Lokales

Ein erfülltes Leben voller Sport und Gesang

Alfred Kugler kann morgen bei bester Gesundheit seinen 90. Geburtstag feiern

Alfred Kugler lacht gerne und oft. Er schaut optimistisch in die Zukunft und setzt auf die Kraft seines Humors. Grund zu Zufriedenheit hat er durchaus. Nach einem erfüllten und erfolgreichen Leben genießt er gemeinsam mit seiner Ehefrau Ruth bei bester Gesundheit seinen Lebensabend.

Alfred Kugler 90 J. - Geburtstag
Alfred Kugler 90 J. - Geburtstag

Kirchheim. Am morgigen Donnerstag wird der am 10. Mai 1922 in Stuttgart geborene Alfred Kugler 90  Jahre alt. Er freut sich schon sehr auf das Fest im Kreis seiner Familie, zu der neben Tochter Helma und seinen Söhnen Jochen und Axel insgesamt auch noch elf Enkel und ein Urenkel gehören.

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Von einer unbeschwerten Jugend kann bei Alfred Kugler eigentlich keine Rede sein. Wer in einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb aufwächst, braucht sich nicht allzu viel Gedanken darüber zu machen, womit er seine Freizeit verbringt. Während seine Kumpels sonntagnachmittags zu einem Sportfest fuhren, musste er in der Wangerhalde heuen. Wenn seine Schulkameraden frühmorgens eher noch etwas verschlafen ins Klassenzimmer marschierten, war er schon hellwach, weil er vor Schulbeginn bereits zwei Heuwagen beladen hatte.

Im Alter von drei Jahren brach sich Alfred Kugler bei einem Sturz von einem Holzstapel den linken Ellbogen. Dieser Unglücksfall bestimmte nachhaltig den Verlauf seines weiteren Lebens, denn eine Versteifung des Handgelenks sorgte einerseits dafür, dass er nicht die Landwirtschaft seines Vaters übernehmen konnte, verhinderte andererseits aber auch, dass er zum Militär eingezogen wurde. Zur Mithilfe im elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb war er aber immer und uneingeschränkt einsetzbar.

Nach dem Besuch der Grundschule und der mittleren Reife am Kirchheimer Realgymnasium absolvierte Alfred Kugler zunächst eine Lehre bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK). Bis 1945 war er als Verwaltungsangestellter tätig, bevor er in die Firma Johannes Rau, Landmaschinen, eintrat und sich mit seinem Sportkameraden Hans Rau auf dem großväterlichen Anwesen in der Hammerschmiedgasse ein Büro teilte. Zwölf Mitarbeiter hatte das Unternehmen, mit dessen Chef Alfred Kugler von Anfang an per „Du“ war und schon 1957 mit einer Einzelprokura entsprechende Handlungsvollmacht erhalten hatte.

Als Alfred Kugler sich nach 40 Jahren aus seinem aufreibenden Engagement im Bereich Personal- und Finanzwesen mit der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg verabschiedete, lag die Zahl der Beschäftigten bei rund 450. Jahrzehntelang engagierte er sich auch im Aufsichtsrat der Volksbank und des Glasschutzvereins.

Trotz oder gerade wegen seines körperlichen Handicaps und seiner starken beruflichen Beanspruchung war Alfred Kugler schon immer ein leidenschaftlicher Sportler, der sich ganz besonders für Leichtathletik und für Handball begeistern konnte. Seine zweite große Leidenschaft ist – ebenfalls bis heute – die Musik. Seit 1948 ist Alfred Kugler Mitglied im „Bürgergesangverein Liederkranz“. Durch das Chorsingen lernte er auch seine Frau kennen, mit der er inzwischen 58 Jahre glücklich verheiratet ist. Seine aus Freiburg stammende und als Säuglings- und Kinderschwester ausgebildete Frau hatte er beim Skiball im „Goldenen Adler“ erstmals gesehen und vor allem auch singen gehört. Geduldig hatte er dann bis zum nächsten Skiball gewartet, um sie wiederzusehen, sie zum letzten Tanz aufzufordern und näher kennenzulernen.

Nach der Heirat im Mai 1954 konnten sie in das von ihm bereits 1950/51 erbaute Haus in der Schlierbacher Straße einziehen. Dass sie sich vor zwei Jahren entschlossen, sich von dem Haus und dem arbeitsintensiven Grundstück zu trennen, um in Stadtnähe einen unbeschwerten und notfalls auch etwas betreuten Lebensabend zu genießen, haben sie noch keine Sekunde bereut.

Auch wenn Alfred Kugler jetzt nicht mehr dauernd die Rebschere in die Hand nehmen muss, ist er am neuen Wohnsitz Ottenäcker 11 weiterhin von Grün umgeben und hat immerhin die attraktivsten Stücke seiner eindrucksvollen Fossilien-Sammlung in seinen Altersruhesitz gerettet. Im Gegensatz zu einem Freund, der immer in den Himmel schaute, hatte Alfred Kugler seinen Blick stets auf den Boden gerichtet und dabei viele interessante Dinge gefunden, die ihm noch immer große Freude bereiten.