Kirchheim. Frenkie Ignjatovic blieb gestern nur die Flucht in den Sarkasmus: „Mit kleinem Kader anzutreten, muss wie man weiß kein Nachteil sein“, scherzte Kirchheims Coach mit Blick aufs verlorene Samstagsspiel gegen sieben Paderborner. Am Dienstag Abend im Training genügte eine knappe Viertelstunde, um gleich zwei Mann aus dem Verkehr zu ziehen. Erst knickte Ahmad Smith beim Spiel Drei gegen Drei um, danach Brandon Griffin bei einem harmlosen Wurfversuch. Beide Male ohne Fremdeinwirkung, beide Male war es das Sprunggelenk. Ignjatovic brach das Training anschließend ab, zumal auch Devin Uskoski sich erkältungsgeschwächt durch die Halle schleppte. „So ist das eben“, sagt der Trainer. „Eine ganze Saison lang sind wir verschont geblieben, nun kommt es eben zur Unzeit.“ Zumindest bei Smith scheint es nichts Ernstes zu sein, und auch bei Uskoski sieht es so aus, als könnte er heute Abend auflaufen. Unklar war die Situation bis gestern Abend vor dem Training bei Kirchheims Topscorer der vergangenen beiden Spiele. Für Griffin, der pünktlich zur Finalrunde seine Form gefunden hat, wäre ein Ausfall besonders bitter.
Vergleichsweise sorgenfrei stieg Ignjatovics Trainerkollege Igor Krizanovic heute früh in den Bus Richtung Kirchheim. „Alle an Bord“, konnte der gestern vermelden. Nicht nur das: Er habe Dass die satte 57:101-Niederlage vor drei Wochen bei seinen Jungs Spuren hinterlassen haben könnte, streitet er ab. „Da wird vieles zu sehr hochgespielt.“ Man kennt sich, und man weiß um das Kräfteverhältnis. „Kirchheim ist Favorit“, sagt er. „Darüber hinaus muss man abwarten, für wen die Niederlage besser war: für unsere Motivation oder fürs Kirchheimer Selbstvertrauen.“ An der Motivation dürfte es den Gästen kaum mangeln, schließlich ist man erst in letzter Minute und mit einem knappen Heimsieg gegen Nürnberg noch in die Play-off-Ränge gerutscht. Nach einer schwierigen Saison mit Abstiegssorgen spielen die Baskets nun plötzlich um den Meistertitel mit. Das sollte als Anreiz genügen.
Frenkie Ignjatovic jedenfalls rechnet mit einer knappen Serie, womöglich gar über die volle Distanz. „Alles andere würde mich überraschen,“ sagt er. Die Bilanz gibt ihm recht: Seit der Pro-B-Saison 2007/2008, als beide Teams den Aufstieg feierten, gab es zehn Aufeinandertreffen mit fünf Siegen auf beiden Seiten. Damals entschieden die Essener beide Spiele für sich, in der laufenden Saison waren es die Kircheimer, die vier Punkte verbuchten. In den drei Jahren dazwischen gelang es keiner von beiden Mannschaften, zwei Erfolge hintereinander zu feiern. Immerhin: Nach Punkten haben die Knights im fünfjährigen Vergleich mit 849:818 knapp die Nase vorn.
Das alles wird heute Abend niemand interessieren. Wie das Spiel läuft, wird wohl auch davon abhängen, wie gut es gelingt, bei Essens Spielmacher Chris Alexander auf die Spaßbremse zu treten. Der Spieler des Monats in der Pro A ist der drehfreudige Motor im Spiel der Gäste. Pfeilschnell, mit einem präzisen Distanzwurf und mit 18,4 Punkten im Schnitt der drittbeste Scorer der gesamten Saison. Wenn er heiß läuft, ist er kaum mehr zu bremsen. Umgekehrt gilt: Der US-Guard ist ein Bauchspieler, der rasch die Lust verliert, wenn man konsequent seine Kreise stört. Ihm keine frühen Erfolgserlebnisse zu gönnen, wird eine der Kernaufgaben des heutigen Abends sein. Ein Fall für die beiden Beweglichsten in der Kirchheimer Defensive: Cedric Brooks und Besnik Bekteshi.
Ist Ahmad Smith völlig fit, brauchen die Knights den Vergleich im Spielaufbau freilich nicht zu scheuen. Kirchheims Spielmacher ist nach kurzer Auszeit wieder eine sichere Bank, körperlich stark, gewohnt umsichtig und mit 6,3 Assists pro Spiel der mit Abstand beste Vorbereiter der gesamten Liga.
