Lokales

Abschied von einem Glücksfall

Nach fünf Jahren in Ohmden wechselt Pfarrer Dirk Schmidt nach Oberlenningen und tritt dort eine volle Stelle an

Wenn in einem Gottesdienst die Gesangbücher nicht ausreichen, ist das ein gutes Zeichen. Genau das geschah bei der Verabschiedung von Pfarrer Dirk Schmidt in der Pfarrkirche Sankt Cosmas und Damian in Ohmden. Jeder konnte spüren, wie sehr der Tischler aus Bad Salzuflen im schwäbischen Dorf verwurzelt war.

Bei der Verabschiedung von Pfarrer Dirk Schmidt in Ohmden gab es Abschiedslieder und -worte der Liederlust Ohmden.Foto: Peter Di
Bei der Verabschiedung von Pfarrer Dirk Schmidt in Ohmden gab es Abschiedslieder und -worte der Liederlust Ohmden.Foto: Peter Dietrich

Ohmden. Vor fünf Jahren brauchten die Ohmdener einen neuen evangelischen Pfarrer. Sie bekamen einen, der zu dieser Zeit noch gar kein Pfarrer war. Dirk Schmidt war zuvor kirchlicher Jugendreferent, kam zuerst als Pfarrverweser im „pfarramtlichen Hilfsdienst“ ins Dorf. Nach Abschluss seiner berufsbegleitenden Ausbildung wurde er im Jahr 2011 ordiniert. Inzwischen wissen die Ohmdener, was sie damals für einen guten Fang gemacht hatten: Sie erhielten einen offenherzigen Pfarrer, der gerne auf Menschen zugeht, der das Wohl der ganzen Gemeinde im Blick hat und zudem auch noch praktisch begabt ist. Obendrein kamen mit seiner Frau Carmen, Tochter Lilith und Sohn Silas drei weitere Leute mit ihm nach Ohmden, die sich ebenfalls in der kirchlichen Arbeit engagierten.

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„Pfarrer Schmidt war für unser Dorf ein reiner Glücksfall“, sagte Bürgermeister Martin Funk. Mit ihm verliere der Ort nicht nur einen guten Pfarrer, sondern auch einen Grundschullehrer und guten Nachbarn. Funk bedauerte, dass Ohmden ihn nicht einmal „die biblischen sieben fetten Jahre“ habe behalten dürfen.

Wenn sich alle so mögen und miteinander etwas erreichen, warum geht Schmidt dann nach fünf Jahren schon wieder weg? Die Antwort ist einfach: Ohmden verfügt nur über eine 75-prozentige Pfarrstelle. Der Familienvater hatte sich eineinhalb Jahre lang vergeblich um eine Aufstockung bemüht. So entschied er sich schließlich zum Wechsel. Die gute Nachricht: Er bleibt im Kirchenbezirk Kirchheim und damit diesem als Bezirksjugendpfarrer erhalten. Schmidt tritt in Oberlenningen die Nachfolge von Pfarrer Karlheinz Graf an. Die Vertretung in Ohmden übernimmt vorläufig Andreas Taut, Pfarrer in Holzmaden. Er schenkte seinem Amtsbruder ein Außenthermometer: „Damit du weißt, ob du den Kittel, den es an der Alb kälter ist, brauchst.“ Durch den Wechsel werden die Ohmdener frühzeitig vom Pfarrplan 2018 erwischt, ihre Stelle wird nur zu 50 Prozent neu besetzt. Die Ausschreibung findet erst nach der Kirchenwahl am 1. Dezember statt.

In seiner Abschiedspredigt zum Propheten Micha zeigte Schmidt noch einmal, wie gut verständlich er biblische Inhalte auf die heutige Zeit beziehen kann. Micha hatte kritisiert, dass Menschen mit ihren großspurigen Opfern zu Gott kamen, um anschließend zu Hause das gleiche ungerechte Spiel wie zuvor zu treiben. Schmidt forderte auf, Missstände beim Namen zu nennen, dies gerne so übertrieben und zugespitzt wie die Kabarettisten zu tun. Als zweiten Schritt gelte es, umzukehren und es anders zu machen.

Schuldekanin Dorothee Moser beschrieb Schmidt als „pfiffigen Pfarrer mit neuen Ideen“. Er probiere gerne neue Dinge aus, verbinde dies aber mit Respekt vor der Tradition.

Der knapp dreistündige Abschied wurde von der Liederlust Ohmden und dem Musikverein musikalisch gestaltet. Geistliches und weltliches Liedgut standen einträchtig beieinander. Zwischen Gottesdienst und zweitem Teil gab es einen Ständerling im Freien.

Geschenke gingen bei der Feier einige hin und her: Bürgermeister Funk hatte ein Bild und eine gravierte Glasschale dabei, beide mit Ohmdener Motiven. Der Kirchengemeinderatsvorsitzende Bernd-Ulrich Barner übereichte Schmidt ein Fotobuch mit Bildern der vergangenen fünf Jahre.

Der scheidende Pfarrer hatte allen Kirchengemeinderäten und Mitarbeitern sowie seiner „besten Mesnerin der Welt“ eine Brotbackmischung mitgebracht. Er bedankte sich bei den Ohmdenern: „Ich bin Ihnen unendlich dankbar für diese fünf Jahre.“ Dann hatte er noch einen Rat an die Dorfgemeinschaft: Sie sollte unbedingt an ihrem guten Miteinander festhalten, auch zwischen Jung und Alt. Bei allen Unterschieden sollten sich die Ohmdener ihre Gemeinsamkeit niemals von irgendwelchem Geplänkel, wer denn wohl der Reichere oder Schönere sei, wegnehmen lassen.