Für Frenkie Ignjatovic und die Knights ist der Abstiegskampf ein völlig neues Terrain
„Wir brauchen neue, positive Energie“

Die Niederlage in Heidelberg, sagt er, war der Tiefpunkt seiner bisherigen Karriere als Trainer. Die Krise in Kirchheim gleicht einem Lernprozess, meint Frenkie Ignjatovic und nimmt sich selbst dabei nicht aus.

Frenkie Ignjatovic, Sie haben nach dem Spiel in Heidelberg von Arbeitsverweigerung gesprochen. Einen derart scharfen Ton hatte man bisher noch nicht von Ihnen gekannt.

Ignjatovic: Ich war nach dem Spiel sehr aufgewühlt. Als Trainer habe ich in Heidelberg mit allen meinen Mannschaften immer ein gutes Bild abgegeben. Das ist ja quasi meine Heimat. Am Sonntag waren viele Freunde von mir in der Halle. Wie die Mannschaft zum Ende nur noch auf die Schlusssirene gewartet hat, das hat mich schon enttäuscht. Ich würde solche Dinge im Nachhinein aber nicht mehr sagen. Ich möchte keinem meiner Spieler unterstellen, dass er nicht von Beginn an gekämpft hat.

Nach dem Spiel am Samstag gegen Göttingen soll es personelle Veränderungen geben. Darüber soll bereits nach dem Spiel entschieden werden. Wie groß ist ihre Sorge, dass darunter die Motivation der Mannschaft leidet und man dem Tabellenführer vor eigenem Publikum ins offene Messer läuft?

Ignjatovic: Diese Sorge habe ich nicht. Jeder Einzelne am Samstag wird um seine Chance in Kirchheim kämpfen. Ganz einfach deshalb, weil er sie hat. Außerdem: Ich sehe nichts, was schlimmer sein könnte, als die zweite Halbzeit in Heidelberg.

Im Tabellenkeller zu sitzen, sich von Spielern trennen zu müssen, eine monatelange sportliche Durststrecke zu erleben, wie neu ist das für Sie?

Ignjatovic: Das ist tatsächlich eine Situation, die ich so noch nicht erlebt  habe. Ich hätte das, was jetzt an Weihnachten kommt, gerne vermieden. Doch meine Aufgabe ist es nun Mal, für den sportlichen Erfolg zu sorgen. Auf der einen Seite könnten wir mit nur wenig Glück heute zwei Siege mehr auf dem Konto haben. Dann würde die Welt ganz anders aussehen. Tatsache ist aber auch, wir waren in dieser Saison in sechs oder sieben Spielen komplett chancenlos. Da war ein Klassenunterschied zu sehen. Das ist das Erschreckende für mich. Die Mannschaft ist nervös und völlig verunsichert. Wir brauchen neue, positive Energie.

Wie konkret ist die Abstiegsgefahr?

Ignjatovic: Das Gefährliche ist, dass die meisten der Teams, die momentan da unten stehen, einen größeren Etat haben als wir in Kirchheim. Crailsheim hat sich bereits verstärkt und auch die Nürnberger haben inzwischen nachgelegt. Die Rückrunde wird dadurch nicht einfacher. Trotzdem bin ich überzeugt, dass die Mannschaft so stark ist, dass sie die Klasse halten wird.Vorausgesetzt, wir bleiben von Verletzungen verschont. Das ist ein Punkt, den man nicht vergessen sollte. Wir stehen da unten drin und hatten bis auf einige Blessuren noch nicht einmal Ausfälle zu verkraften.

 

Gibt es auch Positives, das Sie aus dieser Hinrunde mitnehmen?

Ignjatovic: Ich glaube, alle haben in den vergangenen Monaten gesehen, dass Erfolg nicht selbstverständlich ist, auch wenn man vier Jahre lang damit verwöhnt wurde. Die Konkurrenz schläft nicht. Man muss sich weiter entwickeln und man muss Geld investieren, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ich bin überzeugt, dass wir die Lehren daraus gezogen haben. Da nehme auch ich mich nicht aus. Wir werden im neuen Jahr nicht die gleichen Fehler noch einmal machen.

Die da wären?

Ignjatovic: Wir werden im neuen Jahr die deutschen Positionen sicher früher besetzt haben, um das zu bekommen, was wir brauchen.

Statt einer kurzen Weihnachtspause wird nun weiter trainiert. Ihre Familie wird sich darüber nicht gefreut haben.

Ignjatovic: Das ist nun mal mein Job. Wir Serben feiern Weihnachten ja sowieso am 7. Januar. Das ist für die Familie der wichtigere Termin. Also alles halb so schlimm. Wir sind an Heiligabend wie jedes Jahr zu Freunden eingeladen. Am Nachmittag stehe ich mit früheren Spielern und alten Mannschaftskollegen in Ober-Ramstadt in der Halle. Das ist eine alte Tradition. Ein bisschen Basketball spielen, ein paar Bierchen trinken. Darauf freue ich mich.