Lokales

„Attraktives medizinisches Konzept“

Gesamtpsychiatrie im Krankenhaus Kirchheim – Nachfolgenutzung für Plochinger Klinik

Die Gesamtpsychiatrie wird der Landkreis Esslingen künftig an einem einzigen Standort unterbringen – am Klinikum Kirchheim. In einer Pressekonferenz haben gestern Landrat Heinz Eininger, Kliniken-Geschäftsführer Thomas A. Kräh und der neue Chefarzt der Psychiatrie, Dr. Christian Jacob, die wirtschaftlichen und medizinischen Vorteile herausgestellt.

Kirchheim. Die jahrelangen Spekulationen sind passé, das Modell 3 a der Gutachter von Ernst & Young und CMK vom Januar ist vom Tisch. „Unser Vorschlag heißt 3 b – und das b steht für besser“, freute sich selbstbewusst der Geschäftsführer der Kreiskliniken, Thomas A. Kräh. Zwar sei die Umsetzung des Gesamtkonzepts vom Invest teurer als die Variante 3 a, wie Landrat Heinz Eininger erläuterte. Doch im Betrieb sei sie wirtschaftlicher und reamortisiere dadurch die höheren Kosten innerhalb von nur zwei Jahren. Durch die jetzige Lösung könnten jährlich 2,37 Millionen Euro beim laufenden Betrieb eingespart werden, so Landrat Eininger.

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Das neue Gesamtkonzept inte­griert nicht nur die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Kirchheim und ist damit direkt an das Akutkrankenhaus angebunden. Es tun sich auch in Plochingen neue Wege auf. Dort bekundeten private Träger Interesse an einer psychiatrischen Reha-Einrichtung. Das bedeutet für Psychiatriepatienten, dass eine Nachsorge der Behandlung gegeben ist. Dazu sind in Plochingen 100 Betten vorgesehen. In den Funktionstrakt der Plochinger Klinik sollen Facharztpraxen einziehen und im Untergeschoss eine Gerontopsychiatrische Tagesklinik un­ter der Regie der Kreiskliniken eingerichtet werden. Wie der Landrat sagte, wird bei den Mietverträgen von einer Laufzeit von 15 Jahren ausgegangen.

Landrat Heinz Eininger wertete das Ergebnis einer Projektgruppe aus Fachleuten der Kreiskliniken, des Klinikums Esslingen und Externen, die die Fusion vorbereitet, als „attraktives medizinisches Konzept“, das die psychiatrische und medizinische Versorgung optimal vernetzt und auf die Zukunft ausrichtet. „Es nützt dem gesamten Klinikverbund und wurde von den Esslinger Kollegen und den politisch Verantwortlichen im Kreistag sehr beifällig aufgenommen“, sagte der Landrat. Die Projektgruppe hatte den Auftrag, im Hinblick auf eine Fusion von Kreiskliniken und Städtischem Klinikum Esslingen das künftige Psychiatriekonzept für ein mögliches gemeinsames Unternehmen zu erarbeiten.

Die qualitativen und wirtschaftlichen Vorteile unterstrich ebenso Geschäftsführer Thomas A. Kräh: „Die psychiatrische Rehabilitation fehlt bisher in der medizinischen Versorgung im Landkreis. Insbesondere vor dem Hintergrund der vom Gesetzgeber geplanten Einführung des pauschalierten Entgeltsystems für Psy­chiatrie und Psychotherapie, der sogenannten PEPPs, gewinnt ein solches Angebot an Stellenwert.“ Denn mit dem zum 1. Januar 2015 in Kraft tretenden pauschalierten Entgeltsystem sei auch in der Psychiatrie von kürzeren Verweildauern im stationären Bereich auszugehen. Dann müsse die Behandlungskette von anderen Einrichtungen wie etwa der psychiatrischen Reha gewährleistet werden, „um einen Drehtüreffekt zu vermeiden und den Behandlungserfolg dauerhaft zu sichern“. Zurzeit sei eine Verweildauer der Patienten in der Psychiatrie von 24 bis 25 Tagen die Regel. Mit dem PEPP verfolge der Gesetzgeber das Ziel, diese Zeit auf unter 20 Tage zu reduzieren.

Durch die jetzt vorliegende Lösung für die Psychiatrie im Landkreis sah der Geschäftsführer der Kreiskliniken die Krankenhausgesellschaft und das Klinikum Kirchheim gestärkt. Um das Konzept umzusetzen, wurde der in einem ersten Schritt im Zuge der Strukturdiskussion im Herbst 2011 verhängte Baustopp am Klinikstandort Kirchheim aufgehoben. Das schafft die Voraussetzungen für den Umzug der 66 psychiatrischen Betten aus Plochingen in die Teckstadt im dritten Quartal 2014. Ende 2016 hofft der Geschäftsführer auch die Patienten aus dem Altbau der Psychiatrie in der Nürtinger Stuttgarter Straße (121 Betten) in Kirchheim begrüßen zu können. Bis dahin soll der Anbau im Patientengarten fertig gestellt sein.

Mit einer Investition in Höhe von 16,5 Millionen Euro stehen in der Klinik Kirchheim dann alle Betten für eine Gesamtpsychiatrie zur Verfügung. Wäre die Psychiatrie in Plochingen konzentriert worden, wie dies die Gutachter im Modell 3 a vorsahen, so hätten die Kliniken dafür knapp 13 Millionen Euro investieren müssen. „Die Experten weisen nach, dass der Mehraufwand im Invest von rund 3,5 Millionen Euro durch die erheblichen Kostenvorteile im Betrieb schon nach kurzer Zeit refinanziert ist“, erklärte Geschäftsführer Kräh.

In Kirchheim wird konsequent das konservative Profil der Klinik erweitert. Nürtingen wird zum operativen Schwerpunkt des Klinikums. Deshalb werden in einer Art Rochade das Zent­rum für Wirbelsäulenchirurgie mit Chefarzt Dr. med. Stefan Zeisberger und die Allgemein- und Viszeralchirurgie mit Chefarzt Dr. med. Klaus Kraft von Kirchheim nach Nürtingen verlegt. Im Gegenzug ziehen HNO und ambulantes Operieren von Nürtingen nach Kirchheim. Die Klinik für Unfall- und Orthopädische Chirurgie mit Chefarzt Dr. Florian Popp, die Kardiologie mit Chefarzt Dr. med. Martin Beyer, die Rheumatologie und Schlaganfallversorgung mit Chefarzt Prof. Dr. med. Bernhard Hellmich sowie die zentrale Notaufnahme bleiben in vollem Umfang in der Klinik Kirchheim erhalten.

Patienten in Gesamtbezügen sehen zu können ist für den neuen Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Dr. Christian Jacob, wesentlich. Deshalb begrüßte er die Weiterentwicklung des Psychiatriekonzeptes, an der er in den letzten Monaten ebenfalls beteiligt war. Die räumliche Nähe zur Somatik habe viele Pluspunkte. „Zum einen wird die Sonderstellung der Psychiatrie in einem allgemeinen Krankenhaus aufgehoben. Zum anderen führt die räumliche Anbindung zu einer inhaltlichen und zeitlichen Koordination.“ Sehr vorteilhaft sei auch eine Anschlussheilbehandlung bei einem privaten Reha-Träger. Gemeinsam mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Klinik Esslingen und einer Nachsorgeeinrichtung in Plochingen werde künftig der Markt optimal abgedeckt.