Lokales

Abwägung von Kritik und großen Zielen

Infoveranstaltung zu Windkraft in Wendlingen

Im ersten Beteiligungsverfahren für die Ausweisung von Windkraftstandorten in der Region ist bei den Gebieten so manches in Bewegung gekommen. Eines aber ist unverändert, wie eine Infoveranstaltung des Regionalverbands in Wendlingen zeigte: Dort, wo Windräder gebaut werden könnten, regt sich Widerspruch, es gibt aber auch Zustimmung.

Anzeige

Wendlingen. 18 der 96 vorgeschlagenen Vorranggebiete sind herausgefallen, elf wurden stark geändert, berichtete Thomas Kiwitt, Planungsdirektor des Regionalverbands, in einer Infoveranstaltung in Wendlingen. Es sind auch neue dazugekommen. Das zweite Beteiligungsverfahren, in dem es um 84 Vorranggebiete geht, werde „noch zu einer deutlichen Reduzierung führen“, meinte Kiwitt. Im Albvorland lägen mehrere Standorte in Vogelschutzgebieten – und der Artenschutz könne Windrädern entgegenstehen. Hier stünden Daten der Fachbehörden aus. Die Flugsicherung habe sich noch nicht klar geäußert, deren Aussagen könnten ebenfalls dazu führen, dass Standorte wegfallen.

Der Chefplaner der Region versuchte im großen Saal des Treffpunkts Stadtmitte, in dem viele Stühle leer blieben, die Notwendigkeit der Planung zu erklären. Er verwies auf das Planungsrecht, das es Investoren erlaube, überall dort zu bauen, wo die gesetzlichen Vorgaben wie Lärm- und Artenschutz eingehalten werden. Der Regionalverband wolle „Zufallsstandorte“ vermeiden. Aber Windräder in der Region prinzipiell abzulehnen, habe vor Gericht keinen Bestand, stellte er klar. Eine Steuerungsmöglichkeit erhalte der Regionalverband nur mit einer positiven Planung, „das heißt, wir müssen Vorranggebiete ausweisen“.

Windräder sollen „nicht einzeln an jeder Ecke“ aufgestellt werden dürfen, sondern gebündelt werden, erklärte Kiwitt. Die engen Verhältnisse ließen aber nur kleinere Gruppen mit maximal fünf Anlagen zu. Zwischen den Gruppen solle es einen Abstand von mindestens drei Kilometern geben. Das Verfahren, das die Region wähle, ermögliche es, das Kriterium Landschaftsbild einzuführen, „das im gesetzlichen Genehmigungsverfahren keine Rolle spielen würde“. So sollen im Regionalplan Windräder an der Burg Teck und am Hohenneuffen ausgeschlossen werden. Allerdings könne der Regionalverband nur einen Rahmen setzen. Details wie die Einhaltung des Lärm- und Artenschutzes oder Schattenwurf müssten im konkreten Genehmigungsverfahren geklärt werden. In den Vorranggebieten sei für Windräder ein Mindestabstand von 700 Metern zur Wohnbebauung vorgesehen, das sei aber nur ein Richtwert, sagte Kiwitt. Der tatsächliche Abstand hänge vom Lärm ab. Die Obergrenze liege bei 35 Dezibel nachts. Die Einhaltung müsse der Betreiber mit einem Gutachten nachweisen.

Ob sich eine Anlage mit einer Nabenhöhe von 140 bis 150 Metern, die etwa fünf Millionen Euro koste, tatsächlich rentiere, müsse der Investor nachweisen. Um die Wirtschaftlichkeit zu ermitteln, sei ein aufwendiges Verfahren nötig, in dem unter anderem ein Jahr lang die Windstärke gemessen werde. Zweifel, ob die im Windatlas als Mindestanforderung festgelegte Windstärke von 5,3 Meter pro Sekunde in 100 Metern Höhe für einen wirtschaftlichen Betrieb reichen, wollte Kiwitt nicht kommentieren. Er wies aber darauf hin, dass manche Betreiber einen stärkeren Wind für nötig hielten. In Freiburg seien unwirtschaftliche Anlagen wieder abgebaut worden.

Der Chefplaner sagte, dass die dicht besiedelte Region mit ihrer hohen Wirtschaftsleistung nie ihren gesamten Energiebedarf selbst decken könne. „Wir brauchen hier die Solidarität ländlicher Räume.“ Das Sankt-Florians-Prinzip dürfe aber bei Windrädern nicht gelten. Die Region müsse selbst einen Anteil leisten, betonte Thomas Kiwitt. Er sagte den Anwesenden zu, dass jede Stellungnahme in der Abwägung für einen Standort berücksichtigt werde. Den Einwänden stünden allerdings Ziele wie der Atomausstieg und Klimaschutz entgegen.

Mehrere Wendlinger kritisierten, dass ein Waldstück in der Nähe der Autobahn, das in einem wichtigen Naherholungsgebiet liege, neu als Vorranggebiet ausgewiesen wurde. Beifall gab es jedoch auch für Wendlingens Bürgermeister Steffen Weigel, der erklärte, er könne sich dort Windräder unter bestimmten Voraussetzungen vorstellen.