Lokales

Die „Goschvoll“ geht in die Luft

Der Nürtinger Thomas Keimel landete mit seinen gefüllten schwäbischen Teigtaschen einen Volltreffer

Als der Nürtinger Thomas Keimel im Sommer 2005 die ersten Versuche mit seinen gefüllten schwäbischen Teigtaschen am heimischen Herd machte, ahnte er nicht, dass seine „Goschvoll“ bald in aller Munde sein würde.

Unter der Bezeichnung ¿Goschvoll¿ hat der Nürtinger Thomas Keimel diese Teigtasche auf den Markt gebracht. Mit verschiedenen Fül
Unter der Bezeichnung ¿Goschvoll¿ hat der Nürtinger Thomas Keimel diese Teigtasche auf den Markt gebracht. Mit verschiedenen Füllungen ist sie bei Caterern sehr gefragt.Fotos: privat

Nürtingen. Von fetttriefenden Pizzen und halb durchgebackenen Flammkuchen hatte der Nürtinger Grafiker Thomas Keimel eines Tages die Nase voll. Da er bei der Suche nach einer wohlschmeckenden und gleichzeitig preisgünstigen Alternative zu Snacks wie Pizza, Pommes und Co. nicht fündig wurde, erfand er vor fünf Jahren die „gefüllte schwäbische Teigtasche“. Wer nun an eine Maultaschenvariante denkt, liegt völlig falsch. Thomas Keimels Vorbild war das bolivianische Nationalgericht „Salteña“, das mit Rind oder Huhn gefüllt und scharf gewürzt ist.

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„Da meine Frau aus Bolivien stammt und ich die köstlichen Salteñas liebe, lag es auf der Hand, ein schwäbisches Pendant zu kreieren“, sagt Thomas Keimel. „Die ersten schwäbischen Salteñas, wurden bei uns in der Küche gerollt, gefüllt und gebacken und dann zum Probieren an Freunde verteilt.“ Das Urteil war einmütig: Diese saftig gefüllten Snacks blieben lange heiß und schmeckten nach mehr. Nach kurzer Zeit konnten sich auch die Gäste des Stuttgarter Weindorfs, regionale Gastronomen, Caterer und Messebesucher davon überzeugen.

Schon bald war es nicht mehr möglich, die nachgefragte Menge der Goschvoll semiprofessionell in der heimischen Küche herzustellen. Deshalb wurde die Produktion an eine benachbarte Sportgaststätte vergeben. Von nun an konnten auch größere Mengen erzeugt werden. „Die ovalen Teigscheiben aus einem salzigen Mürbteig beziehen wir noch heute von einer heimischen Bäckerei, darauf wird die Füllung verteilt und die Tasche von Hand geschlossen“, erklärt Thomas Keimel. „Dann werden die Goschvoll tiefgefroren, um bei Bedarf im Backofen oder in der Fritteuse gebacken zu werden.“

Zeitweise gab es die Taschen in elf Geschmacksrichtungen, darunter Rind, Huhn, Chili con Carne, Spinat-Ricotta, Tomate-Mozzarella, Zwiebelkuchen sowie eine süße Variante, gefüllt mit einer Nuss-Nougat-Creme mit Banane. „Wir hatten sogar eine schwäbische Variante mit Linsen, Spätzle und Würstchen im Programm“, so Keimel. „Und als ein Gastronom die Goschvoll mit Kutteln gefüllt haben wollte, haben wir auch das möglich gemacht.“ Prinzipiell lassen sich die Teigtaschen beliebig füllen.

Damals wurden täglich 500 Goschvoll produziert. Gastronomen, Caterer, Kantinenchefs – und ihre Gäste waren begeistert. „Die Füllungen waren enorm abwechslungsreich, zu besonderen Anlässen oder für internationale Meetings haben wir die ausgefallensten Varianten zubereitet“, sagt Thomas Keimel. „Maultaschen und Butterbrezeln, mit denen sich die Schwaben so gerne im Ausland präsentieren, werden auf Dauer doch langweilig.“ Die „Goschvoll“, die selbst ungelerntes Gastronomiepersonal mit einem Minimum an Arbeitsaufwand aufbacken konnte, wurde schließlich über die Grenzen der Region Stuttgart bekannt. Ihr eigentlicher Höhenflug stand aber noch bevor.

Da Thomas Keimel seinen Lebensunterhalt als Grafiker verdient, war er auf die Einnahmen aus dem Goschvoll-Verkauf nie angewiesen. „Das Geschäft lief bestens, in Spitzenzeiten mussten wir zusätzliche Aushilfskräfte in der Produktion und der Auslieferung beschäftigen“, sagt er. Schließlich ging seiner Familie der Aufwand zu weit. „Damals habe ich keine Nacht länger als vier Stunden geschlafen, denn im Gegensatz zu Currywurst oder Pizza ist die Goschvoll erklärungsbedürftig – und es hat mir immer Spaß gemacht, mein Produkt zu präsentieren.“

Unter dem sanften Druck der Familie begann Thomas Keimel endlich über andere Vertriebsalternativen nachzudenken. Die Lösung brachte Anfang 2011 ein Angebot des Airline-Lieferanten D&F Marketing. Der weltweit agierende Spezialist für Bordbeschickung und Equipment aus Tübingen übernahm den Vertrieb und verkauft jetzt in noch größerem Stil. Allerdings wurde das Angebot auf vier Varianten reduziert, um die Menge der Zutaten zu begrenzen und bessere Margen zu erzielen. „Die Vorteile für die Bordgastronomie liegen auf der Hand: Es wird weder Besteck noch Geschirr benötigt, und außer der Tüte, in der die ,Goschvoll‘ steckt, entsteht kein Abfall. Was will man mehr?“ pm

Die „Goschvoll“ geht in die Luft
Die „Goschvoll“ geht in die Luft