Lokales

Kliniken im Umbruch

Erster Teil der neuen Serie über die Kreiskliniken und ihre Schwerpunkte – Heute: Kirchheim

Die Kreiskliniken sind im Umbruch. An den Standorten in Kirchheim, Nürtingen, Ruit und Plochingen hat sich in den letzten Jahren vieles verändert. Der Teckbote beschreibt in einer Serie, welche Angebote es in den einzelnen Kliniken gibt und wie sich die Häuser fit für die Zukunft machen.

Kreiskliniken Kirchheim
Kreiskliniken Kirchheim

Kirchheim. Die Kardiologie an der Klinik Kirchheim ist die Anlaufstelle für alle Patienten von der Alb bis Nürtingen. Wer in Nürtingen einen akuten Herzinfarkt hat, wird von den Rettungsdiensten nach Kirchheim gebracht. Die Rufbereitschaft in der Klinik garantiert, dass 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche ein Kardiologe vor Ort ist, der sofort eingreifen kann. „Bei einem akuten Herzinfarkt zählt jede Minute“, sagt Dr. Martin Beyer, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin in Kirchheim. Dass es nicht an jeder Kreisklinik eine Kardiologie gibt, macht für ihn Sinn. „Wir können beispielsweise nicht überall eine Rufbereitschaft installieren“, sagt er. Um spezielle Verfahren anbieten zu können, brauche man gewisse Fallzahlen. Auf Deutsch heißt das: genügend Patienten.

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Ein solches Angebot ist der Herzkathetermessplatz, den es seit März 2006 in Kirchheim gibt. Dort wird untersucht, ob und wo die Herzkranzgefäße des Patienten Engstellen aufweisen, die zu einem Herzinfarkt führen könnten – oder bereits dazu geführt haben. Diese gefährlichen Engpässe werden mit sogenannten Stents erweitert und wieder durchlässig gemacht. Die Behandlung erfolgt minimal-invasiv über einen Zugang an der Leiste. Etwa 750 solcher Eingriffe führen Dr. Beyer und seine Kollegen jährlich durch, die Zahl der Untersuchungen mit dem Herzkathetermessplatz ist in etwa doppelt so hoch.

Die Klinik Kirchheim hat als einziger Standort eine Neurologie. Dort werden Patienten mit Krankheiten wie Multiple Sklerose, Parkinson, Epilepsie und Demenz behandelt. Außerdem kommen Patienten auf der Kirchheimer Schlaganfallabteilung hierher. Eine solche Schlaganfallabteilung gibt es sonst nur noch am Paracelsus-Krankenhaus in Ruit.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Wirbelsäulenchirurgie, die es seit einem Jahr exklusiv an der Klinik Kirchheim gibt. Dort werden unter anderem Frakturen der Wirbelsäule, Verengungen des Wirbelkanals und Bandscheibenvorfälle behandelt.

Ab November gibt es in Kirchheim eine Psychiatrie. Bisher ist die noch in Nürtingen untergebracht. Die Räume, die sich in den ersten beiden Stockwerken des neuen Bettentrakts befinden, sind bereits fertig. Ergänzt wird die Psychiatrie um eine Tagesklinik mit gerontopsychiatrischem Schwerpunkt. Dort können alte Menschen, die psychisch krank sind, tagsüber betreut werden. Die Nächte verbringen sie zu Hause. „Das Ziel ist: ambulant vor stationär“, erklärt Klinikdirektor Norbert Nadler. Dieses Prinzip werde auch im somatischen Bereich immer wichtiger.

Früher wieder auf den Beinen sein: Das ist nicht nur im Sinne der Patienten – zumindest jener, die noch fit sind – , sondern auch im Sinne der Klinik. Seit im Rahmen der Gesundheitsreform die Tagessätze durch Fallpauschalen (DRGs) ersetzt worden sind, mindern lange Krankenhausaufenthalte die Erlöse der Häuser oder verursachen sogar zusätzliche Kosten. Deshalb gilt überall das Ziel, unnötige Krankenhausaufenthalte zu vermeiden und, wenn möglich, ambulant zu behandeln.

Diesem Gedanken trägt das Zent­rum für Ambulantes Operieren (ZAO) Rechnung, das 2009 in der Kirchheimer Klinik eröffnet worden ist. Das Leistungsspektrum umfasst chirurgische und gynäkologische Eingriffe, die bisher stationär durchgeführt wurden, zum Beispiel Kniespiegelungen, Ausschabungen, Leis­tenbrüche oder Metallentfernungen. Die Nachsorge übernehmen die Fachambulanzen im Krankenhaus oder die Haus- beziehungsweise Fachärzte. „Die Kostenträger schreiben uns vor, dass immer mehr Eingriffe nur noch ambulant gemacht werden dürfen“, erklärt Norbert Nadler. Wenn die Sicherheit eines Patienten nach seiner Entlassung nicht gewährleistet sei, werde er dennoch stationär aufgenommen.

Auch die kürzlich eingeführte Zweiteilung der Patientenaufnahme in Zentrale Notaufnahme und Patienten-Service-Center verfolgt das Ziel, Patienten möglichst effizient durch den Behandlungsprozess zu schleusen. Das brandneue Patienten-Service-Center ist die Koordinierungsstelle für alle Patienten, die in der Klinik einen Termin haben. Wer hingegen ohne Termin ins Krankenhaus kommt, ist in der Zentralen Notaufnahme richtig. Dort wird in einer ersten Untersuchung entschieden, ob eine stationäre Aufnahme nötig ist. „Der Sinn ist auch hier, Fehlbelegungen zu vermeiden“, so Nadler.