Das Göttingen-Spiel wird für einige der Knights zur Abschiedsvorstellung
Training statt Truthahn

Weihnachtsurlaub gestrichen, Entlassungen stehen an: Bei den Knights wird der Ton vor dem morgigen Spiel gegen Tabellenführer BG Göttingen schärfer. Der Entschluss steht fest: Die Mannschaft, die am Samstag in der Sporthalle Stadtmitte auflaufen wird, wird es so nie wieder geben.

Kirchheim. Wer eine Reisekostenrücktrittsversicherung abgeschlos­sen hat, ist klar im Vorteil. Training statt Truthahn, heißt es nicht nur für die US-Amerikaner im Team der Knights, doch die dürfte die Maßnahme am härtesten treffen. Die Streichung des sonst üblichen Weihnachtsurlaubs bis kurz nach Neujahr soll den Ernst der Lage verdeutlichen. Flugverkehr zwischen den Staaten und dem Schwabenland musste man in der Geschäftsstelle trotzdem organisieren – nur in umgekehrter Richtung: Der dreijährige Sohn von Cedric Brooks besucht den Papa. Eine Familienzusammenführung, die wie Balsam auf die wunde Seele des einstigen Topscorers wirken soll. Darauf zumindest hofft man.

Wie es um die Seele der gesamten Mannschaft bestellt ist, wird sich am morgigen Samstag zeigen müssen. Coach Frenkie Ignjatovic hat das Duell mit dem Tabellenführer zum ultimativen Charaktertest erhoben. „Eine Frage der Ehre“, so die Botschaft an die Mannschaft, die am vergangenen Sonntag bewies, dass es noch tiefer geht, egal, wo man steht. Wie sehr es im Trainer brodelte, zeigte nicht nur dessen ungewohnt scharfe Wortwahl nach dem Spiel („Das grenzt an Arbeitsverweigerung“), sondern auch der Einstieg in die Trainingswoche. Statt wie sonst üblich am Donnerstag, trommelte Ignjatovic die Mannschaft gleich am ersten Trainingstag der Woche zusammen, um das Video vom Heidelberg-Spiel genauestens zu analysieren. So einfach wollte er nicht zur Tagesordnung übergehen.

Auch Kirchheims Sportchef Karl-Wilhelm Lenger musste erst verdauen, was er am Olympia-Stützpunkt am Neckar erlebt hatte. „Ich habe meinen Augen nicht getraut“, sagt Lenger, der für Weihnachten nun Personalentscheidungen ankündigt. Man werde sicher nicht die halbe Mannschaft austauschen, „aber es wird auf zwei oder drei Positionen Veränderungen geben.“ Die ersten Entscheidungen sollen schon morgen nach dem Spiel bekannt gegeben werden. Weitere könnten in den nächsten Tagen folgen. Gleichzeitig dämpft er die Hoffnungen auf schnelle, womöglich gar spektakuläre Neuverpflichtungen. Das Problem: Ohne Einvernehmen kämen Vertragsauflösungen zu teuer. Doch ohne Personalkosten im derzeit 13 Mann starken Kader zu reduzieren, ist kein Geld da für neue Spieler. Erschwerend hinzu kommt, dass die Zuschauerzahlen seit Wochen rückläufig sind und für einen zusätzlichen Fehlbetrag sorgen. „Wir müssen uns erst konsolidieren, bevor wir über Investitionen reden können“, sagt Lenger.

Mit welchen Spielern man in Kontakt steht, wird sorgsam unter Verschluss gehalten. Management und Trainer verbringen diesmal mehr Zeit am Telefon als an Weihnachten sonst üblich. Das ändert jedoch nichts daran, dass beider Ziele momentan auseinanderdriften. Ignjatovic würde am liebsten bereits zu Rückrundenbeginn, das heißt im Heimspiel am 6. Januar gegen Karlsruhe, eine neue Mannschaft präsentieren, die den Rest der Saison bestreiten soll. Lenger dagegen hält dies für nicht realistisch. Bevor nicht klar ist, wer am Ende den Verein verlässt, wird nicht gehandelt. Klar dagegen ist: Schnellschüsse kann sich der Klub nicht mehr leisten. Der nächste Schuss muss sitzen.

Es herrscht Ausnahmesituation im Kirchheimer Basketball, der sich sogar die Stadt anschließt: Am zweiten Weihnachtsfeiertag um 20 Uhr gehen in der Sporthalle Stadtmitte die Lichter an. Obwohl die Halle in den Ferien normalerweise geschlossen ist, wird eine Ausnahme gemacht. „Dafür sind wir sehr dankbar“, sagt Frenkie Ignjatovic. Es gibt keine Zeit mehr zu verlieren, so das Signal. Am Samstag, 29. Dezember, findet in Ehingen ein Testspiel gegen den Liga-Konkurrenten statt. An genau selber Stelle, wo man vor drei Wochen einen schon sicher geglaubten Sieg in den Schlusssekunden noch aus der Hand gab. In der Psychotherapie nennt man das Konfrontationsverfahren.