Am Fuße der Teck könnte ein kleines neues Gewerbegebiet entstehen
Nabern - nicht nur ein Teil von Kirchheim

Nomen est omen: „Haken“ heißt das in Nabern neu ins Auge gefasste Gewerbegebiet. Der ­Haken: Das Areal könnte zwar die Raumprobleme örtlicher ­Kleinunternehmer lösen, zeichnet sich aber durch seine landschaftlich sensib­le Lage am Fuße der Teck aus.

Kirchheim. Immer mehr Gewerbebetriebe wandern aus Nabern ab. Der Ortsteil bietet keine Flächen für Erweiterungen mehr. Deshalb setzen Kleinunternehmer und Ortschaftsrat jetzt auf ein neues kleines Gewerbegebiet. Die Fläche dafür liegt neben dem Edeka-Markt an der Durchgangsstraße mit Richtung zur Teck. Genau das ist das Prob­lem. Die Landschaft um Nabern steht gemäß Regionalplan unter besonderem Schutz, zudem müsste erst der Flächennutzungsplan geändert werden. Um die Möglichkeit einer Erweiterung im „Haken“ formal abzuklären, plädierte die Verwaltung für die Einleitung eines Bauleitplanverfahrens. „Lassen Sie uns in die Aufstellung gehen und sehen, was hier überhaupt zu erreichen ist“, meinte Oberbürgermeis­terin Angelika Matt-Heidecker im Ratsrund.

„Nabern hat außerhalb des Industrieparks keine Gewerbeflächen“, umriss Gernot Pohl die Prob­lematik. Im Industriepark selbst sind nur Mieten möglich. Der Stadtplaner legte zwei Erschließungsvarianten vor. Da die Flächen komplett in privater Hand sind, ist zunächst der Kauf beziehungsweise ein Umlegungsverfahren erforderlich.

„Wie müssen das Thema lostreten“, stellte sich Gerwin Harand, SPD-Vertreter aus Nabern, hinter den Verwaltungsvorschlag. Die Abwanderung von Handwerksbetrieben und Kleingewerbe plage den Ort schon lange. Karl-Heinz Schöllkopf von den Grünen setzte andere Schwerpunkte: Die Grünen seien für intelligente Ressourcennutzung beim Thema Baugrund, doch die vorgelegte Lösung sei alles andere als wirtschaftlich. Zudem wachse hier, im direkten Blickfeld der Teckbesucher, immer mehr zusammen, und das sei nicht gut. „Wir haben doch Flächenreserven“, verwies Schöllkopf auf freie Areale auf Kirchheimer Gemarkung und folgerte: „Warum gehen wir auf den braunen Acker, sprich auf die grüne Wiese?“ Michael Holz formulierte die Forderung der Grünen noch eindeutiger: „Wir wollen keine zusätzliche Flächenversiegelung am Fuße der Teck.“

Auch Birgit Müller von der Frauenliste sah einen großen Konflikt und meinte skeptisch: „Nabern ist Kirchheim, aber auch nicht“. Dennoch befürworte die Frauenliste die Prüfung. „Wir sind uns einig: Nabern ist nicht nur ein Teil von Kirchheim“, spann CDU-Mann Helmut Kapp den Faden weiter, indem er die Stimmung in seinem Heimatort Nabern in Worte fasste. Bisher hätten die Betriebe mit den Füßen abgestimmt. Das kleine Areal mit einem Hektar Größe könne genau das bieten, was Handwerker bräuchten: Wohnung und Betrieb unter einem Dach. „Das Verfahren ist notwendig - was rauskommt, müssen wir abwarten“, lautete Kapps Credo.

Auch Hagen Zweifel, Chef der Freien Wähler, zeigte sich des Zusammenpralls wirtschaftlicher und ökologischer Interessen bewusst. Er verwies auf die direkte Nähe des regionalen Grünzugs zum geplanten Gewerbegebiet und die ausgesprochen schöne Lage am Fuße der Teck. Andererseits ermögliche die Ansiedlung örtlicher Firmen in Nabern den Mitarbeitern kurze Wege zur Arbeit, nannte er einen Aspekt, der wiederum der Umwelt zugute kommt.

Mit überwältigender Mehrheit folgte das Gremium dem Vorschlag der Verwaltung, einen Aufstellungsbeschluss für den Plan „Gewerbegebiet Haken“ zu fassen: Vier Gegenstimmen kamen von den Grünen, ihnen standen 30 Ja-Stimmen gegenüber und eine Enthaltung.