Lokales

Grünes Licht für Anbau am Tobelkindergarten

Architekten stellten Standortuntersuchung für U 3-Betreuung dem Lenninger Gemeinderat vor

Die Würfel sind gefallen: Der Lenninger Gemeinderat entschied sich einstimmig für einen Anbau an den denkmalgeschützten Kindergarten in der Tobelstraße in Oberlenningen zum Ausbau der Kleinkind- und Ganztagsbetreuung.

An der Westseite des Tobelkindergartens in Oberlenningen gibt es einen Anbau für die U¿3-Betreuung. Foto: Jean-Luc Jacques
An der Westseite des Tobelkindergartens in Oberlenningen gibt es einen Anbau für die U¿3-Betreuung. Foto: Jean-Luc Jacques

Lenningen. „Wir sind bei den Diskussionen im Juli und Oktober zu dem Schluss gekommen, vier Standorte nachhaltig und detailliert zu überprüfen, wo Erweiterungsmöglichkeiten vorhanden sind – und zwar ohne jegliche Vorbehalte“, erklärte Bürgermeister Michael Schlecht. Bei diesen Vorberatungen wurde deutlich, dass es weitere Optionen für den Kindergarten in der Tobelstraße gibt. „Jetzt geht es da­rum, einen bedarfsgerechten Ausbau hinzubekommen, und das hängt auch mit den pädagogischen Konzepten zusammen. Ob sechs bis acht Gruppen unter einem Dach sinnvoll sind, ist fraglich. Außerdem geht um die Wirtschaftlichkeit“, gab Michael Schlecht zu bedenken. Da die Kinderzahl nicht zunehmen wird, brachte er auch das Stichwort Nachhaltigkeit ins Gespräch. „Wir werden in 20 Jahren aus den Kindergärten keine Seniorenheime machen können“, so der Schultes. Doch allen müsse klar sein, dass ein Angebot auch Bedarf schaffe, wie die Vergangenheit gezeigt habe.

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Die umfangreiche Standortuntersuchung aller Kindergärten in Unter- und Oberlenningen durch das Kirchheimer Architekturbüro Bankwitz brachte Klarheit für den Ausbau der Kleinkind- und Ganztagsbetreuung. Zur Debatte standen der Anbau in der Brunnenstraße in Unterlenningen, Anbau in der Öschlestraße in Oberlenningen und Neubau im Heerweg in Oberlenningen. Gleich drei Versionen gab es für den denkmalgeschützten Kindergarten in der Tobelstraße in Oberlenningen: Umbau, eingeschossiger Anbau oder zweigeschossiger Anbau.

Architekt Steffen Schade präsentierte dem Gemeinderat detailliert die Ergebnisse der Untersuchung. Neben einem genauen Plan waren alle relevanten Punkte vergleichbar aufgelistet, etwa, ob die Freiflächen ausreichend und sinnvoll nutzbar sind, es lange Flure gibt, noch Reserven bestehen oder die Belichtungssituation ausreichend ist. Die Planer machten auf die Besonderheiten des jeweiligen Standorts aufmerksam und listeten auch die Kostenschätzung samt Risiken und Folgekosten, wie beispielsweise hohe Stromkosten durch Nachtspeicheröfen, auf. Zum Schluss zogen die Architekten ein Fazit. Das lautete im Fall für Unterlenningen unter anderem: „Es sollten die pädagogischen Vorbehalte (sechs Gruppen an einem Standort!) vorab mit der Kindergartenleitung diskutiert werden.“

Ein Sonderfall war der Tobelkindergarten in mehrfacher Hinsicht: Er ist denkmalgeschützt und beheimatet im Dachgeschoss das geschützte „Große Mausohr“, eine Fledermausart. Ferner gibt es im ersten Stock drei vermietete Wohnungen, die nicht ohne Weiteres gekündigt werden können, Brandschutz ist ein wichtiges Thema, und für den Umbau des Obergeschosses wären nicht nur Außentreppen, sondern auch ein Aufzug wegen der Barrierefreiheit nötig.

Ganz anders sieht es bei einem Anbau aus, für das auch das Denkmalamt grünes Licht gab. Der Neubau würde in einem Abstand von fünf Metern neben der Westfassade entstehen und durch einen Verbindungsgang verbunden sein. Dadurch würde zwar die Freifläche verringert, entspräche aber noch dem Richtwert. „Im Kleinkindbereich sind Freiflächen nicht so wichtig, umso mehr jedoch die Trennung von den größeren Kindern“, urteilte Michael Schlecht.

Recht schnell wurde während der Diskussion klar, dass der Gemeinderat einen Anbau am Tobelkindergarten favorisiert, was der Schultes nach der einstimmigen Abstimmung als Grundsatzbeschluss wertete. Jetzt können die Planer an diesem Standort ins Detail gehen und genau prüfen, ob dieser Anbau eingeschossig oder zweigeschossig sinnvoller ist.

Wird in die Höhe gebaut, ist die Freifläche für die U 3-Kindert doppelt so groß, es entstünden jedoch auch höhere Kosten, denn es wären ein Aufzug, eine Treppe und zusätzliche Flurflächen notwendig, ebenso ein Fluchtbalkon samt Außentreppe. Auch müssten auf jedem Geschoss Kinder-Toiletten eingebaut werden, und trotz höherer Baukosten gäbe es keinen wesentlichen Flächengewinn innerhalb des Gebäudes. Bei beiden Varianten können zwei zusätzliche U 3-Gruppen mit maximal 20 Kindern untergebracht werden. Die Kosten belaufen sich für den eingeschossigen Anbau auf etwa 1,47 Millionen Euro, was knapp 74 000 Euro pro Platz entspricht. Ein zweigeschossiger Anbau würde etwa 1,87 Millionen Euro kosten, also knapp 94 000 Euro pro Platz.