Die Knights gehen aus der ersten Play-off-Runde gestärkt als Team hervor
Nichts ist unmöglich

Die Fans aus dem Häuschen, die Mannschaft am Limit, das Halbfinale erreicht – Die Sporthalle Stadtmitte bleibt auch nach der ersten Play-off-Runde das Freudenhaus der zweiten Basketball-Bundesliga. Eine aus Kirchheimer Sicht völlig verrückte Saison hält durch.

Kirchheim. Lange Ohren waren das Einzige, was Igor Krizanovic am Ostermontag noch fehlte. Ansonsten dürfte sich Essens Coach nach der Schlusssirene in der Sporthalle Stadtmitte vorgekommen sein, wie beim bekannten Rennen zwischen Hase und Igel. In zwei Spielen hintereinander klar geführt, Partie und Gegner über weite Strecken beherrscht, doch gewonnen haben am Ende die Anderen. Fabelhaft ist dabei nur die Geschichte, das Spiel der Kirchheimer war es zumindest phasenweise nicht. Eine Halbzeit lang in Essen sogar richtig schlecht. Doch die Knights haben nach dem überzeugenden Auftaktsieg zweimal eindrucksvoll demonstriert, was man braucht, um am Ende vielleicht sogar Meister zu werden: unbedingten Siegeswillen. Insofern war der letzte Akt der Erstrunden-Trilogie ein Lehrstück in Sachen Effizienz und Kampfbereitschaft.

Für die Essener Last-Minute-Touristen auf der Extra-Tour war es vor allem ein Lehrstück in Sachen Frustbewältigung. Der entlud sich bereits am Samstag nach Spielende auf dem Parkett und wäre vorgestern in den Schlussminuten um ein Haar ein weiteres Mal eskaliert. Unschöne Begleitmusik in einem Stück, in dem ein Ex-Kirchheimer die Hauptrolle spielte: Kevin Wysocki, so schien es, hatte mit seinem Ex-Klub noch eine Rechnung offen. Der 24-Jährige Forward, in allen drei Begegnungen einer der Besten seines Teams, gefiel sich in der Rolle des Provokateurs. Erfolgreich, wie die heftigen Kirchheimer Reaktionen am Samstag zeigten.

Die Tumulte nach Spielende im Essener Sportpark wären beinahe nicht ohne Folgen geblieben. Ausgerechnet für zwei Spieler, die gemeinhin zu den eher Besonnenen zählen: Die beiden Sebastians – Adeberg für die Kirchheimer und Schröter auf Essener Seite – mussten an Ostern eine schriftliche Stellungnahme im Liga-Büro einreichen. Beide waren von den Unparteiischen nach Spielende als das Auge des Hurrikans ausgemacht worden. Sprich: als die beiden Alpha-Männchen im jeweiligen Rudel. Dass beide am Ende ungeschoren blieben, veranlasste Knights-Coach Frenkie Ignjatovic sogar dazu, fernmündlich ein Lob an die Liga-Schiedsstelle abzusetzen. „Wenn man so oft Kritik übt wie ich, darf man auch mal loben, wenn Fingerspitzengefühl bewiesen wird“, meint der Trainer, den man am Ostermontag so emotional wie selten zuvor erlebte. Das Donnergrollen des Felssturzes, der dem gebürtigen Serben vom Herzen brach, war weithin vernehmbar. „Wenn wir dieses Spiel verloren hätten“, war er sich hinterher sicher, „dann hätten wir über die volle Distanz von fünf Spielen gemusst.“

So bleiben zehn Tage Zeit, um Kraft zu tanken für die kommende Aufgabe, die am 20. April entweder Chemnitz oder Düsseldorf heißt. Beide schenken sich als künftiger Gegner nichts, auch wenn Ignjatovic sagt: „Düsseldorf wäre mir lieber.“ Den mit großen Namen gespickten BBL-Absteiger aus dem Wettbewerb zu kegeln, wäre das i-Tüpfelchen auf eine unglaubliche Saison aus Kirchheimer Sicht. Die anstehende Pause bis zum Freitag in einer Woche sieht der Coach mit gemischten Gefühlen. „Pause ist nie gut, wenn‘s läuft“, weiß er. Doch einigen seiner Spieler dürfte die Woche guttun: Devin Uskoski spielte zuletzt mit Erkältung, Brandon Griffin mit bandagiertem Knöchel und auch Dauerläufer Cedric Brooks, der mit 33 Lenzen fast 32 Minuten pro Spiel auf dem Parkett steht, dürfte gegen eine Verschnaufpause keine Einwände haben. Gestern und heute war trainingsfrei. Ab morgen stehen sie wieder in der Halle.

Die Zuversicht für die kommenden Wochen ist groß. Die Energieleistung in den beiden jüngsten Spielen hat gezeigt: Die Mannschaft glaubt an sich. Und: Die Glanzleistung von Cedric Brooks mit 36 Punkten sind nur die halbe Wahrheit. Die andere lautet: Den Unterschied macht derzeit die Bank. Brandon Griffin trotz Offensiv-Flaute mit den entscheidenden Ballgewinnen in den Schlussminuten, Dominik Schneider mit einer Reihe von Big points und Besnik Bekteshi als der Wadln‘-Beißer den es braucht, um eine Dreier-Maschine wie Alexander entschlossen auszukuppeln. Dazu Menck und Adeberg in Topform. Sebastian Adeberg hatte am Montag vor dem Spiel ein ganz persönliches Ostergeschenk in der Tasche: Den unterschriebenen Vertrag, der ihn für ein weiteres Jahr zum Kirchheimer macht.