Lokales

Kommunale Kompostplätze vor dem Aus

Grüngutkonzept des Landkreises Göppingen zwingt zur Suche nach Alternativen

Wenn es nach dem Willen des Landkreises Göppingen geht, steht der kommunale Kompostplatz in Schlierbach vor dem Aus. Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises möchte das bisherige System komplett ändern. Nun sucht die Gemeinde nach Alternativen.

Schlierbach. Mit Verweis auf die seit 2012 geltende Bioabfallverordnung will der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises nur noch kreiseigene Kompostplätze einrichten und betreiben. Damit stehen die bisherigen kommunalen Kompostplätze, die Ende der 80er-Jahre auf Druck des Landkreises eingerichtet worden waren und teilweise mit sehr viel Geld den entsprechenden Vorschriften angepasst wurden, vor dem Aus. Lediglich als kommunale Sammelplätze unter Gemeinderegie könnten diese weitergeführt werden.

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Wo allerdings die neuen zentralen Plätze im unteren Filstal eingerichtet werden sollen, ist noch offen. Im Gespräch ist derzeit wohl ein Standort am Waldrand von Bünzwangen, denn die Stadt Ebersbach plant, ihren Kompostplatz an den Landkreis abzugeben. Und auch Uhingen benötigt einen Standort, wobei der Landkreis offenbar bereit wäre, nördlich von Uhingen einen Platz einzurichten.

„Wir haben mittlerweile rund 100 000 Euro in unseren Platz investiert“, führte Bürgermeister Paul Schmid bei der Vorstellung des Tagesordnungspunkts aus. „Wir könnten uns natürlich gegen die neue Konzeption des Landkreises wehren“, so der Rathauschef weiter. Sinnvoller sei aber ein Alternativvorschlag der Gemeinde. Dieser sieht vor, den bisher gemeindeeigenen Platz dem Landkreis zur Verfügung zu stellen. „Unser Standort entspricht weitgehend den Vorgaben“, so Schmid. „Das hätte auch für den Landkreis Vorteile.“ Die Gemeinde würde also den Platz stellen und zusätzliche Investitionskosten übernehmen, wenn der Landkreis die Personalkosten für die Überwachung des Platzes während der Öffnungszeiten übernehmen würde, so der Schlierbacher Vorschlag.

Dieses Vorgehen traf im Gemeinderat auf Zustimmung. „Wir sollten zusehen, dass wir unseren Platz für unsere Bürger halten können“, meinte etwa August Leins (FUW). Kurt Moll (CDU) signalisierte ebenfalls Zustimmung. „Ich frage mich schon, ob das so toll ist, wenn wir unseren Grünschnitt kilometerweit wegfahren müssen“, so Moll. Grundsätzlich verstehe er den Abfallwirtschaftsbetrieb nicht, denn mit der zunehmenden Zentralisierung schaffe man nur neue Probleme: „Warum muss man ein System kaputt machen, das gut funktioniert?“, fragte er.

Generell herrschte im Ratsrund die Befürchtung, dass die Bürger zukünftig, sollte der Grünschnitt über eine weitere Entfernung wegtransportiert werden müssen, eher wieder zur Selbsthilfe greifen würden: „So mancher wird sich denken, dass er seinen Abfall dann lieber wieder direkt auf der Wiese verbrennt“, brachte Rainer Waldenmayer das Meinungsbild auf den Punkt. Jörn Feldsieper (FUW) wiederum regte an, darüber nachzudenken, die anfallenden Rohstoffe etwa für eine Holzhäckselheizanlage zu verwenden. „Irgendeine Heizung werden wir irgendwann auch wieder ersetzen müssen“, richtete er den Blick in die Zukunft.

Der Gemeinderat beschloss einstimmig, die Verwaltung zu beauftragen, auf den Landkreis zuzugehen und den Kompostplatz der Gemeinde als zentrale Sammelstelle anzubieten.