18.01.2012 - 02:02 Uhr

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Marathonflüge in Namibia

Was dem Langläufer die Marathonstrecke und dem Segler die Atlantiküberquerung, das ist dem Segelflieger die 1 000-Kilometer-Flugdistanz – zurückgelegt in einem Flug. Das Kunststück gelang jetzt Wolf-Hirth-Flieger Patrick Puskeiler.

Rainer Rauch
Patrick Puskeiler
Patrick Puskeiler

Bitterwasser. Gleich bei seinem ersten Aufenthalt im namibischen Segelflugleistungszentrum Bitterwasser gelang dem deutschen Juniorenmeister und Nationalmannschaftsmitglied Patrick Puskeiler dieser Coup. Schon bei seinem ersten Flug über dem afrikanischen Kontinent knackte der 24-jährige Student aus Jebenhausen die Traummarke und machte damit seine Ambitionen deutlich. Möglich geworden war sein Aufenthalt durch seinen zweiten Platz in der weltweiten Streckenflug-Juniorenwertung 2011.

Der Junior der Kirchheimer Fliegergruppe Wolf Hirth hat sich mittlerweile im Spitzenfeld der europä­ischen Segelflugpiloten etabliert. Neben Erfolgen bei zentralen Wettbewerben (vierter Platz deutsche Meisterschaft 2011) nimmt er nunmehr verstärkt die Extremdistanzen ins sportliche Visier. Der Gewinn des zweiwöchigen Aufenthalts in der namibischen Wüste kam ihm deshalb höchst gelegen. Spekulierte er anfangs noch mit einem Tausender, erflog er sich im Laufe seines Aufenthalts gleich fünf Flüge über die Traumdistanz. Die 1 200 Flugkilometer am fünften Flugtag waren die Krönung seines Trainingsaufenthaltes in Afrika. Nur wenige Piloten konnten am Ende ihres Aufenthalts eine solche Bilanz vorweisen. Neben Wetterglück benötigte er auch hohe Konzentration über viele Stunden hinweg. Durchschnittsgeschwindigkeiten von über 145 km/h erreicht nur, wer sich während der gesamten Flugzeit keinen taktischen oder flughandwerklichen Fehler erlaubt. Mentale Stärke ist auch deshalb gefragt, weil der größte Teil des Fluges über menschenleeren Regionen der namibischen Wüste und Botswanas stattfindet. Zudem können sich in diesem Gebiet riesige Gewitter bilden und den Heimflug unmöglich machen. Landemöglichkeit bieten dann nur noch die wenigen Farmen, die alle über einen Landestreifen verfügen.

Namibia hat sich in den letzten Jahren immer mehr zum Reiseziel für europäische Segelflieger entwickelt. Farmen wurden zu Leistungszentren mit Flugplatz ausgebaut und Hunderte von Thermikjägern aus ganz Europa bevölkern mittlerweile jeden Winter die Wüste über Namibia. Neben der hervorragenden Thermik, die bis auf 5 000 Meter Höhe reicht, locken auch unvergessliche Ausblicke auf die schier endlosen Weiten der Wüstenregion.

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