Lokales

Die Milchkanne war Zeuge

Hermann und Wilma Metzger sind seit 60 Jahren verheiratet und immer in Weilheim gewesen

In den Vordergrund drängen wollen Hermann und Wilma Metzger sich nicht. Auf keinen Fall wollen sie als Angeber erscheinen. Aber wenn zwei so freundliche Menschen 60 Jahre lang miteinander verheiratet sind und das noch immer schön ist, dann ist das etwas Besonderes, über das berichtet gehört.

60 Jahre verheiratet: Wilma und Hermann Metzger.Foto: Peter Dietrich
60 Jahre verheiratet: Wilma und Hermann Metzger.Foto: Peter Dietrich

Weilheim. Wenn man nur die Milchkanne fragen könnte, sie müsste es wissen. Sie hat es doch sicher genau gehört, wie der Hermann damals die Wilma das erste Mal angesprochen hat. Die war mal wieder mit der Milch des elterlichen Bauernhofs zur Sammelstelle unterwegs. Der Hermann, der mit anderen von der Dorfjugend an der Ecke stand, nutzte die Gelegenheit und näherte sich der vier Jahre jüngeren jungen Dame.

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Die beiden sind zwar in Weilheim geboren. Es ist aber nicht so, dass sie sich schon im Kindergarten oder in der Schule kannten. Dennoch haben sie sich in Weilheim kennen und lieben gelernt; sie haben in der Zähringerstadt geheiratet und wohnen noch immer dort. Es ist fast überflüssig, zu schreiben, dass es den beiden in Weilheim bestens gefällt. Gäbe es eine Medaille für Heimatverbundenheit, sie müssten sie bekommen. Zu dieser Verbundenheit gehört auch der Teckbote: Er war und ist bis heute ununterbrochen dabei.

Mit 14 Jahren hat Hermann Metzger seine Lehre als Schlosser begonnen, bei der damaligen Firma Faber & Becker. 50 Jahre blieb er dort. Nach der Hochzeit half er zugleich in der Landwirtschaft, die seine Frau in die Ehe einbrachte. Dort wurden Bullen aufgezogen und 220 Bäume gepflegt, mit Äpfeln, Birnen, Pfirsichen, Zwetschgen, Mirabellen und Kirschen. Das mit den Bäumen wurde Hermann Metzgers Hobby, er setzte sie und hat sie bis vor etwa vier Jahren jedes Jahr erneut geschnitten.

Urlaub? Das war mit der Landwirtschaft nicht drin. Hermann Metzger wollte aber auch nicht gerne auswärts übernachten. Mit der Horex, dem Motorrad, ging es einmal zum Königsee und noch in der Nacht wieder zurück ins eigene Bett. Die Großglocknertour mit zwei Übernachtungen war die große Ausnahme. Zum 70. gab es als Geschenk der Familie ein Wochenende im Allgäu.

Eine Tochter wohnt mit den beiden Enkelinnen, dem ganzen Stolz von Opa und Oma, direkt im Haus nebenan. Die zweite Tochter hat es im Vergleich dazu in die große weite Welt verschlagen, immerhin bis nach Schlierbach. Die Nähe hat unter anderem den Vorteil, dass Wilma Metzger alle mit Gestricktem versorgen kann. „Stricken kann ich noch wie mit 20“, sagt sie.

Die Geweihe an der Wand sind kein Ergebnis der eigenen Jagd, sondern geschenkte und gekaufte Exemplare. Für das Fell einer Wildsau hat Hermann Metzger einmal 100 Mark hingelegt. Wenn der Naturliebhaber selbst auf die Jagd geht, dann nur mit dem Fernglas. Inzwischen spürt er, dass es die Limburg hinauf nicht mehr geht: Mit dem Kopf könne er schon noch, sagt er, aber nicht mit den Füßen.

Hermann und Wilma Metzger freuen sich dennoch über ihre Gesundheit. Vielleicht liegt diese ja auch ein wenig am vielen Obst und Gemüse, das Wilma Metzger so gerne zubereitet und bei dem die Qualität stimmen muss – da kann ihr keiner etwas vormachen. Die beiden Metzgers machen gerne alles zusammen. Wo der eine etwas besser kann als der andere, helfen sie sich gegenseitig.

Gefeiert wird nicht am Jubiläumstag, dem 29. Januar, sondern am drauffolgenden Sonntag im Familienkreis, in der Kirche und mit einem schönen Essen.