24.05.2016 - 02:17 Uhr

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Der VfL packt ein

Erst die Party, dann der Kater: Die Basketballer des VfL Kirchheim ziehen ihre Mannschaft aus der Regionalliga zurück. In der Kasse klafft ein Loch.

Bernd Köble
Gemeinsam aufgestiegen, jetzt trennen sich die Wege: Der Traum des VfL von der Regionalliga ist ausgeträumt.Foto: Tanja Spindler
Gemeinsam aufgestiegen, jetzt trennen sich die Wege: Der Traum des VfL von der Regionalliga ist ausgeträumt.Foto: Tanja Spindler

Kirchheim. Dass es ein Abenteuer werden würde, war schon länger klar. Jetzt steht fest: Der Traum von der Regionalliga ist ausgeträumt. Der Aufstieg für Kirchheims Basketballer nicht finanzierbar. Schlimmer noch: Die Abteilung steht in der Kreide. Satte 40 000 Euro – so groß wäre die Deckungslücke gewesen, hätte der VfL das angepackt, was noch vor wenigen Wochen für Jubel sorgte. Nach dem nun beschlossenen Aufstiegsverzicht fehlen unterm Strich noch immer 15 000 Euro in der Kasse.

Mit dieser Summe war die Abteilung vor Beginn der abgelaufenen Oberliga-Saison in Vorleistung gegangen. Die Investition ins Unternehmen Regionalliga schien gut angelegtes Geld. Einen adäquaten Unterbau für das Profiteam der Knights wollte man so schaffen, eine sportliche Perspektive für den Nachwuchs. Alles in allem: ein bedeutender Schritt nach vorn für den gesamten Standort. Was folgte, war ein Scheitern in drei Akten. Keine neuen Sponsoren, keine zusätzlichen Einnahmen aus dem laufenden Spielbetrieb. Das Einzige, was eintrat, war der sportliche Erfolg.

Der ist nun wertlos, weil die Knights, die ihrerseits jeden noch so kleinen Geldtopf ausschöpfen müssen, auf noch ausstehende Ausgleichszahlungen beharren und eine Steuernachzahlung vor zwei Wochen das Fass vollends zum Überlaufen brachte. Vergangenen Mittwoch in einer gemeinsamen Sitzung von VfL und Knights dann der Entschluss: Es wird keine Regionalliga-Mannschaft geben. Der VfL peilt zwei Spielklassen tiefer den Neubeginn in der Landesliga an, weil auch in der Oberliga ohne Bares kein konkurrenzfähiges Team an den Start zu schicken wäre. Die endgültige Entscheidung soll im zuständigen Ausschuss am kommenden Montag fallen. Tags darauf ist beim Verband Meldeschluss.

VfL-Geschäftsführer Ulrich Tangl bringt die Ernüchterung mit einem Satz auf den Punkt: „Wir müssen einsehen, dass Basketball-Spitzensport unterhalb der Knights in Kirchheim nicht möglich ist.“ Dabei wehrt sich Tangl, der seit knapp zwei Jahrzehnten die Geschäfte der Basketball-Abteilung lenkt, gegen den Vorwurf der Misswirtschaft: „Wir sind keine Traumtänzer“, sagt er. „Wir haben vor Beginn der Saison immer gesagt, wenn wir das Geld nicht hereinholen, dann lassen wir‘s.“ Einen Seitenhieb in Richtung Hauptverein, der fiskalisch die Verantwortung trägt, kann sich Tangl allerdings nicht verkneifen. Was die Steuernachzahlung betreffe, habe es keinerlei Vorwarnung gegeben. „Das traf uns völlig unvermittelt.“

Nicht nur für die Verantwortlichen in der Basketball-Abteilung, auch für die Mannschaft war die Nachricht ein Schock. Die Aufstiegsfeier ist gerade sechs Wochen her. Jetzt gilt es für jeden Einzelnen, sich möglichst schnell einen neuen Verein zu suchen.

Trennung nach 18 Jahren: Pasko Tomic geht im Frust

Sein Name wird für immer untrennbar mit der Erfolgsgeschichte des Basketballsports in der Teckstadt verbunden bleiben. 18 Jahre lang war Pasko Tomic als Spieler und Trainer ein Fixpunkt in der Kirchheimer Basketball-Landschaft. Nach seinem Debüt als Spielertrainer der Kirchheimer Oberliga-Mannschaft Ende der Neunziger Jahre stieg er 2006 bis zum Chefcoach der Knights in der zweiten Liga auf. 

Den Aufstieg der Kirchheimer in die Pro A erlebte Tomic als Trainer nicht mehr. Im Februar 2007 musste er seinen Platz für Pat Elzie räumen. Bis zu seinem Rücktritt als Aktiventrainer vor zwei Jahren feierte der 47-jährige Kroate weitere Erfolge. 2012 gelang ihm mit dem VfL erneut der Aufstieg in die Oberliga. Tomic, der als Spieler mit Jugoplastika Split dreimal die Champions-League gewann, war zuletzt Trainer der Kirchheimer U12 und U14-Mannschaften.
Jetzt ist das Kapitel VfL für den in Kirchheim lebenden Familienvater beendet. Er verlässt den Verein offenbar im Frust, nachdem sich beide Seiten über eine weitere Zusammenarbeit nicht einig wurden. Tomics Vertrag als Nachwuchstrainer war aus finanziellen Gründen nicht mehr verlängert worden.bk

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