20.09.2013 - 02:02 Uhr

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Früh übt sich: Juniorwahl 2013

Robert Berndt
Juniorwahl 2013, Teck-Realschule Kirchheim
Juniorwahl 2013, Teck-Realschule Kirchheim

Kirchheim. Von Wahlmüdigkeit keine Spur: Nacheinander begeben sich die Schüler der zehnten Klassen der Teck-Realschule in die vorbereiteten 


Ein eigener, ganz besonderer „Wahlkreis“: Schüler der 10. Klassen bei der diesjährigen Juniorwahl an der Kirchheimer Teck-Realschule.Fotos: Jean-Luc Jacques
Ein eigener, ganz besonderer „Wahlkreis“: Schüler der 10. Klassen bei der diesjährigen Juniorwahl an der Kirchheimer Teck-Realschule.Fotos: Jean-Luc Jacques

Wahlkabinen. Schon im Schulkorridor kann man hören, wie sie sich gegenseitig die Frage stellen: „Und, wen wählst du?“ Die Stimmen, die in dieser Woche im zum Wahllokal umfunktionierten Klassenzimmer abgegeben werden, zählen bei der „echten“ Wahl am kommenden Sonntag zwar nicht. Trotzdem überlegen sich die Jugendlichen vorher genau, bei wem sie auf ihrem Wahlzettel den Stift ansetzen. Das Wahlsystem und Begriffe wie Erst- und Zweitstimme, Fünf-Prozent-Hürde, Überhang- und Ausgleichsmandate sind ihnen keine Fremdworte.

So wie bei der „richtigen“ Bundestagswahl auch, haben die Schüler schon vor der Wahl rechtzeitig ihre Wahlbenachrichtigung bekommen und müssen nun entweder Personalausweis oder Schülerausweis vorzeigen, um sich zu identifizieren. „Ich hab‘ nur meinen alten Schülerausweis, aber auf dem Bild bin ich 10 Jahre alt“, beklagt sich jemand. „Sorry, wir müssen ihn trotzdem sehen“, antworten die Wahlhelfer freundlich.

„Alles läuft so realitätsnah wie möglich ab, die Schüler nehmen die Sache sehr ernst“, erklärt Lehrerin Melanie Jatzek, die das Projekt an der Teck-Realschule im Fächerverbund Erdkunde, Wirtschaftskunde und Gemeinschaftskunde (EWG) betreut.

Teck-Realschule und Schlossgymnasium beteiligen sich in diesem Jahr zum ersten Mal an der Juniorwahl. Als Träger des Projekts fungiert der Verein „Kumulus“ in Berlin, der gemeinsam mit Kooperationspartnern wie etwa der Bundeszentrale für politische Bildung die Juniorwahl an 2 270 verschiedenen Schulen im gesamten Bundesgebiet durchführt.

Die Juniorwahl begleitet Lehrer und Schüler mehrere Wochen lang. Beide Schulen haben schon vor den Sommerferien damit begonnen, die Jugendlichen im Unterricht auf den Wahlakt vorzubereiten. Ziel ist dabei das Üben und Erleben von Demokratie. Es ist nicht einfach „nur“ eine Wahl, sondern ein realitätsnahes und praxisorientiertes Konzept. „Die Juniorwahl kommt bei uns am Schlossgymnasium jedenfalls gut an“, bestätigt Manfred Machoczek von der Fachschaft Gemeinschaftskunde des Schlossgymnasiums. „Wir können uns gut vorstellen, uns auch in Zukunft wieder zu beteiligen.“

Im „Wahlpaket“ der Schulen enthalten sind zahlreiche spezielle Unterrichtsvorschläge rund um „Wahlen und Demokratie“, die den Jugendlichen den Einstieg in das Thema erleichtern sollen. Diese sind sowohl Anregung als auch Ergänzung zum bestehenden Unterricht. Den Höhepunkt der Unterrichtseinheit bildet in diesem Fall aber nicht etwa eine Klassenarbeit, sondern der simulierte, offizielle Wahlakt, der von den Schülern selbst organisiert wird. Diesem fiebern die Schüler schon seit Tagen entgegen.

Wie beim großen Vorbild wird das Wahlergebnis aller bundesweit teilnehmenden Wahllokale der Schulen ausgewertet und am Sonntag um 18 Uhr auf der Homepage des Projekts, www.juniorwahl.de, veröffentlicht. Das Ergebnis kann so mit dem Ausgang der „richtigen“ Bundestagswahl verglichen werden.

Einen Tipp über das Ergebnis der Schulen abgeben können die Schüler jedenfalls. „Ich glaube, viele Jugendliche hier werden die Piraten wählen – vor allem weil die sich viel mit Dingen wie dem Internet befassen. Dazu haben viele eher einen Bezug als zu den anderen politischen Themen“, vermutet Tamara vom Wahlhelfer-Team der Teck-Realschule. Dass Angela Merkel am Sonntag das Rennen macht und Bundeskanzlerin bleibt, daran besteht hier für die meisten gar kein Zweifel. „Die hat die letzten Jahre einfach einen guten Job gemacht, finde ich, ich sehe keinen Grund, da was zu ändern“, erklärt die 15-jährige Debora. Das liegt zugegebenermaßen unter anderem auch daran, dass Angela Merkel schon Kanzlerin war, als sie noch sieben oder acht Jahre alt war. Ihre Mitschülerin Lea fügt hinzu: „Steinbrück hat sich zwar Mühe gegeben – aber er genießt bei vielen von uns einfach nicht dieselbe Sympathie wie die Kanzlerin.“

Am „richtigen“ Wahlsonntag am 22. September dürfen sie zwar noch keine Kreuzchen machen. Aber Debora, Lea, Tamara und die restlichen Wahlhelfer sind sich sicher: Wenn sie wahlberechtigt sind, wollen sie unbedingt mitbestimmen.

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