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Jugendliche vor sich selbst schützen

Landkreis Esslingen wird für sein Konzept der Suchtvorbeugung ausgezeichnet

Mit Freude hat der Sozialausschuss des Kreistags gestern zur Kenntnis genommen, dass der Landkreis Esslingen den bundesweiten Wettbewerb „Vorbildliche Strategien kommunaler Suchtvorbeugung – Alkoholprävention im öffentlichen Raum“ gewonnen hat.

Jugendliche vor sich selbst schützen

Bei der Preisverleihung in Berlin (von links): Paul Mejzlik von der Polizeidirektion Esslingen, die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans, Sozialdezernent Dieter Krug, Gesundheitsminister Daniel Bahr, Christiane Heinze, die die Suchtprophylaxe koordiniert, die Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Professor Dr. Elisabeth Pott und Elke Klös, ebenfalls Koordinatorin der Suchtprophylaxe. Foto: pr

Kreis Esslingen. Der Landkreis erhält die Auszeichnung für sein breites Unterstützungsangebot, das die Suchtprophylaxe des Landkreises und die Polizeidirektion Esslingen federführend entwickelt haben. Ein Auslöser für die Bemühungen war laut Koordinatorin Elke Klös die hohe Zahl von Jugendlichen, die mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. „2011 waren das 121 Jugendliche unter 18 Jahren, die im Landkreis leben“, sagte Elke Klös im Sozialausschuss. Erfreulicherweise seien die Zahlen mittlerweile rückläufig. Doch auch schwere Unfälle sowie Gewaltdelikte unter Alkoholeinfluss brachten die Verantwortlichen dazu, ihre Anstrengungen zu verstärken.

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Die Maßnahmen richten sich an die Kommunen mit ihren Ordnungsämtern, Vereine und Festveranstalter, den Einzelhandel sowie Verkaufs- und Tankstellen. Öffentlichkeitsmaterialien werden zur Verfügung gestellt, Schulungen und Informationsveranstaltungen angeboten, Blaue Briefe und Gelbe Karte wurden als Reaktion bei gravierenden Auffälligkeiten eingeführt. Veranstalter von Festen müssen sich durchaus auch Kritik gefallen lassen. „Wir fragen zum Beispiel, ob bei Veranstaltungen, die von Jugendlichen besucht werden, wirklich harter Alkohol verkauft werden muss“, sagte Elke Klös. Bei Veranstaltungen, die von Kindern besucht werden, ist es ihrer Meinung nach auch denkbar, ganz auf Alkoholausschank zu verzichten. Allerdings sieht Klös auch das Dilemma der Veranstalter: „Wer das macht, dem rennen die Gäste weg“.

Auch zahlreiche Projekte für verschiedene Zielgruppen sind in den letzten Jahren entstanden. Für Jugendliche, die nach der Party in der Notaufnahme aufgewacht sind, und für deren Eltern gibt es das Projekt HaLT. ALF richtet sich an Jugendliche, die unter Alkoholeinfluss straffällig geworden sind, PAJ an solche, die gar gewalttätig geworden sind. Beim Peer-Projekt an Fahrschulen zeigen Fahranfänger, wie man Feiern und Fahren verantwortlich vereinbaren kann.

Apropos Verantwortung: Für Elke Klös ist klar, dass Erwachsene beim Thema Alkohol ihre Vorbildfunktion ernst nehmen müssen. „Die Jugendlichen sehen sehr wohl, wie wir auf Festen und Veranstaltungen mit Alkohol umgehen“, sagte sie. In diesem Zusammenhang brachte Eberhard Haußmann, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands, die umstrittene „Sparbieraktion“ ins Spiel, mit der die Stadt Nürtingen für ihren diesjährigen Maientag geworben hat. Das Plakat, das junge Menschen, darunter mindestens eine mutmaßlich Minderjährige, beim feuchtfröhlichen Feiern zeigt, lockt mit dem Hinweis: „Ein Bier kaufen –zwei Bier trinken“. Es war unter anderem an Schulen und Kindergärten geschickt worden. „Empörend“ sei diese Aktion gewesen, sagte Eberhard Haußmann und erntete aus dem Gremium keinen Widerspruch. Dass das Plakat eine solche Welle der Empörung hervorgerufen habe, zeige aber auch den Erfolg der Präventionsarbeit, fand Sozialdezernent Dieter Krug.