Kirchheim. Zum zwölften Mal fand am Freitagabend in der Kirchheimer Stadtbücherei eine Frauenlesenacht statt, und wieder gelang es den Veranstaltern, dem Pädagoginnentreff
Sylvia Nickus
Kirchheim in Zusammenarbeit mit der Stadtbücherei, eine zauberhafte Stimmung entstehen zu lassen, in der die rund 80 Besucherinnen in die Lebenswelten fremder Kulturen eintauchen konnten.
Fünf Frauen aus Brasilien, Schweden, Taiwan, Kroatien und der Mongolei hatten ihre jeweilige Leseecke mit landestypischen Gegenständen dekoriert, und vermittelten so auch optisch einen Eindruck von dem Land, aus dem sie kamen. Sie lasen Literaturtexte aus ihrer Heimat vor, zunächst in ihrer Muttersprache, anschließend in deutscher Übersetzung. Unkompliziert und eindrücklich gelang dadurch die Verständigung über alle kulturellen Schranken hinweg. Frauen lasen für Frauen und weckten ihr Interesse und Verständnis für Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Auch das Publikum war bunt gemischt, was die Herkunftsländer anbetraf: Deutsche, türkische, italienische, kroatische und brasilianische Frauen saßen zusammen, lauschten den Geschichten und kamen miteinander ins Gespräch. Es war ein Stück Völkerverständigung, das hautnah erlebt werden konnte.
Diesmal hatten sich die Veranstalter dazu entschlossen, gegen einen geringen Eintrittspreis Getränke und Häppchen „all-inclusive“ anzubieten, was bei den Besucherinnen auf breite Zustimmung stieß. Die Vielfalt ließ keine Wünsche offen und sorgte dafür, dass Frau sich von Anfang an wohlfühlen konnte. Auch die musikalische Einstimmung durch das Neidlinger Vokalensemble „The Ladies Melody“ sorgte von Beginn an für eine lockere Atmosphäre. Acht junge Frauen sangen a cappella ein ganzes Potpourri bekannter Songs wie zum Beispiel „Rote Lippen soll man küssen“.
Bilder der Serie „Starke Frauen“ der freischaffenden Künstlerin Marianne Mandoki-Cecconi aus Weilheim zeigten Frauenporträts aus verschiedenen Kulturen und verdeutlichten, passend zum Thema der Lesenacht, wie bereichernd und schön andersartiges Aussehen sein kann. Die Stadtbücherei wurde zu einem Haus der Begegnung mit Kunst, Literatur, Büchern, mit anderen Frauen und auch mit sich selbst und seinen eigenen Vorurteilen. Es entstand eine herzliche und einander zugewandte Stimmung.
Welche Themen berühren Frauen über alle kulturellen Unterschiede hinweg? Sie sind so vielfältig wie das Leben selbst: Kindererziehung, Haushalt, die Sorge um das liebe Geld, Probleme mit der Schwiegermutter, Untreue und Trennung, aber auch Flucht und Vertreibung aus dem Heimatland, Integration in einem fremden Gastland, die Sorge um das Leben seiner Lieben in kriegswirren Zeiten. So manche Geschichte versetzte in Erstaunen oder brachte das Publikum zum Lachen.
Nach der Lesung kamen die Frauen schnell miteinander ins Gespräch. Die Vorleserinnen erzählten aus ihrem Leben und beantworteten die vielen Fragen, die aufkamen. Auch Lieder in taiwanesischer und mongolischer Sprache wurden vorgetragen und versetzten die Zuhörerinnen in fremde, unbekannte Länder, mit denen man sich an diesem gelungenen Abend verbinden konnte. Mit einer Gute-Nacht-Geschichte endete das Programm zu später Stunde stimmungsvoll und entließ die Frauen in die Nacht.
Das Dilemma sei, meinte eine Zuhörerin, dass man nicht in allen Leseecken zugleich sein könne. Helga Weis vom Sozialen Dienst Kirchheim konterte lachend: Das sei auch so gewollt, so kämen die Leute das nächste Mal wieder. Der Erfolg der Kirchheimer Frauenlesenacht zeigt, dass dieses Konzept aufgeht.
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