Kirchheim. Zwei Schüler liegen bewusstlos auf einer Parkbank. Dem einen rutscht die Wodkaflasche aus der Hand und zerschellt auf dem Asphalt in tausend kleine Stücke. Ein Jugendlicher kommt vorbei und ruft den Notarzt. Die beiden Halbwüchsigen werden sofort ins Krankenhaus gebracht, einer von ihnen wird nie wieder eine gesunde Leber haben.
Diese Geschichte stammt aus einem der Filmbeiträge des Wettbewerbs, den die Stadt Kirchheim zum Thema „Auswirkungen von Alkoholkonsum“ ausgerufen hat. Beim ersten landkreisweiten Präventionstag in der Stadthalle wurden die besten Ergebnisse prämiert. Die Jugendlichen haben mit ihren Handys Szenen gefilmt, die teils nachdenklich, teils unfreiwillig komisch, aber immer eindrücklich klarmachen: Alkohol zerstört mehr, als man denkt.
Gesundheit und Werteorientierung, um diese Themen dreht sich alles beim Präventionstag, der von der Wirtschaftsförderung der Stadt Kirchheim, der Polizeidirektion Esslingen, dem Landratsamt und dem Kreisjugendring organisiert wird. An Messeständen informieren Fitnessstudios und Vereine über Gesundheitsangebote, das Landwirtschaftsamt klärt über gesunde Ernährung auf und am Stand der Polizei geht es um Verkehrserziehung. „Wir wollen Aufmerksamkeit erzeugen dafür, dass die Gesundheit des einzelnen, aber auch die Kriminalprävention im Vordergrund steht“, benennt Schirmherrin Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker ein Ziel der Veranstaltung.
Die Idee für den Präventionstag ist aus einem Problem entstanden, das der Stadt besonders im Sommer 2010 Probleme bereitet hat, berichtet Angelika Matt-Heidecker. Auf dem Rollschuhplatz in Kirchheim hätten sich am Wochenende Jugendliche getroffen, um dort zu feiern. Das Ergebnis: Lärm, leere Alkoholflaschen und viele betrunkene Jugendliche. „Damals haben wir uns gefragt, wie wir die Interessen der Jugendlichen, des Handels und der anderen Bürger zusammenbekommen“, erinnert sich Angelika Matt-Heidecker. Die Lösung, glaubt sie, kann nur der ständige Dialog sein. Damit das Miteinander funktioniere, müsse man sich Respekt und Achtung entgegenbringen. Die Oberbürgermeisterin betonte aber: „Die Wertediskussion ist nicht beschränkt auf Jugendliche. Die Eltern müssen Vorbild sein.“
Auch Kurt Spätling, Geschäftsführer des Kreisjugendrings, warnte vor dem Tunnelblick. „Bei der Prävention wird der Blick nur allzu gern auf die Jugend gerichtet. Aber Kinder und Jugendliche sind eher Opfer als Täter.“ Prävention klinge beruhigend, sei aber gar nicht so einfach. Einzelne Maßnahmen seien häufig nur Strohfeuer. „Deshalb brauchen wir solche Präventionstage.“
Auch Landrat Heinz Eininger betonte die gesellschaftliche Bedeutung der Präventionsarbeit. „Prävention lohnt sich“, sagte er. Jeder junge Mensch, der achtsam durchs Leben gehe, sei ein Gewinn für die Gesellschaft. Hans-Dieter Wagner, Leiter der Polizeidirektion Esslingen, wies darauf hin, dass im Landkreis vergleichsweise wenig Straftaten begangen werden. „Das ist sicher auch ein Verdienst der Prävention“, sagte er.
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