Kirchheim. Im November vergangenen Jahres sah es danach aus, als ginge alles ganz schnell. Nachdem sich die VfL-Mitglieder mehrheitlich für den Bau eines Vereinszentrums ausgesprochen hatten, die Baupläne fertig in der Schublade lagen, ging es nur noch darum, in welcher Höhe sich die Stadt per Bankbürgschaft am finanziellen Risiko beteiligen würde. Im Frühsommer bereits sollte der erste Spatenstich erfolgen.
Dann kam die Politik ins Spiel. Regierungspräsidium und Stuttgarter Innenministerium traten plötzlich auf die Bremse, wollten das Wesen kommunaler Bürgschaften im Grundsatz geklärt wissen. Ende März kam es zum Spitzengespräch mit Sportfachverbänden und dem Ergebnis: Alles heiße Luft. Kommunen dürfen, wenn sie wollen, auch weiterhin Vereinen den Rücken stärken, sofern sie sich an den von der Gemeindeordnung vorgegebenen Rahmen halten. Kein Grund also für weiteren Aufschub.
Den gibt es nun doch, allerdings aus einem ganz anderen Grund: Die Stadt, die per Erbpachtvertrag dem Verein den Bauplatz überlässt, hält den geplanten Standort für nicht optimal. Das ist zwar nicht neu, bringt den Zeitplan fürs neue Vereins-Domizil allerdings gewaltig ins Wanken. Offener Protest, den sogenannten „Wembley-Platz“, das Schmuckstück unter den Rasenflächen beim Stadion, dem Bau zu opfern, gab es bereits in der Mitgliederversammlung im November. Nun ist offenbar auch in der Verwaltung der Groschen gefallen, dass die dadurch nötige Neugliederung der Sportflächen die Stadt teuer zu stehen käme und es obendrein schwierig werden dürfte, im Gemeinderat eine Mehrheit dafür zu finden. Zumal eine solche Neuordnung Teil der Planungen für einen Sportpark ist, für den vorerst kein Geld vorhanden ist.
Viel dringender braucht die Stadt ein neues Hallenbad, mit dem man nicht nur bei Schulen und Vereinen, sondern auch bei der Nachbargemeinde Dettingen im Wort steht. Deshalb sähe Kirchheims OB Angelika Matt-Heidecker nichts lieber, als den neuen Schwimmtempel mit dem Vereinszentrum raumplanerisch in einen Topf zu werfen. Kein schlechter Gedanke. Nur: Da bis heute völlig ungeklärt ist, wo ein neues Hallenbad entstehen soll, wäre auch der Standort des Vereinszentrums wieder völlig offen. Ebenso wie der Zeitpunkt der Verwirklichung.
Bei Doris Imrich, der Vorsitzenden des VfL Kirchheim, die das ministerielle Urteil vor wenigen Wochen mit Erleichterung aufnahm, schrillen deshalb schon wieder die Alarmglocken. „Das Ganze darf nicht zum Endlosthema werden“, warnt sie. „Irgendwann muss man einen Knopf dranmachen.“ Will die Stadt verhindern, dass Steuervorteile flöten gehen, muss sie spätestens 2016 fürs Hallenbad eine Baugenehmigung vorlegen. Doch so lange will Doris Imrich nicht warten. Im alten Stadiongebäude bröckelt längst mehr als nur der Putz. Dass dort kein Geld für die seit Jahren dringend notwendige Sanierung mehr verbaut werden soll, ist breiter Konsens. Für Kirchheims Bürgermeister Günter Riemer allerdings kein Grund für voreilige Entschlüsse. „Sollte man sich für ein gemeinsames Vorgehen von Stadt und Verein im Zuge des Hallenbadbaus entscheiden, ließe sich eine Übergangslösung finden.“ Soll heißen: Das alte Gebäude stünde eine Zeit lang leer, der Verein müsste mit seinem Kursangebot vorübergehend umziehen.
Mit oder ohne Hallenbad: Bleibt die Frage, wohin mit dem neuen Vereinszentrum? Bisher nicht offen diskutiert wurde ein Standort, der alles bisher Dagewesene auf den Kopf stellen würde: Die Brache beim ehemaligen Güterbahnhof am Schienenstrang in Richtung Ötlingen. Dort, wo samstags gelegentlich Flohmarkt ist, wäre Platz für beides: Hallenbad und Vereinsdomizil. „Wir dürfen uns nichts verschließen“, sagt Doris Imrich vorsichtig. Doch sie weiß: Dem Grundgedanken eines ganzjährig attraktiven Vereinsangebots widerspräche die Trennung von Gebäude und Außenflächen. Damit würde man genau das aufgeben, was in Politikersprache so gerne als Synergieeffekt gepriesen wird. Die VfL-Frontfrau macht keinen Hehl daraus, dass für den Verein eine Alternative im erweiterten Stadion-Umfeld die klar bessere Lösung wäre. Zumal auf die Freifläche beim Güterbahnhof auch andere Interessenten schielen: Die Basketballer diskutieren inzwischen offen einen Hallenneubau, der mittelfristig den Gang in die erste Liga ermöglichen soll.
Sicher ist derzeit nur eines: Im Rathaus stehen diesbezüglich alle Räder still. Es sind Osterferien, und auch Kirchheims Oberbürgermeisterin ist verreist. Nach Ferienende wollen Verein und Verwaltung sich intensiv auf die Suche nach einer Lösung machen. Zumindest so viel steht fest: „Wir wollen noch 2012 eine Standortentscheidung im Gemeinderat“, sagt Günter Riemer.
