01.06.2011 - 14:30 Uhr

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Adrien trotzt Blauthermik

Der zweite Tag des 45. Internationalen Segelflugwettbewerbes auf der Hahnweide stellte die 120 Teilnehmer aus zehn Nationen vor neue Herausforderungen. Schon beim morgendlichen Briefing stimmte Wettbewerbsmeteorologe Jupp Dahlem die Piloten auf „Blauthermik“ ein.

Claus Zeumer
Segelfliegen , Hahnweide-Wettbewerb
Segelfliegen , Hahnweide-Wettbewerb

Kirchheim. Als „Blauthermik“ bezeichnen Segelflieger Wetterlagen, bei denen die warme Luft aufsteigt, ohne zu kondensieren. Dadurch bleiben Cumuluswolken aus, die den Piloten sonst Aufwinde und damit die beste Flugroute anzeigen.Entsprechend den Wetterbedingungen wurden vom Team um Sportleiter Marc Puskeiler Strecken zwischen 300 und 365 Kilometern entlang der Schwäbischen Alb ausgeschrieben. Pünktlich um 12 Uhr ließen die zehn Schleppmaschinen die Motoren an und nach nicht einmal 85 Minuten war das gesamte Starterfeld in der Luft.

In der Standardklasse war es Henry Adrien, der mit der Blauthermik am besten zurechtkam und den Tagessieg einflog. Nach seinem vierten Platz am ersten Wertungstag übernahm der Franzose die Führung in der Gesamtwertung. Ihm folgen Rene Hanses (LSC Oeventrop) und der Brite Owain Walters auf den Plätzen zwei und drei. Auch in der 15-Meter-Klasse belegte mit Jean Denis Barrois ein französischer Pilot den ersten Platz. Er flog entlang der 300 Kilometer langen Wertungsstrecke mit sieben Minuten einen deutlichen Vorsprung heraus und verwies den Italiener Giancarlo Grinza und Thomas Krauss (Fliegergruppe Kornwestheim) auf die Plätze zwei und drei.

Deutlich enger ging es in der 18-Meter-Klasse zu. Nach mehr als 350 Kilometern hatte der amtierende Deutsche Vizemeister in dieser Klasse, Reinhard Schramme, gerade einmal 17 Sekunden Vorsprung auf Stefan Senne vom FSV Sindelfingen. Mit einem fünften Platz konnte der Vortagessieger Werner Meuser jedoch seine Führung im Gesamtklassement verteidigen.

In der Doppelsitzerklasse arbeiteten sich die Hahnweidepiloten Franz Gall und Bernhard Fröschle vom Sportfliegerclub Stuttgart mit ihrem ersten Tagessieg auf den zweiten Platz in der Gesamtwertung vor. Knapp vor ihnen liegt das Kirchheimer Pilotenduo Andreas Lutz und Wolfgang Janowitsch (Fliegergruppe Wolf Hirth). Eine konstante Leistung mit zwei dritten Plätzen war ihr bisheriger Schlüssel zum Erfolg. Abgerundet wurde das Tagesergebnis aus Kirchheimer Sicht vom Team Benjamin Bremer und Thomas Hüttenberger, die den vierten Platz in der Tageswertung belegten.

In der Offenen Klasse flog der Österreicher Josef Eder mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 109,9 Kilometer pro Stunde nach einem über dreistündigen Luftrennen mit dem hauchdünnen Vorsprung von nur fünf Sekunden auf den ersten Tagesplatz. Alexander Müller (LSG Bayreuth), der am ersten Tag den vierten Platz belegt hatte, landete auf Platz zwei und übernahm damit die Führung im Gesamtklassement.

Nachdem die Segelflugzeuge geputzt und zum Teil wieder in den Anhängern verstaut waren, gab es noch ein abendliches Highlight. Ulf Merbold, Astronaut und begeisterter Segelflieger, hielt einen spannenden Vortrag über seine Atlantiküberquerung in einem Amphibienflugzeug vom Typ Sikorsky S-38, das aus den Zwanzigerjahren stammt. Der Flug mit dem Flugzeug, das schon im Hollywoodstreifen „Aviator“ mit Leonardo DiCaprio am Nachthimmel von Los Angeles zu sehen war, diente wohltätigen Zwecken.

Nach zwei absolvierten Tagen auf der Hahnweide bleibt abzuwarten, wie sich der Kampf um die Klassementführung in den fünf Wertungsklassen weiter entwickeln wird. Während einige Favoriten bereits Topplatzierungen erfliegen konnten, brennen andere – unter ihnen auch Piloten aus der Region – darauf, ihre Leistungsstärke in den kommenden Tagen unter Beweis zu stellen.

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