02.03.2012 - 02:02 Uhr

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In Wellen die Wand entlang

Merkle Holzbau und Projekt Holzbau haben in der Vergangenheit mit spektakulären Holzbauten in der Fachwelt von sich Reden gemacht. Das neueste Holzbauprojekt ist das Audimax der Fakultät Mathematik und Informatik, das das Bissinger Unternehmen für die TU ­München in Garching erstellt hat. Rund 800 Studenten gehen dort ein und aus.

Richard Umstadt
Ein markantes Gebäude mit dunkler Wellenoptik: Es steht auf dem Campus der TU München in Garching und beherbergt zwei Hörsäle für rund 800 Studenten. Das kleine Foto zeigt die Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Bundesminister Peter Ramsauer, Professor Werner Sobeck und Rainer Merkle (von rechts nach links) bei der Übergabe des Effizienz-Plus-Hauses in Berlin.Fotos: pr
Ein markantes Gebäude mit dunkler Wellenoptik: Es steht auf dem Campus der TU München in Garching und beherbergt zwei Hörsäle für rund 800 Studenten. Das kleine Foto zeigt die Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Bundesminister Peter Ramsauer, Professor Werner Sobeck und Rainer Merkle (von rechts nach links) bei der Übergabe des Effizienz-Plus-Hauses in Berlin.Fotos: pr

Bissingen. Die Liste anspruchsvoller Gebäude in Holzbauweise ist lang: Sie reicht vom fünfstöckigen Bankhaus in Irland, über bis zu siebengeschossige Wohngebäude in Freiburg und Berlin, einem Holzhochhaus in London, Studentenwohnheimen in der Schweiz, zahlreichen Niedrigenergie- und Passivhaus-Gebäuden in Dänemark und Deutschland, Schulen, Kindergärten und Werkstätten für Waldorfeinrichtungen, bis zu großen Sporthallen, Bürogebäude wie dem Eisbärhaus und der architektonisch ungewöhnlichen Zuschauerhalle eines Naturtheaters im Ländle.

In Wellen die Wand entlang
In Wellen die Wand entlang

Die Beispiele zeigen, dass sich die Bissinger Unternehmensgruppe Projekt Holzbau und Merkle Holzbau mit den Geschäftsführern Rainer Merkle und Dirk Oettel nicht nur im europäischen Ausland einen Namen gemacht hat. Die Bissinger Brettstapelspezialisten sind auch bei renommierten Objekten im Inland, wo es um innovativen, technisch hochwertigen Holzbau geht, gefragte Geschäftspartner. Jüngstes Beispiel ist das Effizienzhaus-Plus, das die Firma Projekt Holzbau Merkle im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) in Berlin erstellte und das seit gestern eine vierköpfige Familie ein Jahr lang auf Probe bewohnt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die gemeinsam mit Bundesminister Peter Ramsauer das „Haus der Zukunft“ eröffnete, war begeistert: „Dieses Haus zeigt, was heute schon möglich ist. Hier wird energieeffizientes Bauen intelligent mit innovativer Mobilität verknüpft. Energieeffiziente Gebäude und Elektromobilität sind wichtige Grundpfeiler für die beschleunigte Umsetzung unseres Energiekonzepts. In beiden Bereichen steckt noch viel Potenzial. Ich freue mich, dass wir hier wegweisende Innovationen in der Praxis testen.“

Das Modell-Einfamilienhaus des Bundesbauministeriums in der Berliner Fasanenstraße 87 produziert doppelt so viel Energie, wie es verbraucht. Dieser Strom soll direkt vor Ort Elektrofahrzeuge speisen. An diesem bewohnbaren Prototyp wird demonstriert, wie energieeffizientes Bauen und Elektromobilität im Alltag verbunden werden können. Für den einjährigen Alltagstest stellen Audi, BMW, Daimler, Opel und VW für jeweils drei Monate Elektrofahrzeuge zur Verfügung. Bundesminister Ramsauer: „Ich will, dass dieses Haus kein Prototyp bleibt. Deshalb fördern wir die Entwicklung solcher Häuser mit einem eigenen Forschungsprogramm.“

In einem Wettbewerb von Hochschulen in Zusammenarbeit mit Ingenieurbüros gewann Professor Werner Sobek mit dem Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren (ILEK) der Universität Stuttgart den Entwurf des Projektes „Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität“ Ende 2010. Nach einer bundesweiten Ausschreibung erhielt das Bissinger Holzbauunternehmen den Zuschlag.

Ein anderes, aktuelles Beispiel innovativer Holzbaukunst der Bissinger steht auf dem Campus der Technischen Universität München (TUM) in Garching. Es ist ein rund 4,5 Millionen Euro teures Gebäude, in dem rund 800 Studentinnen und Studenten der Fakultäten Informatik und Mathematik in zwei Hörsälen den Vorlesungen folgen. Als Interimslösung mit Blick auf die durch G 8 und Wegfall der Wehrpflicht steigende Studentenzahl in einem Sonderprogramm vom Freistaat Bayern geneh­migt, vom Architekturbüro Deubzer, König und Rimmel geplant und von Projekt Holzbau Merkle gebaut, wird das Gebäude mit der charakteristischen Wellenfassade wohl länger als die genehmigten zehn Jahre auf dem Campus von der TU München genutzt werden. Nach der neuen Versammlungsstättenverordnung ist es der größte Holzbau in Bayern.

Durch partielles Einrücken des Eingangs und der Nebenräume unter das Gestühl bekam das markante Gebäude eine sehr kompakte Form. Bei einer Grundfläche von nur 28 mal 30  Metern bietet es eine Hauptnutzfläche von 693 Quadratmeter. Die Holzbauweise stellt dabei für die Realisierung einer Versammlungsstätte eine konstruktive Besonderheit dar. Auch die Bauzeit war mit nur neun Monaten extrem kurz.

Das innovative Gebäudekonzept hat darüber hinaus eine Reihe weiterer Besonderheiten zu bieten: Eine zweischalige Trennwand zwischen den Haupträumen erlaubt den barrierefreien Zugang von Studierenden und Referenten. Beide Räume verfügen über WLAN, und unter den Tischen wurden auf Wunsch der Studierenden Steckdosen zum Aufladen der Akkus in Laptops oder Smartphones montiert.

Finanziert wurde der Bau der neuen Hörsäle auf dem Campus Garching durch Mittel des Freistaates Bayern aus dem Ausbauprogramm „Steigende Studierendenzahlen“, der sogenannten Hochschulmilliarde, sowie aus Mitteln des Konjunkturprogramms II. der Bundesregierung. Die Gesamtkosten des Baus inklusive der Ersteinrichtung betragen 3,65 Millionen Euro. Hinzu kommen Ei­genmittel der TUM in Höhe von rund 60 000 Euro. Derzeit ist eine Nutzungsdauer von zehn Jahren geplant.

Die Gebäudeteile wurden in Bis­singen vorgefertigt und die Rohbauarbeiten vor Ort innerhalb von vier Wochen abgeschlossen, berichtet Geschäftsführer Rainer Merkle. Insgesamt 278 Kubikmeter Holz plus 60  Kubikmeter OSP-Platten und Holzwerkstoffe wurden verbaut.

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