Kirchheim. Im Zuge eines Streits um seinen abgestellten Pkw soll der 36-Jährige am 4. September letzten Jahres einen anderen Autofahrer in der Lindorfer Straße angegriffen und dabei am Hals lebensgefährlich verletzt haben.
„Ich habe nach dem Einkaufen vor meinem Haus in der Lindorfer Straße geparkt und die Sachen ausgeladen“, sagt das 51-jährige Opfer im Zeugenstand vor den Richtern der Ersten Großen Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts. Dann habe der vor ihm geparkte Angeklagte wegfahren wollen und mit ihm einen Streit angefangen, in dessen Verlauf er ihn auch schwer beleidigte. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 36-Jährige dann zunächst einen Schraubenzieher zog und damit auf den anderen Autobesitzer einstechen wollte. Doch Passanten und Hausbewohner hatten ihn zurückgehalten und ihm den Schraubenzieher abnehmen können.
Aus Wut, so die Anklage weiter, soll dann der 36-Jährige in seine Wohnung gegangen sein und sich dort mit einem Fleischerbeil und einem Fleischermesser mit 20 Zentimeter langer Klinge bewaffnet wieder auf die Straße begeben haben. Was dort dann geschah, schildert der Staatsanwalt in der Anklageschrift: Um Rache zu üben, habe der Angeklagte mit dem Beil und dem Messer „aus niederen Beweggründen“ versucht, den anderen Autofahrer zu töten. Zum Schrecken der Passanten habe er versucht, mit dem Beil auf den Kopf des Opfers einzuschlagen, dabei wüste Beleidigungen ausstoßend. Mit dem Messer sei er gleichfalls auf den 51-Jährigen zugegangen und habe ihm damit letztlich tiefe Schnitte am Hals beigebracht. Einer der Stiche hatte dabei eine wichtige Schlagader geöffnet, sodass das Opfer viel Blut verlor und bei ihm Lebensgefahr bestand. Kurz danach war der Angeklagte zu Fuß geflüchtet, konnte aber von der Polizei kurze Zeit später noch in der Lindorfer Straße festgenommen werden.
Am ersten Verhandlungstag am gestrigen Montag schwieg der Angeklagte zu dem Vorwurf eisern. Lediglich seinen Lebenslauf schilderte er den Richtern. Er sei anerkannter türkischer Asylbewerber, weil er in seiner Heimat politisch verfolgt wurde. 2001 erhielt er eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland und arbeitete fortan als Kraftfahrzeugtechniker. Drei Jahre später heiratete er in Kirchheim und hat drei Kinder. Inzwischen sei aber das Paar wieder getrennt, zitiert der Vorsitzende Richter aus den Akten. Grund: Der Angeklagte sei wohl aggressiv geworden und musste mit Polizeihilfe aus der gemeinsamen Wohnung entfernt werden.
Mit einem psychiatrischen Sachverständigen, medizinischen Gutachtern und Vernehmung von 13 Zeugen wird der Prozess am morgigen Mittwoch und nächsten Montag fortgesetzt.
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