Ort auszuloten und in aller Ruhe und Gründlichkeit das weitere Vorgehen zu beraten.

„Ich freue mich für jeden, der sich für unsere Infrastruktur einsetzt“, erklärt Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle auf Anfrage. Was seine Euphorie jedoch bremst, ist die Zeitschiene des Verbands Region Stuttgart, die Vorhaben auf einer Dringlichkeitsskala von A bis D einordnet. „Wir kommen noch hinter D“, sagt der Weilheimer Verwaltungschef nüchtern. Da müsse man in Jahrzehnten denken. Im Strategischen Entwicklungskonzept 2020 der Stadt ist im Übrigen die Freihaltung der Bahntrasse bis zum Bildungszentrum Wühle vorgesehen. Züfles Amtsvorgänger, Hermann Bauer, hatte darüber hinaus bereits im Zusammenhang mit dem Finanzierungsvertrag für die S 1 eine wichtige Weichenstellung vorgenommen: Er pochte damals darauf, dass im Falle einer Wiederbelebung des Schienenverkehrs nach Weilheim ein vergleichbarer kommunaler Finanzierungsschlüssel angewandt wird.

Für die Reaktivierung der Voralbbahn Göppingen-Bad Boll macht sich indes seit 1995 der Verein „Ein neuer Zug im Kreis“ stark. Auf der 1926 ursprünglich eröffneten Strecke fuhr 1989 der letzte fahrplanmäßige Personenzug.

Vorbild für die Einrichtung eines Zugverkehrs von Kirchheim über Weilheim bis Göppingen ist für Schwarz die Ammertalbahn zwischen Tübingen und Herrenberg, die auch als Zubringer zur S-Bahn fungiert. „Die Bahn hat in den Ortschaften zu einer enormen wirtschaftlichen Entwicklung geführt“, unterstreicht der Landtagsabgeordnete.