Lokales

Dauerhafte Impulse für Politik und Kultur in Kirchheim

Nachruf auf den langjährigen SPD-Stadtrat und unermüdlichen Kirchenmusik-Förderer Karl-Otto Alpers

Am Donnerstag ist Karl-Otto Alpers im Alter von 75 Jahren gestorben. Auf vielfache Weise hatte der renommierte Kirchheimer Rechtsanwalt das politische wie das kulturelle Leben der Stadt bereichert.

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Kirchheim. 28 Jahre lang war Karl-Otto Alpers Mitglied des Kirchheimer Gemeinderats, von 1971 bis 1999. Insgesamt sieben Jahre lang vertrat er die Interessen „seiner“ SPD außerdem im Kreistag: von 1971 bis 1973 sowie von 1979 bis 1984. Die Kirchheimer SPD verabschiedet sich von ihm als einem der „führenden Köpfe der SPD im Landkreis Esslingen“.

Karl-Otto Alpers war im besten Sinne unkonventionell. Bei seiner Verabschiedung aus dem Kirchheimer Gemeinderat vor 14 Jahren bescheinigte ihm der damalige Oberbürgermeister Peter Jakob „Klugheit, Weitblick und Augenmaß“. Vor allem aber habe er „nicht unbedingt nach Populärem geschielt, sondern die Überzeugung vertreten, dass der Bürger die Wahrheit verträgt“. Dabei war von „standhaften Auftritten“ ebenso die Rede wie von „hohem Pflichtbewusstsein und hohem Anspruch des Dienens an dieser Stadt“. Der Arbeit von Archiv, Kulturring, Museum und Bücherei habe Karl-Otto Alpers „ganz wesentliche und dauerhafte Impulse gegeben“. So steht es im entsprechenden Zeitungsartikel vom 23. April 1999.

Nicht verwunderlich war es bei Karl-Otto Alpers, dass er damals das viele Lob selbst relativierte. Den erfolgreichen Zeiten stünden auch Niederlagen gegenüber, meinte er und erinnerte dabei an Bürgerentscheide, die aus seiner Sicht den falschen Ausgang genommen hatten. Trotz allem aber betonte er im Rückblick auf 28 Jahre Gremientätigkeit, „gerne als Stadtrat gearbeitet zu haben“.

Besondere Verdienste hat sich Karl-Otto Alpers darüber hinaus auch um die Heimatgeschichte erworben sowie um die Orgellandschaft rund um die Teck. Er war bereits aktives Mitglied im früheren „Verein zur Förderung des Orgelausbaus in der Martinskirche“, der den Bau der großen Rensch-Orgel durch zahlreiche Bürgerinitiativen ermöglicht hat.

Nach der Einweihung der Kirchheimer Martinskirchen-Orgel 1981 kam die Umwandlung des Orgelbauvereins in den heutigen „Förderverein Kirchenmusik unter Teck“. Diese Umwandlung war die Idee von Karl-Otto Alpers und bleibt sein Verdienst. Er hat dem Förderverein Kirchenmusik dessen bis heute beispielgebende Ausprägung in Richtung einer gelebten Ökumene gegeben und die Vereinsziele auf die Kirchen und Orgeln des gesamten Kirchheimer Raums ausgeweitet. Die Orgellandschaft unter der Teck weist nicht nur beachtliche historische Orgeln auf, die es zu pflegen gilt, sie wurde in den vergangenen über 30 Jahren auch durch neue Akzente bereichert – bei unübersehbarer Anhebung des Anspruchsniveaus an Orgelneubauten.

Orgelfahrten dienten zunächst dazu, beispielgebende Vorbilder für Neubauten im hiesigen Raum kennenzulernen. Inzwischen führten jährliche Orgelfahrten über Konfessions- und Ländergrenzen hinweg auch in benachbarte europäische Regionen – begleitet von seinem reichhaltigen historischen Wissen. Mit besonderer Begeisterung hat er die Erweiterung der vereinseigenen Truhenorgel zum Claviorganum möglich gemacht – einem Instrument, das in seiner Entstehungsweise und in seinen klanglichen Möglichkeiten eine überregionale Seltenheit darstellt.

In Würdigung seiner mehr als 30-jährigen Verdienste um die Förderung der Kirchenmusik in Kirchheim und Umgebung wurde er am 30. November 2012 in der Jahreshauptversammlung zum Ehrenvorsitzenden des Fördervereins ernannt.

Den Abschluss eines wichtigen Teils seines kirchenmusikalischen Wirkens durfte er allerdings nicht mehr erleben: Im November dieses Jahres wird als Band 36 der Schriftenreihe des Stadtarchivs ein von Ernst Leuze und Wolfgang Znaimer gestaltetes Buch über 52 „Orgeln unter Teck“ erscheinen, dessen Konzeption Karl-Otto Alpers 1994 angeregt und bis zuletzt begleitet hat.vol/rk