Für die einen ist er ein Talent, wie es sie immer wieder gibt. Für andere ein Präzedenzfall, der die Grundsatzfrage stellt. Junioren-Nationalspieler Besnik Bekteshi wird in der kommenden Saison ein Kirchheimer und damit zum Bewährungshelfer für das Ludwigsburger Kooperationsmodell.
Kirchheim/Ludwigsburg. Mario Probst spricht von einer Erfolgsgeschichte. Wenn der Teammanager des Erstligisten aus Ludwigsburg in der Bündnis-Chronik blättert, dann fallen ihm Namen wie David McCray ein. Ein Glücksfall, damals wie heute. Einer, der dem vorgegebenen Weg mehr oder weniger mühelos folgte. Vom unumstrittenen Herrscher bei den Kirchheim Knights zur wertvollen Stammkraft in der BBL. So hatten es sich die Verantwortlichen auf beiden Seiten vorgestellt, als sie vor vier Jahren die Kooperation zwischen dem Pro-A-Team aus Kirchheim und dem BBL-Vertreter aus der Barockstadt besiegelten. Der Juniorpartner als Sprungbrett in die erste Liga, vornehmlich für junge Talente mit deutschem Pass.
Der Nachweis folgte prompt, dass Erfolg nur bedingt planbar ist. Von Kooperationsspielern wie Sascha Kesselring, Kevin Wysocki, Tim Koch oder David Michalczyk gelang keinem dauerhaft der Sprung aufs große Parkett. Andere, wie Phillipp Heyden oder Ziyed Chennoufi, warfen langwierige Verletzungen aus der Erfolgsbahn. Jetzt steht wieder einer vor der Tür, der das Zeug hat, ein ganz Großer zu werden: Besnik Bekteshi hat mit 18 Jahren sieben BBL-Einsätze und eine WM als Junioren-Nationalspieler auf dem Buckel. In der Saison 2011/12 könnte der gebürtige Kosovare mit deutschem Pass, wenn alles gut läuft, seinen Erfahrungsschatz um 30 Spiele in der Pro A bereichern. Bekteshi wird gemeinsam mit seinem Nationalmannschaftskollegen Jonathan Maier in der neuen Saison zum Kirchheimer Kader gehören. Die beiden Ludwigsburger Internatsschüler gelten als mögliche Kandidaten für die erste Liga. Bekteshi auf der Spielmacherposition, Maier auf der des Centers.
Der Deal wäre wohl lautlos über die Bühne gegangen, hätte Bekteshi das basketballerische Einmaleins nicht beim VfL Kirchheim erlernt. Weil auch Stars von morgen heute schon Geld kosten, entzündete sich daran die Streitfrage, wer wie viel am gemeinsamen Ziehsohn zu tragen habe. Die Entscheidung zog sich über viele Wochen hin, mal fand sich kein gemeinsamer Verhandlungstermin, mal ging man ohne Ergebnis auseinander. In Kirchheimer Fankreisen sah manch einer bereits das Ende der Kooperation nahen.
Jetzt ist die Kuh plötzlich vom Eis, beziehungsweise der Junge sportlich neu beheimatet, und hüben wie drüben ist man bemüht, die Angelegenheit kleinzureden. „Wir schauen optimistisch in die Zukunft, gerade was die Partnerschaft mit Kirchheim anbelangt“, versichert Mario Probst, der das Projekt von der ersten Minute an begleitet hat. Er berichtet von guten Gesprächen und einer Einigung, bei der man „nicht weit auseinandergelegen“ habe. Über Details zur Lastenverteilung freilich schweigen sich beide Seiten aus. „Besnik verkörpert die Grundidee der Kooperation“, sagt Knights-Sportchef Michael Schmauder. „Er ist der erste Kirchheimer, der es schaffen kann. Da wäre es absurd, wenn man gerade hier zu keiner Lösung gekommen wäre.“
Sowohl Bekteshi als auch Maier, die weiterhin in Ludwigsburg unter Vertrag stehen, sollen den Knights für sämtliche Spiele in der kommenden Saison zur Verfügung stehen. Beide werden neben dem Training in Ludwigsburg mindestens drei Einheiten pro Woche in Kirchheim absolvieren. Eine der schärfsten Forderungen von Kirchheims Coach Frenkie Ignjatovic seit Beginn der Kooperation. Der Trainer übt sich bisher in Zurückhaltung, was Besnik Bekteshis Rolle in der neuen Saison betrifft, redet viel lieber über dessen älteren Bruder Shkelzen, der ebenfalls im Kirchheimer Kader steht. Ignjatovic ist keiner, der leichten Herzens Vorschusslorbeeren verteilt. „Besnik hat Potenzial“, sagt er, „aber er ist kein fertiger Spieler.“ Soll heißen: Das muss sich auch auf der Kostenseite niederschlagen. Der Trainer als Dreh- und Angelpunkt im sportlichen Bereich wandelt auf schmalem Grat zwischen Nachwuchsförderung und Erfolgsdruck. Dem Leitsatz, wonach deutsche Talente bevorzugt eine Chance erhalten sollen, sind die Kirchheimer bis dato jedenfalls treu geblieben. Bis auf die beiden Spielmacher Cedric Brooks und Ahmad Smith stehen ausnahmslos Deutsche hinter neuen Verträgen.
Von den beiden Ludwigsburger Nachwuchskräften wird man Geduld verlangen müssen. Besnik Bekteshi, der auf den Positionen eins und zwei einsetzbar ist, hat mit den beiden US-Amerikanern Brooks und Smith die dicksten Brocken vor der Nase. Maier ist als Backup unterm Korb eingeplant und kennt bis auf den Nürnberger Dominik Schneider seine Konkurrenten bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Fest steht nur: Ein groß gewachsener Amerikaner steht ganz oben auf der Wunschliste des Trainers.
