Was hat es mit dem Wort Jugend in der Jugendsingschule auf sich?
RALF SACH: Das ist wie mit den Tempotaschentüchern. Wenn man andere Taschentücher benützt, sind es immer noch Tempos. Eigentlich hat die Jugendsingschule nichts mit Jugendlichen, sondern mit Kindern zu tun. Wir haben einfach den Namen der alten Schule übernommen.
Was gefällt ihnen besonders gut an der Chorarbeit mit Kindern?
RALF SACH: Die Chorarbeit mit Kindern hat mich schon immer fasziniert. Ich finde es toll, dass meine dreijährigen Tocher Soraya aus vollem Hals und richtig hemmungslos singen kann. Es ist toll, dass Kinder in diesem Alter noch so richtig aktiv zuhören können. Sie lassen sich nicht von der Musik berieseln, sondern lassen sich ganz auf sie ein. Oder gibt es einen Erwachsenen, der sich wie ein Kind ganz still mit dem Cover in der Hand vor einen CD-Player setzt und bis zum letzten Lied angestrengt zuhört?
Wo sehen Sie die Unterschiede zwischen der Chorarbeit mit Kindern und Erwachsenen?
RALF SACH: Im Erwachsenenchor kann man sein Konzept durchziehen und sagen: „Leute, jetzt passt mal auf, wir machen das so und so. Das muss jetzt sein, da müssen wir durch.“ Mit Kindern geht das nicht so einfach. Denn im Kinderchor muss man immer damit rechnen, dass die ganze Bande ohne Grund anfängt, im Raum herumzurennen. Gerade in solchen Momenten ist es wichtig, seine Spontaneität zu bewahren. Manchmal kann das aber auch ganz schön anstrengend sein.
Wie empfinden Sie denn die Arbeit mit den Kindern?
RALF SACH: Natürlich gibt es Situationen, in denen man als Chorleiter denkt: „Das ist jetzt voll daneben gegangen.“ Momentan haben wir noch ein Try-and-Error-System. Die Gruppe muss sich erst finden und ich mich an meine neue Aufgabe gewöhnen. Aber bevor ein Chorleiter verzweifelt, hilft es manchmal, die Kinder nach ihrer Meinung zu fragen. In so einem Moment kann ein ganz Kleiner dann auf eine ganz interessante Weise plötzlich erwachsen werden. Bei diesem Vorgehen wurde ich schon oft von sehr konstruktiven Vorschlägen überrascht. In meinen Augen ist es ein Nehmen und Geben. Man muss immer ein Auge darauf haben, was Kinder in diesem Moment brauchen.
Spaß oder Leistung: Was steht bei der Jugendsingschule im Vordergrund?
RALF SACH: Natürlich haben wir viel Druck von außen. Der Name der Jugendsingschule soll glänzen wie in den Sechzigerjahren. Aber ich bin nach wie vor der Meinung, dass man am besten lernt, wenn man Spaß an etwas hat. Mein Studium habe ich jedenfalls spielerisch überstanden. Denn mit Druck und Ordnung bin ich nie zurechtgekommen. Gerade deswegen werde ich das auch nie von einem Erwachsenenchor und ganz bestimmt nicht von meinem Kinderchor verlangen. Wir gehen da mit viel Spiel und Spaß ran.
Gibt es denn schon ein nächstes Projekt in Sichtweite?
RALF SACH: Erst mal keins. Mir ist es wichtig, die Kinder nicht gleich als Showobjekte zu nutzen. Wir brauchen Ruhe, um uns zu sortieren. Ich glaube, dass es in naher Zeit vielleicht kleinere Gottesdienstauftritte geben wird. Aber das frühestens in einem halben Jahr.
Gottesdienste begleiten, Orgelunterricht, der Martinskirchenchor und jetzt auch noch die Jugendsingschule. Hat man bei den vielen Aufgaben als Bezirkskantor überhaupt noch Zeit, die Musik selbst zu genießen?
RALF SACH: Es gibt Menschen, die arbeiten von morgens bis abends und haben nur wenig Zeit für das, was ihnen wirklich Freude bereitet. Ich selber habe diese Erfahrung als Bankkaufmann gemacht. Jetzt kann ich sogar mein Hobby die ganze Woche ausüben und werde auch noch dafür bezahlt. Das, was mich wirklich schlaucht, sind eigentlich nicht die Konzerte und Proben, sondern Sitzungen und Büroarbeit. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ich nach Kirchheim gezogen bin. Den ganzen Tag habe ich zwischen Kisten zugebracht. Am Abend hatte ich dann ein Orgelkonzert, und das war für mich einfach nur Erholung.
