Lokales

Entlastung für das Paradiesle

Grünschnittstelle soll eines Tages von Westen her erschlossen sein

Die Stadt Kirchheim ist dabei, eine spezielles Verkehrsproblem langfristig zu beheben: Es geht um die Zufahrt zur Grünschnittstelle über die Saarstraße. Eines Tages soll der Wertstoffhof über die Schellingstraße und ein neues Gewerbegebiet „In der Au“ erreichbar sein.

Andreas Volz

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Kirchheim. Die Saarstraße in Kirchheim sollte eigentlich von Norden her ins Wohngebiet Paradiesle führen sowie zum Trösterbrünnele und in den Doschler auf der anderen Seite der Lauter. Eigentlich sollte es in der Saarstraße also beschaulich zugehen, was den Autoverkehr betrifft. Dem Charakter eines Wohngebiets entsprechend, sind am Straßenrand auch viele Autos geparkt. Es könnte an dieser Zufahrt zum Paradiesle wirklich paradiesisch zugehen.

Tatsächlich aber sind in der Saarstraße häufig lange Autoschlangen anzutreffen, die sich im Slalom um die parkenden Autos winden. Immer wieder muss der Gegenverkehr warten oder vorbeigelassen werden, und viele Fahrzeuge, die da unterwegs sind, haben große Ladeflächen oder sind gar mit Anhängern ausgerüstet. Der Grund ist ganz einfach: Die Fahrer wollen die Grünschnittsammelstelle erreichen, die auch als Wertstoff- und Recyclinghof dient. Da gibt es viel Material anzuliefern – seien es Kartonagen oder eben der namengebende Grünschnitt.

Die Situation in der Saarstraße kann natürlich keinem gefallen: weder denen, die zur Grünschnittstelle fahren wollen oder müssen, noch denen, die dort wohnen. Weil es aber keine andere Zufahrt gibt, ist der Engpass in der Saarstraße schon seit Jahren so hinzunehmen wie die Hitze im Sommer oder die Kälte im Winter. Es lässt sich ja nichts dran ändern.

Nun gibt es aber Anzeichen dafür, dass sich irgendwann doch etwas ändern könnte. Das liegt zum einen am Tennisclub Kirchheim, der sich nach Norden erweitern will, und zum anderen an der Nachfrage nach topografisch ebenen Gewerbeflächen, die sich auch im neuen Kirchheimer Gewerbegebiet Hegelesberg so nicht befriedigen lässt.

Deshalb hat Gemeinderat jetzt den Aufstellungsbeschluss für die fünfte Änderung des Bebauungsplans „In der Au“ gefasst. Dadurch lassen sich sowohl die gewünschten Gewerbeflächen schaffen als auch die Erweiterungsflächen für die Tennisspieler. Und als dritte Fliege, die da mit einer Klappe zu schlagen wäre, kommt die Erschließung der Grünschnittstelle von Westen her hinzu.

Der Bebauungsplan „In der Au“ stammt aus dem Jahr 1980. Eigentlich sieht er eine Erschließungsstraße vor, die erst entlang der Lauter nach Osten abknickt. Neu ist beim jetzigen Aufstellungsbeschluss, dass diese west-östliche Straße in der Mitte des Gebiets geplant ist, sodass sie sowohl die nördlich als auch die südlich gelegenen Grundstücke in gleicher Weise bedient. Das bietet in vielerlei Hinsicht Vorteile. Nicht zuletzt sprach der Leiter des städtischen Planungsamts, Gernot Pohl, im Gemeinderat davon, dass sich dadurch bei den Erschließungskosten rund eine Million Euro einsparen lasse.

Was außerdem zu berücksichtigen ist, das ist eine Biotopfläche, die sich auf dem Gelände gebildet hat und die zu hundert Prozent auszugleichen ist. Und schließlich soll auch die Einmündung der Schellingstraße in die Stuttgarter Straße – genau gegenüber der Hegelstraße – zum Geltungsbereich des Bebauungsplans gehören. Gernot Pohl nannte dazu auch das entscheidende Stichwort: „Nordwest-Tangente“. Denn genau an dieser Stelle, an der Kreuzung Stuttgarter Straße und Schelling- beziehungsweise Hegelstraße, würde die Nordwest-Tangente ihren Abschluss finden, sollte sie jemals gebaut werden.

Dr. Thilo Rose, der CDU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, erinnerte daran, dass es sich an dieser Stelle auch unabhängig von einer Nordwest-Tangente bereits um eine vielbefahrene Kreuzung handle. Deshalb stellte er den Antrag, auch die Einmündung der Hegelstraße mit in den Bebauungsplan aufzunehmen. Insgesamt begrüßte er die Bebauungsplanänderung, weil er sie mit einer „erfreulichen Entwicklung auf dem Gewerbeimmobilienmarkt“ in Verbindung bringt.

Karl-Heinz Schöllkopf (Grüne) sprach sich für die geänderte Straßenführung aus, weil sie wesentlich effizienter sei. Möglich seien im neuen Gewerbegebiet „In der Au“ durchaus auch Grundstücke von 50 bis 60 Ar. Karl-Heinz Schöllkopf hob gleichfalls hervor, dass dieses Gebiet samt seiner Verkehrsführung an einer „Nahtstelle zwischen Kirchheim und Ötlingen“ liegt.

Eva Frohnmeyer-Carey von der Frauenliste sprach die „gewaltigen Belastungen“ im Wohngebiet Paradiesle an, die durch die bisherige Erschließung der Grünschnittstelle entstehen, und meinte: „Da muss Abhilfe geschaffen werden.“

Diese Abhilfe wird nun kommen, nach einem einstimmigen Beschluss des Gemeinderats. Nur wann genau, das steht noch nicht fest.