08.05.2013 - 02:02 Uhr

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Junger Student wie ein alter Flieger-Hase

Alexander Späth, Junioren-Vizeweltmeister von 2011, hat das Feld der Offenen Klasse beim internationalen Hahnweidwettbewerb kräftig aufgemischt. Mit zwei Tagessiegen in Folge führt der Esslinger Student die Klasse der Spannweitenriesen an. Folgen können seinem Tempo momentan nur die beiden französischen Nationalmannschaftsmitglieder Kilian Walbrou und Sylvain Gerbaud.

Rainer Rauch/Claus M. Zeumer

Kirchheim. Den Grundstein zur Gesamtführung nach zwei Wertungstagen legte das 24-jährige Mitglied des Aeroclubs Esslingen am ersten Wertungstag auf der 446 Kilometer langen Strecke um die Wendepunkte Harburg, Ellwangen und Söhnstetten. Als die Startlinie gegen viertel nach zwei geöffnet wurde, ließ sich Alexander Späth nicht auf taktische Spielereien ein, sondern überquerte die Startlinie als einer der Ersten. „Mit nur noch vier Stunden Zeit bis zum erwarteten Thermikende war zu diesem Zeitpunkt bereits ein 110er-Schnitt nötig“, erklärte er. Am Schluss sollte es eine Durchschnittsgeschwindigkeit von sogar 121 km/h sein, die ihm mit etwas über zwei Minuten Vorsprung zum Tagessieg verhalf.

Am zweiten Wertungstag gelang ihm das Kunststück nach einem bewusst späten Abflug über eine wesentlich kürzere Wertungsdistanz von 208 Kilometer abermals. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 127 km/h ließ er den Platzhirschen in der technisch anspruchsvollsten und leistungsstärksten Wettbewerbsklasse abermals keine Chance. Dabei waren die Bedingungen unterwegs alles andere als einfach: Eine nahezu geschlossene Wolkendecke im östlichen Teil der Aufgabe behinderte die Entwicklung der Thermik. Späth erkannte dies früh, tankte noch einmal so viel Höhe wie möglich und reduzierte seine Fluggeschwindigkeit, um mit der gewonnenen Energie sparsam umzugehen. Zurück im Westen, brachte den Esslinger ein kräftiger Aufwind mit Steiggeschwindigkeiten von über drei Metern pro Sekunde noch mal auf 1 800 Meter Höhe – genug, um die verbleibenden 70 Kilometer zur Hahnweide im Geradeausflug ohne weitere Aufwindsuche zurückzulegen.

Somit bestätigte sich der Hahnweidwettbewerb einmal mehr als Bühne für talentierte Junioren. Möglich wird dies auch, weil der Esslinger Student dieses Jahr vom Deutschen Aeroclub einen Nimbus 4 als Förderflugzeug zur Verfügung gestellt bekommt. Mit 26,4 Metern Spannweite ein Flugzeug, das für Vereine zu groß und wohl auch zu teuer wäre, ist es für einige Junioren schon zum Sprungbrett in die internationale Elite geworden. Viele der ehemaligen Piloten des Förderflugzeuges tauchten später in den Siegerlisten internationaler Meisterschaften auf.

Bekannte Gesichter führen auf dem Kirchheimer Flugplatz die 18-Meter-Klasse und die Doppelsitzerklasse an: Reainhard Schramme (Luftsportverein Rinteln) liegt mit 1 365 Punkten gerade einmal ein beziehungsweise drei Punkte vor den Nächstplatzierten. Holger Karow (Fliegergruppe Wolf Hirth) konnte mit dem neunten Tagesplatz knapp seine am ersten Wertungstag errungene Führung verteidigen. Der zweimalige Weltmeister hatte sich nördlich von Geislingen etwas „eingegraben“ und verlor in schwachem Steigen wertvolle Zeit, die auf der kurzen Strecke nicht mehr aufzuholen war.

Nach zwei Wertungstagen ist allen Klassen gemein, dass die Führenden nur wenige Punkte von ihren Verfolgern trennen. Es bleibt folglich spannend, wer am Samstag zum Schluss des Wettbewerbes ganz oben auf den Podesten stehen wird.

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