08.05.2013 - 02:02 Uhr

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Comeback auf der Hahnweide

Mit der Aidlingerin Katrin Senne ist beim 47. Hahnweidwettbewerb derzeit eine der weltbesten Segelfliegerinnen vertreten. Fast acht Monate lang hatte die Pilotin aus Passion zuletzt pausieren müssen – in Kirchheim gibt sie eine Art Comeback.

Thomas Pfeiffer
47. Hahnweide-Segelflugwettbewerb 2013
47. Hahnweide-Segelflugwettbewerb 2013

Kirchheim. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Auf die langjährige Hahnweidwettbewerbs-Segelfliegerin Katrin Senne trifft die Binsenweisheit garantiert zu: Ihr Vater Klaus Keim, ehemals Weltrekordhalter und Mitarbeiter der 1982 abgewickelten Schlattstaller Segelflugzeugschmiede Glasflügel, war es, der ihr den Segelflugsport in den 1980er-Jahren so nahebrachte, dass sie nie mehr von ihm loskam. Auch drei Babypausen vermochten es nicht, der heute 43-Jährigen aus Aidlingen im Landkreis Böblingen („ich bin quasi auf dem Flugplatz aufgewachsen“) die innige Verbundenheit zum präferierten Sport zu nehmen. Heute zählt Katrin Senne zu den besten Segelfliegerinnen der Welt: Bei der bevorstehenden Frauen-WM im zentralfranzösischen Issoudun (29. Juni bis 13. Juli) gehört die Weltmeisterin 2007 in der 15-Meter-Klasse zum Kreis der Favoritinnen.

Derzeit nimmt Katrin Senne am 47. Internationalen Hahnweidwettbewerb teil – „gefühlt zum 15. Mal“, wie sie sagt. Zusammen mit ihrem Mann Stefan Senne (51) – den sie auf der Hahnweide 1990 übrigens kennengelernt hatte – hat sie mit einer ASH 31 in der Offenen Klasse gemeldet, doch das ursprünglich geplante abwechselnde Pilotieren des teuren Sportgerätes haut diesmal nicht hin. Denn Stefan Senne, Vertriebsleiter eines amerikanischen Software-Herstellers, muss während der Hahnweide-Woche werktags arbeiten – nur am vergangenen Sonntag beziehungsweise an Himmelfahrt kam und kommt er zum Segelfliegen. So muss Katrin Senne, die mit dem Wohnwagen und wenig Helfern da ist, das meiste in der Wettbewerbswoche alleine stemmen: Selbst ist die Frau.

„Trainieren für die Weltmeisterschaft in Frankreich“, nennt Katrin Senne das, was sie momentan auf der Hahnweide tut. Weil der Winter lang, das Frühjahr thermikarm und das Dreckenpfronner Flugplatzterrain matschig war, hatte die 43-Jährige vom FSV Sindelfingen lange keinen einzigen Segelflug mehr bestreiten können – geschlagene acht Monate dauerte ihre Cockpit-Abstinenz. „Meinen letzten Flug habe ich im September 2012 bestritten“, sagt sie. Am vergangenen Montag flog sie auf der Hahnweide das allererste Mal wieder – und landete mit mäßigem Erfolg: Platz 19.

Der Hinterbänklerinnen-Rang ficht sie wenig an, denn die wichtigsten Titelgewinne, die eine Segelfliegerin schaffen kann, hat Katrin Senne in ihrer Vita längst stehen. Sie war Weltmeisterin, zwei Mal Vizeweltmeisterin, einmal EM-Zweite und vier Mal deutsche Meisterin – die Medaillensammlung der Nationalfliegerin seit 1991 ist lang. Die Jagd nach Trophäen liebt sie, doch die Risiken des Flugsports kennt sie nicht erst, seit die tödlichen Abstürze des Kirchheimer Unternehmers Klaus Lenhart (2012) sowie eines Hahnweidwettbewerbspiloten am Hornberg 2011 passierten. „Als Pilot muss man sich des Flugrisikos immer bewusst und stets voll konzentriert sein“, sagt sie. Angst vor dem Fliegen kennt sie nach eigener Aussage nicht – vielmehr nur den Respekt vor der Natur.

Die Natur bringt Katrin Senne, deren prominenter Schwiegervater übrigens der heute auf Mallorca lebende, langjährige ZDF-Sportchef Karl Senne (74) ist, beim Segelfliegen auch den entscheidenden Kick. „Die Sportart ist deshalb so faszinierend, weil man, ausschließlich mit Sonnenenergie unterwegs, so wahnsinnig weite Strecken fliegen kann“, schwärmt sie.

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