Lokales

An der Krone geht es künftig rund

In der „Ampelstadt Kirchheim“ hat man sich zu einem neuen Kreisverkehr am Alleenring durchgerungen

Kirchheim tut sich schwer mit Kreiseln. Doch jetzt kommt zum Aldi-Kreisel und zum Mini-Kreisel am Schweinemarkt ein dritter hinzu: der „Krone-Kreisel“. Das bedeutet das Aus für die Ampelkreuzung an der ehemaligen Gaststätte Krone in Kirchheim. Der Verkehr rund um den Alleenring wird neu organisiert.

Vor der ¿Krone¿, später ¿MegaFunCenter¿,  wird der Verkehr derzeit durch Ampeln geregelt. Diese sollen bald durch einen Kreisel
Vor der ¿Krone¿, später ¿MegaFunCenter¿, wird der Verkehr derzeit durch Ampeln geregelt. Diese sollen bald durch einen Kreisel ersetzt werden. Dann kann auch links vor der ¿Krone¿ in die Alleenstraße abgebogen werden. Außerdem wird das Einfahren aus der Gaisgasse von rechts einfacher. Dort gibt es momentan keine Ampel. Unklar ist noch die Zukunft des schmalen Bypasses oben bei den Bäumen vor dem Schloss.Foto: Jörg Bächle

Kirchheim. Das Votum pro Krone-Kreisel im Technischen Ausschuss fiel nach hitziger Diskussion knapp aus. Gegen den Kreisverkehr gibt es nämlich viele Bedenken – planerischer und finanzieller Natur.

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Bürgermeister Riemer bezeichnete den Kreisel als Einstieg in die Reduzierung der Ampelanlagen. Der Verkehr soll besser fließen. Die derzeitige Ampelkreuzung weist nämlich einige Nachteile auf. Hier treffen Gaisgasse, Alleenstraße und Jahnstraße aufeinander. Wer aus Richtung Bahnhof, also von der Jahnstraße, auf die Alleenstraße zufährt, kann beispielsweise vor der Krone nicht nach links abbiegen. Das gilt auch für Radler. Zudem ist die Kreuzung verkehrsrechtlich bedenklich im Hinblick auf die Einfahrt von der völlig ampellosen Gaisgasse.

Diese Haken werden beseitigt: Künftig sollen Verkehrsteilnehmer über den Kreisel in beide Richtungen in den Alleenring einfahren können. Geschäftskreisleiter Martin Zimmert führte aus, dass zudem großräumig bessere Busstrecken über die Hahnweidstraße möglich sind, sodass die Schülestraße entlastet wird. Komplett geändert werden könnte auch die Verkehrsführung in der Tangente an der Schlossmauer hinter der Krone, die als Einbahnstraße mit Parkplätzen genutzt wird. Hier plant die Verwaltung eine Einbahnstraßennutzung in umgekehrter Richtung und eine Reduzierung der Parkplätze.

CDU-Mann Dr. Thilo Rose bezeichnete die Planung für den Teilbereich als schlüssig. Allerdings sollte man zuerst das geplante integrierte Verkehrskonzept kennen. „Was sagt Herr Richard dazu?“ fragte auch Karl-Heinz Schöllkopf von den Grünen nach dem Verkehrsexperten. Bei aller Sympathie für Kreisverkehre müsse der Kreisel einen Mehrwert bringen. Im vorliegenden Fall werde aber die Situation für Fußgänger sogar schlechter. Die Grünen plädierten daher für eine zeitliche Verschiebung des Projekts. Bauchschmerzen verspürte Ulrich Kübler (Freie Wähler) angesichts der Kosten für den Kreisel in Höhe von mindestens einer Dreiviertelmillion Euro. Er gab zu bedenken, dass im Alleenring kein Verkehrsprob­lem mehr existiere, seit die Untere Max-Eyth-Straße Fußgängerzone ist. Deshalb regte er an, einfach an der jetzigen Ampelkreuzung eine weitere Abbiegespur zu schaffen, sodass nach links in den Alleenring eingefahren werden könne. Dass der Bypass am Schloss künftig nur über eine Linksabbiegespur zu erreichen sein soll, stieß den Freien Wählern zudem sauer auf.

Selten so etwas Widersprüchliches gesehen zu haben, merkte Albert Kahle (FDP/Kibü) an. Er hatte 350  Unterschriften gesammelt, um einen zweijährigen Probelauf für einen Einbahnverkehr um den Alleenring entgegen dem Uhrzeigersinn zu erwirken. Dieses Ansinnen verfolgt er schon länger. Seiner Meinung nach haben sich jetzt die Voraussetzungen dafür verbessert, denn die Kosten für den geplanten Krone-Kreisel seien längst nicht mehr vertretbar. Kahle bezweifelte zudem dessen entlastende Funktion, wobei er sich auf die Verkehrskommission berief. Geradezu unverantwortlich sei die Behandlung des Lkw-Verkehrs in der kleinen Gaisgasse und die hinderliche Linksabbiegespur in den Bypass. Kahle beantragte die Zurückstellung des Kreisels. Stattdessen solle eine ökologische Untersuchung den jetzigen Zustand mit der Situation bei dem geplanten Kreisverkehr und auch einem Einrichtungsverkehr auf dem Alleenring vergleichen. Kriterien sind Umweltbelastung, Lärm und Gefährdung durch Unfallpotenzial. Kahle taktete ein paar Jahre zurück und führte an, das Büro Kölz habe damals schon dargestellt, dass ein großer Einbahnverkehr um den Alleenring funktioniere. Für das Vorhaben sei damals kein Geld da gewesen.

Bürgermeister Riemer merkte an, dass das Büro Kölz seinerzeit bestätigt hatte, ein Einrichtungsverkehr auf dem Alleenring sei möglich. Allerdings seien dazu Investitionen im mindestens sechsstelligen Bereich nötig. Auch ein kostenneutraler Probelauf sei unmöglich. Stadtplaner Pohl ergänzte, dass ein Einrichtungsverkehr zu mehr Verkehr auf dem gesamten Ring führe, weil man Teilstücke nur noch in einer Richtung nutzen könne. Mehr Kilometer verursachten wiederum mehr Lärm und mehr Schadstoffe. Pohl verteidigte die geplante Linksabbiegespur in den Bypass, denn sie verlangsame den Verkehr in dieser künftigen 30-Kilometer-Zone zusätzlich.

Umstritten war nicht nur die Einfahrt in den Bypass, sondern auch die Frage nach den dortigen Parkplätzen. Eva Frohnmeyer-Carey von der Frauenliste forderte mehr Grün an der Schlossmauer und sähe den Bypass am liebsten ganz ohne Autos, aber auf jeden Fall ohne Parkplätze. Dagegen sprach sich Jochen Nägele vom City Ring, der dem Gremium als sachkundiger Bürger beiwohnte, für den Erhalt vieler Parkplätze für die Einkaufsstadt Kirchheim aus.

Auch für Mathias Waggershauser (CDU) war dieser Aspekt wichtig. Er unterstrich außerdem die Ansicht, ein Kreisel an der „Krone“ werde den Verkehr verflüssigen. Generell seien mehrere einzelne Kreisel sinnvoller als ein großer Einbahnverkehr, da der Verkehr ruhiger werde. Für die SPD stellte sich Hans Gregor hinter die Kreisel-Planung.

Der Bypass wurde nicht Gegenstand der Abstimmung. Die Verwaltung will dieses Thema neu aufarbeiten.

 

1. Antrag FDP/KiBü

Inhalt: Krone-Kreisverkehr jetzt nicht bauen. Stattdessen ökologische Untersuchung über Umweltbelastungen anhand von Verkehrszahlen, Lärmbelastung, Schadstoffausstoß und Gefährdung sowie Unfallhäufigkeit im Vergleich des Jetzt-Zustandes mit einem möglichen Krone-Kreisverkehr und einem Einrichtungsverkehr gegen Uhrzeigersinn auf Alleenring. Zudem kostenneutraler Probelauf des Einrichtungsverkehrs für zwei Jahre.

Ergebnis: Zwölf Nein, zwei Ja, vier Enthaltungen und somit keine Mehrheit.

2. Antrag Die Grünen

Inhalt: Zunächst wie obiger Antrag, aber ohne Einbahnverkehr. Also: Krone-Kreisel jetzt nicht bauen und obige Untersuchung anstellen.

Ergebnis: Bei acht Ja und zehn Nein keine Mehrheit.

3. Antrag Frauenliste

Inhalt: Verzicht auf Parkplätze im Bypass zwischen Schloss und Krone.

Ergebnis: Bei sieben Ja, zehn Nein und einer Enthaltung keine Mehrheit.

4. Antrag der Verwaltung

Inhalt: Zustimmung zur Krone-Kreiselplanung und Freigabe der Ausschreibung in Abhängigkeit der Bereitstellung der Mittel durch den Gemeinderat.

Ergebnis: Mehrheit mit neun Ja, sieben Nein, zwei Enthaltungen.