17.04.2013 - 02:02 Uhr

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Werkrealschulen immer unbeliebter

Im Sommer beginnt das zweite Schuljahr ohne verbindliche Grundschulempfehlung. Eltern haben also die freie Wahl, ob sie ihr Kind auf die Haupt- beziehungsweise Werkrealschule, die Realschule oder aufs Gymnasium schicken. Der Trend, der sich landesweit abzeichnet, ist auch in Kirchheim erkennbar: Den Werkrealschulen laufen weiter die Schüler davon.

Antje Dörr
Von Existenzängsten wie sie die Werkrealschulen plagen, bleiben Gymnasien wie das LUG verschont. Foto: Jean-Luc Jacques
Von Existenzängsten wie sie die Werkrealschulen plagen, bleiben Gymnasien wie das LUG verschont. Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Die Anmeldezahlen zeigen deutlich, dass die Haupt- und Werkrealschulen bei Eltern und Schülern weiter an Beliebtheit verlieren. Laut Gerhard Gertitschke sind bei der Werkrealschule Alleenschule nur noch 19 Anmeldungen eingegangen. Im aktuellen Schuljahr werden dort immerhin noch 34 Fünftklässler unterrichtet. „Da ist sicher noch etwas Luft nach oben drin“, sagt der Leiter des Amts für Bildung, Kultur und Sport. An der Werkrealschule Raunerschule geht es etwas weniger steil bergab, wenn auch das Ausgangsniveau niedriger ist: 20 Fünftklässler werden dort aktuell unterrichtet, im kommenden Schuljahr werden es 17 sein. Somit bleibt die Raunerschule einzügig.

Auch bei der Raunerschule könnten noch ein paar Schüler hinzukommen, denn an der Werkrealschule Jesingen wird laut Gerhard Gertitschke voraussichtlich keine fünfte Klasse mehr zustande kommen. Die 13 Fünftklässler, die dort aktuell die Schulbank drücken, werden schon heute klassenübergreifend mit den Sechsern unterrichtet, weil die Schülerzahl für eine eigene Klasse nicht mehr ausreicht. Aktuell liegen an der Werkrealschule Jesingen nur noch sieben Anmeldungen vor. Eine jahrgangsgemischte Gruppe wird es vo­raussichtlich nicht mehr geben, denn laut Schulamtschef Dr. Günter Klein dürfen solche Gruppen nach dem Willen des Kultusministeriums nur noch eingerichtet werden, wenn es keine Alternative gibt. „Unser Anliegen ist es, nach stabilen und pädagogisch sinnvollen Lösungen zu suchen, sodass die Kinder bis zur Prüfung durchlaufen können“, so der Leiter des Staatlichen Schulamts. Kombinierte Klassen sind nach seiner Ansicht „keine Lösung, sondern ein Herauszögern“ und würden nur noch in Ausnahmefällen genehmigt. „Wir werden in Jesingen auf Schulträger und Schulleiter zugehen, um auch gemeinsam mit den Elternvertretern nach einer Lösung zu suchen“, kündigt Günter Klein an.

An der innerstädtischen Freihof-Realschule ist das Bild ein völlig anderes. 87 Fünfklässler werden dort aktuell unterrichtet. Im kommenden Schuljahr werden es sogar noch mehr sein: 104 haben sich angemeldet. Damit können drei Klassen gebildet werden. „Mehr Schüler könnten wir allerdings nicht unterbringen“, sagt Gerhard Gertitschke. An der Teck-Realschule geht der Trend genau in die andere Richtung. Während momentan 73 Fünftklässler die Schulbank drücken, werden es im kommenden Jahr voraussichtlich noch 41 sein. Damit wird die Teck-Realschule zweizügig. „Das hat mit der baulichen Situation zu tun“, spielt Gerhard Gertitschke auf den maroden Zustand des Gebäudes an. Es werde Zeit, dass eine Entscheidung gefällt werde, was mit der Schule passieren soll.

Für Gerhard Gertitschke ist klar: „Wir brauchen keine sechs Standorte für Werk- und Realschulen mehr“. In dieser Ansicht fühlt er sich durch die aktuellen Schülerzahlen bestätigt. Aktuell gebe es an den fünf Standorten – die Eduard-Mörike-Schule in Ötlingen wird nicht mitgerechnet, weil sie keine Fünftklässler mehr aufnimmt – 188 Schüler. Wenn man ein wenig Puffer einrechne und von 200 Schülern ausgehe, die in Klassen zu je 25 beschult werden, brauche man acht Züge. „Wir haben im Moment baulich neun Züge an sechs Standorten“, sagt Gerhard Gertitschke. Deshalb können seiner Meinung nach zwei Standorte auslaufen.

Von solchen Problemen bleiben die Gymnasien unberührt. Insgesamt haben sich am Schloss- und am Ludwig-Uhland-Gymnasium (LUG) 302 Schüler angemeldet, das ist einer weniger als im vergangenen Schuljahr. Nur die Verteilung ändert sich. Am LUG werden ab kommendem Schuljahr 161 Fünftklässler unterrichtet, aktuell sind es 200. Am Schlossgymnasium sind es aktuell nur 103 Schüler, nächstes Jahr werden es 141 sein. Beide Gymnasium können also fünf fünfte Klassen bilden. Dass die Schüler sich besser auf die Gymnasien verteilen, ist im Interesse der Stadt Kirchheim. „Auf diese Weise sind die Lernbedingungen viel besser“, sagt Gerhard Gertitschke.

Gemeinschaftsschulen im Landkreis sind stark nachgefragt

An der Gemeinschaftsschule Deizisau starten im kommenden Schuljahr zwei fünfte Klassen mit insgesamt 46 Schülern. An der Seewiesenschule in Esslingen beginnen nach den Sommerferien 41 Schüler und an der Ludwig-Uhland-Schule in Wendlingen wurden sogar 52 Schüler angemeldet. „Es freut uns für die Schulen und Schulträger, dass so viele Eltern vom besonderen pädagogischen Angebot der Gemeinschaftsschule überzeugt sind und damit eine stabile Zweizügigkeit sicherstellen“, so der Leitende Schulamtsdirektor Dr. Günter Klein. Für die Genehmigung war neben den pädagogischen Voraussetzungen vor allem auch eine ausreichende Schülerzahl ausschlaggebend.

Das Unterrichtskonzept der Gemeinschaftsschule bietet die Bildungsstandards des Gymnasiums, der Realschule und der Hauptschule an. „Ich bin mir sicher, dass die pädagogische Qualität an den drei Gemeinschaftsschulen das Vertrauen der Eltern rechtfertigt und immer mehr Eltern von den Chancen, die sie dem einzelnen Kind eröffnet, überzeugen wird“, betont der Schulamtschef. Die neuen Standorte der Gemeinschaftsschule im Landkreis können auch anderen Schulen, die sich auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule befinden, Anregung und Anschauung bieten. „Unser Ziel ist es, die Schulen eng miteinander zu vernetzen und die Entwicklung einer veränderten Lernkultur zu unterstützen.“pm

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