24.03.2012 - 02:17 Uhr

Share | | | |

Das Ende einer Ära

Die Firma Herrmann mit Sitz in Kirchheim war einst der größte Spätzle-Produzent der Welt. Seit Samstag stehen dort die Bänder still. Das Spaichinger Unternehmen Seitz, das die Firma 2008 gekauft hat, schließt den Standort. 24 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Antje Dörr
In der Betriebsstätte Herrmann in Ötlingen sind gestern zum letzten Mal Spätzle produziert worden.Foto: Deniz Calagan
In der Betriebsstätte Herrmann in Ötlingen sind gestern zum letzten Mal Spätzle produziert worden.Foto: Deniz Calagan

Kirchheim. Nach 89 Jahren Unternehmensgeschichte ist in der Ötlinger Wielandstraße eine Ära zu Ende gegangen. In der Betriebsstätte der Firma Herrmann, dem einst größten Spätzle-Produzenten der Welt, wurden am Freitag zum letzten Mal original schwäbische Eiernudeln produziert. „Der Standort wird geschlossen“, teilte Franz-Anton Seeburger, Geschäftsführer der Firma Seitz, auf Anfrage mit. Das Unternehmen mit Sitz in Spaichingen hatte die Herrmann GmbH 2008 gekauft.

„Wir bedauern das außerordentlich. Wir haben in das Unternehmen nicht nur sehr viel Geld, sondern auch enorm viel Energie und Herzblut reingesteckt“, sagte Franz-Anton Seeburger. Die allermeisten Mitarbeiter hätten sich sehr engagiert. Allerdings habe sich die Produktion an zwei Standorten, also in Kirchheim und Spaichingen, einfach nicht mehr gelohnt. In Kirchheim waren zuletzt nur noch Spätzle produziert worden. „Die Wettbewerbssituation bei diesem wunderbaren Produkt ist desaströs“, sagte Seeburger. Viele Produkte würden inzwischen in Discountern verkauft. Zudem seien im letzten Jahr zwei Großabnehmer von Spätzle, die über 50 Prozent der Menge abgenommen hatten, abgesprungen.

Die 25 Mitarbeiter, die zuletzt in der Betriebsstätte in Ötlingen arbeiteten, haben bereits Anfang des Jahres betriebsbedingte Kündigungen erhalten. Darunter sind viele mit langer Betriebszugehörigkeit. Die Betriebsversammlung, bei der die Herrmann-Mitarbeiter über die Standortschließung informiert wurden, fand am 16. Januar statt. „Den Mitarbeitern wurde ein Arbeitsplatz in Spaichingen angeboten“, so Franz-Anton Seeburger. Dort werden Nudeln und Teigwaren, von der glutenfreien Nudel bis zum Discount-Produkt, hergestellt. Ein Mitarbeiter habe das Angebot angenommen und gehe nach Spaichingen. Von den 25 Mitarbeitern arbeiteten gestern noch 16 in der Betriebsstätte in Ötlingen. Die anderen haben laut dem Seitz-Geschäftsführer einen neuen Arbeitsplatz gefunden.

Die Traditionsfirma Herrmann war 1923 von Heinrich Herrmann gegründet worden. Unter seinem Sohn, Heinz Herrmann, kam es erstmals zur maschinellen Eierspätzle-Produktion. Peter Herrmann, der das Unternehmen bis 2008 in dritter Generation führte, machte außer mit Spätzle immer wieder mit innovativen Nudelprodukten von sich reden.

Artikel kommentieren
Share | | | |