Lokales

Kolosse bringen Zugstrecke in Schuss

Auf der Teckbahn-Trasse arbeiten Spezialmaschinen teilweise bis in die Nacht

Es ist ein wahres Spektakel, das sich zurzeit auf der Trasse der Oberen Teckbahn zwischen Kirchheim und Lenningen abspielt. Immer wieder tauchen riesige Spezialmaschinen auf, die die Schienen austauschen und das Schotterbett reinigen.

Bettingsreinigungsmaschine auf der Teckbahn-Trasse
Bettingsreinigungsmaschine auf der Teckbahn-Trasse

Kirchheim/Lenningen. Wer häufiger zwischen Kirchheim und dem Lenninger Tal pendelt oder den Autobahnanschluss Kirchheim-Ost nutzt, hat die Kolosse vermutlich schon einmal erspäht: Seit Ende Juli arbeiten phasenweise ein „Umbauzug“ und eine „Bettungsreinigungsmaschine“ auf der Teckbahn-Trasse zwischen Kirchheim und Lenningen, um die neun Kilometer lange Trasse auf Vordermann zu bringen.

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Ist es für Passanten vor allem ein beeindruckendes Spektakel, das sich da abspielt, so müssen Anlieger, Bahnkunden und auch Autofahrer während der Reparaturarbeiten einige Unannehmlichkeiten auf sich nehmen: „Das ist eine grobe Arbeit, da gibt es Staub und Lärm “, sagt ein Sprecher der Bahn in Stuttgart. Weil die Strecke seit Ende Juli bis einschließlich 11. September komplett gesperrt ist, müssen Bahnkunden für Fahrten zwischen Lenningen und Kirchheim während dieser Zeit auf den Bus umsteigen. Aber auch Autofahrer bekommen die Schienenarbeiten zu spüren. Da einige Bahn­übergänge gesperrt sind, müssen sie Umleitungen und Umwege fahren.

Nichtsdestotrotz sind die Reparaturarbeiten nach jahrzehntlanger Nutzung schlichtweg notwendig. „Es werden die alten Gleise rausgeholt und neue dafür eingebaut“, erläutert der Bahnsprecher das genaue Vorgehen. Das passiert sozusagen in einem Rutsch: Der Umbauzug hebt nicht nur die alten Schienen und Schwellen raus und lädt sie auf leere Waggons, die er im Schlepptau hat. Er setzt auch gleich neue Schienen und Schwellen, die er im Gepäck hat, wieder ein. Aber das ist noch nicht alles: „Der Umbauzug richtet die Gleise auch wieder aus.“ Diese sogenannte Fließbandtechnik beim Gleisbau gibt es seit Ende der Sechzigerjahre.

Zweite im Bunde ist die „Bettungsreinigungsmaschine“. „Das ist sozusagen ein Riesenstaubsauger, der den Schotter aufnimmt, reinigt, sortiert und dann wieder ausspuckt“, beschreibt der Sprecher der Bahn. Das Schotterbett auf Vordermann zu bringen ist wichtiger als es auf den ersten Blick wirkt. „Es hat die Aufgabe, das Gleis stabil zu halten“, so der Bahnsprecher. Es soll den Druck abfedern und das Gleis elastisch halten. Im Lauf der Jahre jedoch setzt sich der Schotter durch Staub, Pflanzen und Steinsplitter immer mehr zu. „Das Wasser kann dann nicht mehr so gut abfließen, und das Bett erfüllt seine Aufgabe nicht mehr im erforderlichen Maße.“ Die Bettungsreinigungsmaschine siebt den Schotter durch, sortiert unbrauchbare Stücke aus, reinigt den Rest und verteilt die gesäuberten sowie neue Steine auf dem Gleis. „Für die Obere Teckbahn benötigen wir ungefähr 4 700 Tonnen neuen Schotter“, nennt der Sprecher der Bahn Zahlen.

Auch wenn die Maschinen wahre Allrounder sind – ganz ohne Menschen geht es auch bei der Trassensanierung nicht. „Vor allem die Vorarbeiten werden von Hand erledigt“, informiert der Bahnsprecher. Damit die Ungetüme überhaupt auf die Gleise passen, müssen beispielsweise Signale und Schilder abmontiert werden. Außerdem werden die Verschraubungen an den Schienen von mit motorbetriebenen Schraubern von Hand gelöst und wieder festgezogen. Auch an Bahnübergängen und Bahnsteigen müssen die riesigen „Ungetüme“ ob ihrer Ausmaße passen. „Da kommen dann Bagger und Kräne zum Zug“, sagt der Sprecher der Bahn. Bei der Sanierung geht die Bahn abschnittsweise vor. Die Spezialmaschinen rücken immer wieder für einen oder mehrere Tage an, in den Phasen dazwischen werden sie andernorts gebraucht. Im Einsatz sind die Kolosse sieben Tage die Woche und quasi rund um die Uhr. „Die Maschinen sind sehr teuer, darum müssen die Bauarbeiten in möglichst kurzer Zeit erledigt werden“, so der Bahnsprecher. Geld koste außerdem der Schienenersatzverkehr. Menschen und Maschinen arbeiten deshalb auch zwischen Kirchheim und Lenningen teilweise bis tief in die Nacht sowie an den Wochenenden. Geplant werden große Gleisbauarbeiten übrigens äußerst langfristig: „Zum Teil werden solche Maßnahmen schon zwei Jahre im Voraus besprochen“, sagt der Bahnsprecher. So sei es beispielsweise auch für Firmen möglich, sich langfristig auf eine Phase ohne Güterverkehr einzustellen.