26.02.2013 - 03:02 Uhr

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Graupner: Massiver Arbeitsplatzabbau droht

Das traditionsreiche Kirchheimer Modellbauunternehmen Graupner wird als Handelsbetrieb mit einer starken Entwicklungsabteilung von einem Investor übernommen, wenn es noch in dieser Woche gelingt, die Belegschaftsstärke von rund 120 Beschäftigten auf 38 Mitarbeiter zu reduzieren.

Richard Umstadt
Nach den Turbulenzen jetzt die Notlandung? Ob der Investor unterschreibt, hängt hauptsächlich vom Personalabbau noch in dieser Woche von rund 120 auf 38 Beschäftigte ab.     Foto: Jean-Luc Jacques

Nach den Turbulenzen jetzt die Notlandung? Ob der Investor unterschreibt, hängt hauptsächlich vom Personalabbau noch in dieser Woche von rund 120 auf 38 Beschäftigte ab.     Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Nach einer Zeit großer Ungewissheit kam gestern Nachmittag bei der Betriebsversammlung für die rund 120 Graupner-Beschäftigten die schreckliche Klarheit: Rund 80 von ihnen verlieren ihren Arbeitsplatz. Insgesamt 38 Mitarbeiter werden ihren Job in der Verwaltung, Entwicklung und im Service behalten. Zusätzlich zehn Beschäftigte können dazuhin noch für ein halbes Jahr in der Lagerverwaltung und Logistik arbeiten. Alle anderen sollen, wie 2011 bereits geschehen, in der Transfergesellschaft „Refugio“ ein halbes Jahr auf einen neuen Arbeitsplatz vorbereitet werden.

Sollte der Personalabbau bis zum Monatsende Februar, also bis Donnerstag, gelingen und die Vertragspartner sich über Modalitäten abschließend einigen können, „dann kann am Freitag der Unternehmenskaufvertrag vom Investor unterschrieben werden“, verkündete Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Bilgery gestern. Den Namen des „ernsthaften Interessenten“ wollte er vor dem Unterschriftstermin nicht nennen. Der bislang unbekannte Investor will jedenfalls den Firmennamen Graupner mit übernehmen.

„Wir sind noch nicht überm Berg. Es müssen noch einige Modalitäten geklärt werden“, sagte der Insolvenzverwalter. Kommt es zur Betriebsübernahme, so wird die Fertigung geschlossen und die Logistik ausgelagert. „Die Lagerhaltung so vieler Teile ist sehr sensibel. Das muss funktionieren“, so der Rechtsanwalt.

Das Sanierungskonzept sieht vor, Graupner zu einem Handelsbetrieb mit starker Entwicklungsabteilung umzuwandeln. Auf den Service und die Ersatzteilhaltung wird auch künftig großen Wert gelegt. „Da haben wir auch während der Insolvenz keine Abstriche gemacht“, sagte Dr. Bilgery. Alle Bestellungen seien während dieser Zeit bearbeitet worden. Der gute Ruf des bekannten Modellbauunternehmens habe dadurch nicht gelitten und könnte auch in Zukunft erhalten bleiben, war sich der Insolvenzverwalter sicher.

Ziemlich genau vor zwei Jahren brachten die Entwicklungen auf dem globalen Markt das schwäbische Traditionsunternehmen das erste Mal in seiner über 80-jährigen Firmengeschichte in heftige Turbulenzen. Betriebsbedingte Kündigungen waren die Folge. Die Belegschaft wurde von 165 auf 120 Mitarbeiter verringert.

Offensichtlich brachte dieser harte Schnitt nicht den erhofften Erfolg, denn Ende vergangenen Jahres beantragte Graupner beim Esslinger Amtsgericht ein Schutzschirmverfahren. Ziel war die Neustrukturierung des Unternehmens. Dies konnte jedoch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens Mitte Februar nicht aufhalten. Jetzt wird der Investor, sollte es zur Unterschrift kommen, die Modellbaufirma neu strukturieren. Zum zweiten Mal verlieren Mitarbeiter in dem Kirchheimer Familienunternehmen ihre Arbeitsplätze. Insgesamt rund doppelt so viele wie im Februar 2011.

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