Lokales

Felssturz am Wielandstein

Abbruch an Oberlenninger Wahrzeichen – Fast zehn Kletterrouten betroffen

Rund einen halben Hektar Wald hat der Abbruch an der Nordseite des Wielandsteins mit sich gerissen. Kletterrouten von „Lauf der
Rund einen halben Hektar Wald hat der Abbruch an der Nordseite des Wielandsteins mit sich gerissen. Kletterrouten von „Lauf der Dinge“ bis „Linkes Nordwändle“ wurden dadurch zerstört.Foto: Ronald Nordmann

Ein gewaltiger Teil des Wielandsteins östlich von Oberlenningen ist abgebrochen und hat auch das Gipfelkreuz mit sich gerissen. Der Felsen sowie die gesamte Ruine bleiben bis auf Weiteres nicht nur für Kletterer, sondern auch für Wanderer gesperrt.

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Anke Kirsammer

Lenningen. „Im Herbst habe ich eine der Routen, die jetzt fehlen, noch begangen“, sagt Ronald Nordmann, Sprecher des Arbeitskreises Klettern und Naturschutz (AKN) Lenninger Alb. „Schon da hat man gesehen, dass sich die Felsspalten vergrößern.“ Dass sich der Abbruch so schnell ereignen würde, hat ihn jedoch überrascht. Bei dem Felssturz wurden auch das rund 1,50 Meter hohe Gipfelkreuz und die Nase eines Kletterfelsens mit ins Tal gerissen.

Wie das Landratsamt mitteilt, sind bei dem Abriss rund ein Drittel des gesamten Felsens gen Tobeltal abgegangen. Beträchtliche Felsbrocken fielen in Richtung des Ruinenwegs. Waldbesucher befanden sich zum Zeitpunkt des Abbruchs nicht vor Ort, sodass der Felssturz glimpflich abgegangen ist. Das Gebiet bleibt mindestens so lange gesperrt, bis absehbar ist, ob weitere Felsabgänge zu erwarten sind und ob Wege und Kletterfelsen verkehrssicher sind.

Immer wieder kommt es bei dem stark zerklüfteten Gestein des Wielandsteins auch im Innern der von Wanderern und Kletterern gerne besuchten Ruine zu Abbrüchen. Ursache sind Niederschläge in Verbindung mit dem wiederholten Wechsel von Frost und Tauwetter. Dabei dringt Wasser in den porösen Kalkstein ein. Bei Frost dehnt sich das Wasser aus, drückt gegen das Gestein und vergrößert nach und nach Risse und Spalten, bis sich schließlich kleinere oder größeren Brocken lösen.

Insgesamt gab es auf dem Wielandstein bislang 41 Kletterrouten. Wie Ronald Nordmann sagt, fehlen davon durch den jetzigen Abriss fast zehn. Auf der Nordseite hängen lose Brocken und Erde in der Wand, weitere Felsstürze schließt er deshalb nicht aus. „Das Gestein ist extrem zerklüftet und im ehemaligen Gipfelbereich noch in Bewegung.“ Insgesamt schätzt Nordmann, dass sich 400 Kubikmeter Fels gelöst haben.

Auf ihrem Weg gen Tal haben die Gesteinsmassen eine rund 25 Meter breite Schneise geschlagen und einen halben Hektar Gemeindewald mit sich gerissen. Das Ausmaß frappiert auch Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht, der sich gestern vor Ort selbst ein Bild machte. Nachdem der Felssturz gemeldet worden war, hatten Bauhofmitarbeiter die Burgruine umgehend großräumig gesperrt. „Das Gelände gehört der Gemeinde, deshalb sind wir für die Sicherung verantwortlich“, so Schlecht. „Wir werden wohl ein geologisches Gutachten brauchen.“

Für Oberlenningen haben die Wielandsteine eine besondere Bedeutung. Augenfällig wird das unter anderem im Ortswappen. Die im 16. Jahrhundert vollends zerstörte Burg wurde 1976 bis ´79 unter der Ägide der Gemeinde wieder zugänglich gemacht. Gerhard Schneider, ehemaliger Bürgermeister Lenningens, erinnert sich noch gut, wie Mitglieder mehrerer Vereine damals dem Schutt in der Ruine in zig Arbeitsstunden mit Pickel und Schaufel zu Leibe rückten.