„Halt dich raus, dann kommst du in nichts rein“, lautet ein immer wieder gehörter Rat. Auch im Fall der Dettinger Baugebietswünsche ist Kirchheims Ratsmitgliedern die Einmischung in örtliche Belange denkbar unangenehm.
„Es ist nicht unsere Aufgabe, selbstständige Gemeinden zu bevormunden“, gab der CDU-Fraktionsvorsitzende Helmut Kapp zu bedenken und plädierte im Schulterschluss mit seinem SPD-Kollegen Walter Aeugle dafür, sich inhaltlich aus den Belangen Dettingens und Notzingens herauszuhalten. Entsprechend solle sich die Oberbürgermeisterin in der Sitzung des Gemeinsamen Ausschusses enthalten. Ohnehin werde der Planungsausschuss der Region eine fachliche Stellungnahme abgeben, das Regierungspräsidium entscheide dann.
Dieser Argumentation schloss sich FDP-Fraktionschef Bernd Most an. Zwar müsse die Verwaltung die Sachlage prüfen, doch sei es nicht am Gemeinderat, per Beschluss in Dettinger Interna einzugreifen. Most räumte zudem Probleme mit dem Betriff „Eigenentwicklung“ ein: „Auch wir in Kirchheim könnten schließlich nicht ohne Zuwanderung leben.“ Diesen Faden spann Hagen Zweifel weiter. Der Chef der Freien Wähler fragte sich, wie viele der Anwohner im Dettinger Neubaugebiet Goldmorgen wohl ihrerseits aus Gemeinden kämen, die auf bloße Eigenentwicklung festgeschrieben seien. Wiewohl die Verwaltung nach Recht und Gesetz korrekt gehandelt habe, plädierte auch Zweifel dafür, sich im Gemeinsamen Ausschuss zu enthalten. Dies sei im Sinne einer guten Nachbarschaft geradezu erforderlich und der Fortführung der hervorragenden Zusammenarbeit in der Verwaltungsgemeinschaft dienlich. Grünen-Fraktionssprecherin Sabine Bur am Orde-Käß erneuerte das Credo ihrer Partei, auf Innenentwicklung zu setzen, und beurteilte daher den Dettinger Wunsch als „inhaltlich kritisch“. Dennoch votierte auch sie dafür, die Entscheidung dem Regierungspräsidium als übergeordnetes Organ zu überlassen.
Eine klare Position bezog Hans Kiefer von der Christlichen Initiative (CIK). „Hier geht es um eine sachliche, nicht um die rechtliche Beurteilung“, wunderte er sich, dass seine Ratskollegen nur um des lieben Friedens Willen einleuchtende Sachargumente zurückstellten.
Bei der Abstimmung wurde der Aufstellungsbeschluss mit nur einer Gegenstimme abgesegnet. Darin enthalten ist die Weisung, dass Kirchheim sich gemäß dem Vorentscheid im Technischen Ausschuss in der Sitzung der Verwaltungsgemeinschaft enthält. – Die Entscheidung liegt dann beim Regierungspräsidium.
